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1000-Seelen-Dorf feierte 750-jähriges Jubiläum / Bunter Festumzug durch das Dorf / Zusammenhalt und Traditionspflege groß geschrieben

Jubiläum
Luunsche zeigen beste Seiten

Susan Hasse / 09.07.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 09.07.2018, 10:26
Lunow (MOZ) Die Vorgärten und Zäune waren liebevoll mit bunten Wimpeln, Antiquitäten und Blumen geschmückt. Ganz Lunow hatte sich zur 750-Jahr-Feier herausgeputzt. Das Jubiläum startete mit einem fröhlichen und detaillreichen Festumzug durchs Dorf.

Über 30 Wagen zählte der Festumzug der „Luunschen“, wie die Einwohner von Lunow sich selbst nennen, und führte am Sonnabend eine Stunde durchs Dorf. Zeremonienmeister und gebürtiger Luunscher Bernd Ehlke sorgte für den reibungslosen Ablauf. Vorneweg lief die ehrenamtliche Bürgermeisterin Andrea von Cysewski, ganz volksnah zu Fuß. An diesem Tag waren in Lunow alle auf den Beinen: Rund 150 Leute haben beim Umzug mitgewirkt, Tausende Besucher waren gekommen um zuzuschauen und wurden nicht enttäuscht. Mit viel Liebe zum Details und aufwendiger Ausstattung wurde die Geschichte des Ortes in insgesamt 25 Bildern dargestellt. Es waren die Slawen, die zuerst vor rund 8000 Jahren in dem Gebiet siedelten, die erste urkundliche Erwähnung ist auf 1268 datiert. Die Wassermühle, die 1313 gebaut wurde, hat noch bis vor einigen Jahren die Einwohner mit gemahlenem Korn versorgt.

Wirtschaftlichen Aufschwung erlebte der Ort im 17. Jahrhundert mit den tüchtigen Hugenotten, die den Tabakanbau ins Land brachten. Der Tabakanbau und die Fischerei waren lange Jahre auch die wirtschaftlichen Standbeine des Dorfes.

Lunow feiert: Der Festumzug zur 750-Jahre-Feier zeigte alle Epochen der Luunschen Geschichte: Angefangen von den Slawen, über die Hugenotten und Preußen bis hin zur DDR-Zeit
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Festumzug zur 750-Jahre-Feier in Lunow

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Wolfgang Köpernick, gebürtiger Luunscher, läuft beim Umzug als Dorfschulze des 19. Jahrhundert mit. Einen originalgetreuen Wanderstock, der ein altes Familienerbstück ist, trägt er mit sich. Auch viele Anekdoten hat er in petto: Damals wurden Streitigkeiten auf dem kurzen Weg erledigt, die Macht des Dorfschulzen unumstritten. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kamen viele Vertriebene aus den Ostgebieten ins Dorf, die Bevölkerung wuchs über 2100 Einwohner. 1968 bekam das Dorf eine neue Oberschule, die meisten Einwohner lebten in dieser Zeit von der Landwirtschaft. Nach der Wende ging es mit dem kleinen Ort wie überall im Barnim bergab: viele gingen in den Westen und die Gebietsreformen zwangen Lunow zur Zwangshochzeit mit dem benachbarten Stolzenhagen.

Eine wichtige Zäsur für das kleine Dorf im Oderbruch ist die Schließung der Schule im Jahr 2002. Noch heute sind viele Luunschen auf die SPD-geführte Kreisverwaltung in dieser Frage nicht gut zu sprechen. Die Einwohner wollen nun eine eigene private Grundschule auf den Weg bringen, um dem Nachwuchs die weiten Schulwege zu ersparen.

Die Luunschen sind besonders, das wird von Einheimischen wie Fremdem gleichermaßen bestätigt: Schon immer war hier der Zusammenhalt größer als anderswo. Mit einer eigenen Form des Niederdeutschen, dem Luunschen Platt spricht man hier sozusagen seine eigene Sprache. Die Vereinsdichte im Ort ist sensationell hoch: Die Gemeinde wurde 2009 dafür als sportlichste Gemeinde in Brandenburg ausgezeichnet: Fußballer, Volleyballer und Radfahrer sind hier organisiert. Wer nicht in den offiziellen Vereinen organisiert ist, trifft sich im Hinterhof mit Kumpels und schraubt an einem alten Traktor, beschreibt Köpernick das Dorfleben. Auch die Handwerker und Unternehmer im Dorf engagieren sich wo sie können. Gemeinschaft wohin man schaut. Es ein gewisses Selbstverständnis und -bewusstsein, das das Leben der Luunschen ausmacht. Die positive Folge ist viel Eigeninitiative. Im Lunower Heimat- und Museumsverein, in dem rechnerisch jeder zehnte Einwohner organisiert ist, wird Geschichte und Tradition bewahrt. So hat der Verein eine Umbenennung der Straßennamen auf den Weg gebracht. In den kommenden Monaten sollen sämtliche Straßenzüge im Ort opp Platt sein.

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