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Bildung
Dem Osten fehlen Schulen

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Symbolfoto © Foto: dpa/Jens Wolf
Mathias Puddig / 23.06.2018, 13:00 Uhr
Potsdam (MOZ) In ostdeutschen Städten und Landkreisen ist seit 2006 jede vierte Berufsschule und jede neunte Grundschule geschlossen worden. Auch das Angebot an Ausbildungsplätzen ist geschrumpft. Entkoppeln sich die neuen Länder auch beim Thema Bildung vom Westen?

Bildung lohnt sich. Das soll die zentrale Erkenntnis aus dem Nationalen Bildungsbericht sein, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Zum achten Mal wurde die Analyse der deutschen Bildungslandschaft erstellt, diesmal mit dem Fokus auf Wirkungen und Erträge von Bildung.

Wenig überraschend stellt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) deshalb bei der Vorstellung des Berichts fest: „Bildung zahlt sich für den Einzelnen aus, aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.“ Je höher die Bildung, desto eher finden die Menschen einen Arbeitsplatz und desto besser wird er bezahlt. Die Effekte reichen sogar noch weiter: „Mit höherer Bildung steigt das Interesse an gesellschaftlichen Belangen“, so Karliczek. Tatsächlich stellt der Bericht fest: Immer mehr Menschen streben nach höherer Bildung.

Der Haken: Nicht für alle sind die Zugänge zu guter Bildung gleich. „Der Abschluss eines jungen Menschen hängt vom Geld der Eltern ab“, sagte der Thüringer Bildungsminister und Präsident der Kultusministerkonferenz Helmut Holter (Linke). Es müsse mehr für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit getan werden.

Neben sozialen Faktoren spielen auch regionale eine Rolle. Bildungsforscher Kai Maaz, einer der Studienautoren, mahnte, dass es im Osten teilweise einen substantiellen Rückgang von Bildungseinrichtungen gibt. In besonders wirtschaftsschwachen Kreisen und Städten im Osten – das sind vor allem abgelegene Regionen – mussten dem Bildungsbericht zufolge 26 Prozent der beruflichen Schulen zwischen 2006 und 2016 schließen. Bei den Grundschulen sind es elf Prozent. Solche Entwicklungen bleiben nicht folgenlos. „So ist der Bildungsstand in kreisfreien Städten und Großstädten höher als in ländlichen sowie strukturschwachen Kreisen“, stellen die Studienautoren fest. Das wiederum habe  Konsequenzen für die Attraktivität der Regionen als Arbeits-, Bildungs- und Wohnort.

Brandenburg hat im selben Zeitraum 15 öffentliche Grundschulen geschlossen (–3,3 Prozent) und zwölf berufliche Schulen (–10,1). Über alle Bildungsbereiche hinweg, also von der Kita bis zur Hochschule, hat Brandenburg 12,7 Prozent seiner öffentlichen Einrichtungen verloren, was aber durch Institutionen in privater Trägerschaft fast ausgeglichen wurde. Zugleich wuchs die Zahl der Bildungsteilnehmer jedoch um 3,4 Prozent – stärker als im Bundesschnitt.

Bundesbildungsministerin Karliczek betonte: „Ein zentrales politisches Ziel ist und bleibt Chancengerechtigkeit.“ Sie schränkte jedoch auch ein, dass es „keinem europäischem Land und auch keinem in der Welt“ gelingt, Leistung und Herkunft völlig zu entkoppeln.

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