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Jugend-Forum
Den Gutspark nutzen, Urban gardening und Kulturabende

Die Teilnehmer des Jugend-Forums.
Die Teilnehmer des Jugend-Forums. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 23.06.2018, 07:45 Uhr
Falkensee „Alle, die ich kenne, wollen so schnell wie möglich nach Berlin ziehen“, sagt die 20-jährige Julika Dieterle. Dabei seien viele, so erzählt sie weiter, ihrer Heimatstadt sehr verbunden. Der Grund für die Flucht in die benachbarte Hauptstadt liegt aus ihrer Sicht im Mangel an Möglichkeiten für Jugendliche in Falkensee. Das soll sich ändern, so wünschen es sich die Mitglieder des Jugend-Forums.

Vor einer guten Woche trafen sich etwa 40 Jugendliche im „Egal“ in der Bahnhofstraße. Ziel: Zunächst einmal herausbekommen, was die Jugendlichen in Falkensee gern bewegen wollen. Denn viele von ihnen wollen gar nicht immer unbedingt in die benachbarte Großstadt fahren, um dort ihre Freizeit zu verbringen. Das scheitert ohnehin oft an den Verkehrsverbindungen. Ab Mitternacht ist es mau im ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr). Erst ab 5 Uhr Morgens werden dann die Bürgersteige oder auch Bahnhöfe, wieder herunter geklappt.

Und überhaupt, Thema Verkehr. Dieterle erzählt, für viele ihrer Altersgenossen sei das Fahrrad Verkehrsmittel Nummer 1. Die Jugendlichen sehen beim Ausbau des Verkehrswegenetzes für Radfahrer hohen Bedarf, haben zu dem Zweck eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Auch mit dem Wohnraum sieht es knapp aus, erzählt sie weiter. Kleine bezahlbare Wohnungen oder auch größere, um Wohngemeinschaften einzurichten, seien kaum vorhanden. Und auch im Bereich Studium und Ausbildung locken Potsdam oder eben wieder Berlin. Dieterle sieht wenig attraktive Ausbildungsmöglichkeiten in der Stadt.

Beim Treffen geht es aber erst einmal um die Frage der Freizeitgestaltung. Zunächst werden sechs große Themenblöcke erarbeitet, in Arbeitsgruppen geht es an die ausführliche Bearbeitung. Jede Gruppe hat zehn Minuten Zeit dafür, dann erfolgt der Wechsel an den nächsten Thementisch. In der Auswertung hat jeder Teilenehmer einen Punkt zur Verfügung und darf diesen nun an das ganz persönliche Lieblingsprojekt heften. Nur vier der Themen werden danach wieder in Arbeitsgruppen weiterverfolgt.

Auf Position eins landet die jugendfreundliche Nutzung des Gutsparks. Wie die aussehen könnte? Die Jugendlichen fänden ein Freiluftkino gut, einen weiteren Basketballplatz und könnten sich für gemeinsame Yoga-Treffen erwärmen. Urban gardening - das gemeinschaftliche öffentliche Gärtnern - schaffte es auf Platz zwei und ja, sehr viele junge Männer stimmten dem Thema mit ihrem Punkt zu. Zur Begründung heißt es hier: „Wir bekommen immer mehr Beton in Falkensee und damit immer weniger grün.“ Und wie genau stellen sich die Jugendlichen das vor? Obstbäume pflanzen, Imkern, die Bahnhofstraße spontan und unkompliziert mit Blumen schmücken, um auf das verlorene Grün aufmerksam zu machen. Unter Kulturabenden, drittplatziert, stellen sie sich eine Vernetzung der Falkenseer Schulen vor. Gleich mehrere Jugendliche stellen fest: „Es gibt da viele Vorurteile der Schüler gegenüber den Schülern anderer Schulen.“ Dem würden sie mit gemeinsamen Aktivitäten und Gesprächen gern entgegen steuern. Festivals schafften es auf Platz vier. Selbsterklärend, nur wo? Am See, so der Vorschlag. Open-Air Musik und vielleicht dürfte man dort dann auch campen.

Was nicht auf der Wunschliste stand: Hallenbad und Einkaufszentrum. Nun haben die Jugendlichen des Jugend-Forums mit vierzig Teilnehmern schon ordentlich etwas auf die Beine gestellt, ein für alle Jugendlichen signifikantes Ergebnis ist das sicher nicht. Beachtung finden solle es dennoch.

Das Jugend-Forum wurde 2015 gegründet. Es gibt einen Sprecherinnenrat mit zwölf Mitgliedern, Ideen einbringen und Teilhabe sind davon unabhängig. Das Jugend-Forum gehört keiner Partei an. Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 20 Jahre alt, willkommen ist jeder zwischen 12 und 27. Dabei muss man nicht in Falkensee leben, es sollte aber einen Bezug zur Stadt geben. Diesmal waren Jugendliche aus Brieselang, Wustermark, Dallgow-Döberitz und Schönwalde dabei. „Wir sind alle Jugendliche und wir teilen die selben Interessen“, sagt Dieterle. „Wir wollen hier etwas für uns bewegen und zeigen, Politik muss nicht langweilig sein. Viele Jugendliche wissen auch gar nicht, wie viel Teilhabe sie haben.“

Zwischen den Arbeitsrunden gabs eine Pause mit Pizza und Mate. Musik untermalt das Ganze. „Ist es auch nicht zu laut?“ Die Frage, in Bezug auf die Musik, wird etwa alle drei Minuten erneut gestellt. Auch sonst sind die vierzig Jugendlichen nicht lauter als ein durchschnittlicher Kegelclub. Und mit noch einem Klischee darf hier aufgeräumt werden. Kaum ein Handy ist zu sehen, auf den Tischen liegt gar keines, ab und an wird eines aus Hosen- oder Jackentasche gefischt, Blick drauf und wieder weg damit. Dieterle bestätigt, dass die sozialen Medien wichtig für sie sind, gemeinsame Treffen entstehen aus ihrer Erfahrung aber eher durch das Gespräch und die Weiterempfehlung an Freunde und Bekannte. Recht analog das Ganze. Dieterle lacht. „Ja, wir schätzen das reale Treffen, sich gegenüber sitzen und miteinander reden. Das ist ehrlicher und hier muss sich auch niemand verstellen oder vorgeben, etwas zu sein.“

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