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675-Jahr-Feier Möglins vereint rund 500 Gäste und aktive Mitwirkende beim großen Umzug und Festtreiben auf dem Gutshof

Festumzug
Lebendig gewordene Dorfgeschichte

Thomas Berger / 24.06.2018, 20:27 Uhr - Aktualisiert 24.06.2018, 21:49
Möglin (Thomas Berger) Es war ein Ereignis, das selbst prägnanten Eingang in die Ortschronik finden wird: Mit einem großen Fest feierten die Mögliner am Wochenende ihr 675-jähriges Dorfjubiläum.

Schon am Freitagabend zog sich die erste Runde des munteren Beisammenseins auf dem Gutshof bis nach Mitternacht. Zum Festauftakt waren etliche Interessenten der Einladung ins Gutshaus gefolgt. Dort las Professor Martin Frielinghaus von der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer, der am nächsten Tag beim Umzug selbst in die Rolle des ab 1804 in Möglin wirkenden Agrarreformers schlüpfte, aus der Chronik. Musikalisch untermalt mit passenden Klängen zu jeder Epoche, liebevoll-einfallsreich arrangiert und dargeboten von Ishlar Smolny. Auch sie war nicht nur an dieser Stelle aktiv, sondern im Sonnabend-Nachmittagsprogramm auch noch mit den von ihr trainierten Aikido-Kindern zu erleben.  

Die Chronik erzählt von den Anfängen 1343, der kleinen Siedlung, die selbst beim Besuch Theodor Fontanes nur zwölf Häuser zählte und 1662, wenige Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, sogar gänzlich wüst lag. 298 Einwohner waren das Allzeit-Hoch 1950, kurz nachdem die Umsiedler aus dem schlesischen Röhrsdorf sich als Neubürger zu den Alt-Möglinern gesellt hatten. Ein nicht einfacher Neuanfang nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der im Dorf Kirche, Wohnhäuser und Ställe schwer geschädigt hatte. Die Eichendorffs als erste Gutsherren blieben nur drei Jahrzehnte. Es folgten die Pfuels, dann vor allem über Jahrhunderte dominant die Familie von Barfus. Der 1635 in Möglin geborene spätere Generalfeldmarschall Johann Albrecht als Berühmtester, aber auch jener Dietloff, der von Wriezen kommend im Schneetreiben mit dem Schlitten in einem Sumpfloch einbrach und umkam.

Die Kirche, eine Wasser- und eine Windmühle (Letztere 1898 abgerissen), die 1719 und bis 1968 bestehende Dorfschule – sie alle kamen mit einer Erwähnung in der Lesung und auch beim Umzug vor. Kriegszerstörungen folgte immer wieder ein Neuanfang, nach 1945 gelang es, auch die aus dem schlesischen Röhrsdorf stammenden Neubürger in die ab 1949 eigenständige Gemeinde zu integrieren. Bodenreform, Ende 1952 die Gründung der ersten LPG, später ab 1957 die bis zur Wende bestehende Lehrlingsausbildung oder der Dorfkonsum, im Umzug ironisch mit dem Schild „Heute keine Ware“: Nichts davon durfte fehlen. Vieles hatten die Mögliner, zum Teil verstärkt um Reichenower und Herzhorner, selbst in Szene gesetzt. Bei einigen Bildern im Umzug kam Hilfe aber noch aus der Umgebung – wie bei der Feuerwehr aus Altreetz oder deutschen und russischen Soldaten 1945 aus Neuküstrinchen. Nach dem Umzug ging es auf dem Gutshof bis spätabends mit Livemusik, Tänzen der Karnevalisten und mehr weiter.

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