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Johann Christoph von Woellner hat seine letzte Ruhestätte in Groß Rietz

Geschichte
Staatsmann adelt Friedhof

Tatjana Littig / 15.06.2018, 07:00 Uhr
Groß Rietz (MOZ) Friedhöfe und alte Grabstätten haben für viele Menschen etwas Faszinierendes. Das Oder-Spree Journal hat Geschichten rund um Friedhöfe recherchiert – heute in Groß Rietz.

Das Ensemble ist prächtig: hier Kirche, dort Schloss. Um die Kirche herum: der Kirchhof. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1704. Pfarrer Tobias Kampf geht davon aus, dass es zuvor einen Vorgängerbau gegeben hat. Entsprechend alt schätzt er auch den Kirchhof ein.

Auf dem Grundstück findet sich neben der Kirche auch eine Trauerhalle, weltliche Trauerfeiern finden dort, kirchliche in der Kirche statt. Beigesetzt würden die Toten zwischen den beiden Gebäuden, informiert der Kirchenälteste Paul Rochlitz. Wobei an der Trauerhalle ein Streifen frei bleibt. Hier soll – wenn möglich – eine halbanonyme Begräbnisstätte entstehen. „Das ist Neuland“, erklärt Tobias Kampf dazu. Doch der Bedarf sei da, betonen er und Paul Rochlitz. Sobald die bürokratischen Hürden für das Vorhaben genommen sind und der Bereich vermessen, geht es an die Gestaltung. Erste Ideen gibt es in Groß Rietz schon: Auf einem großen Stein aus dem Ort sollen sich die Namen der Verstorbenen wieder-finden.

Beim Rundgang über den Kirchhof fällt neben Soldatengräbern und einem Denkmal aus Stein, das erst vor zwei Jahren neu verfugt wurde, ein gewaltiger Grabstein ins Auge. Darauf undeutlich zu lesen: J. C. von Woellner und C. A. C. v. Woellner geb. v. Itzenplitz. Hinter den Initialien verbergen sich Johann Christoph von Woellner (1732 – 1800) und seine Ehefrau Charlotte Amalie Elisabeth (1742 – 1801) – warum auf der Grabplatte ein C und kein E eingraviert ist, ist nicht bekannt. Sie von Hause her adlig, er 1786 in den Adelsstand erhoben. Er war preußischer Pastor, Gutspächter und Staats- und Justizminister unter Friedrich Wilhelm II.

Die beiden sind nicht die einzigen Adligen auf dem Kirchhof in Groß Rietz. Hinter der Trauerhalle, umgeben von Koniferen, liegen Angehörige der Familie von der Marwitz. Dem brandenburgischen Adelsgeschlecht ist das Schloss im Ort zu verdanken. Es wurde zwischen 1693 und 1700 für Hans Georg von der Marwitz (1700 − 1768), Hofmarschall unter Friedrich I., erbaut. Bauherr war Johann Georg von der Marwitz (1642 − 1704). 1790 kaufte Johann Christoph von Woellner das Schloss.

Unter der Kirche gebe es eine Gruft, erzählt Tobias Kampf. Über das Hauptschiff konnte man sie einst betreten. Doch das ist Geschichte. Inzwischen gibt es nur noch eine Belüftungsluke. „Wir vermuten, dass es die Grablege der Familie von der Marwitz ist“, so der Pfarrer.

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