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Straßenbaubehörde verzichtet angesichts der Gefahren des Prozessionsspinners auf Laubbaum / Debatte im Ortsbeirat

Baumpflanzungen
Keine Eichen für Eichhorst

Vorsicht, allergische Reaktionen: Die feinen Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners , die vor allem im Frühsommer auftauchen, können beim Menschen Hautausschläge und sogar Atemwegsprobleme auslösen. Als Schmetterling ist der Spinner ungefährlich und apart in der Erscheinung
Vorsicht, allergische Reaktionen: Die feinen Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners , die vor allem im Frühsommer auftauchen, können beim Menschen Hautausschläge und sogar Atemwegsprobleme auslösen. Als Schmetterling ist der Spinner ungefährlich und apart in der Erscheinung © Foto: Patrick Pleul
Susan Hasse / 11.07.2018, 10:30 Uhr
Eichhorst (MOZ) Eichhorst ohne Eichen klingt zwar plakativ, bringt aber auf den Punkt, dass der Landesbetrieb Straßenwesen diese Baumart auch in Eichhorst nicht pflanzen will. Grund ist der gefährliche Eichenprozessionspinner.

Eine kleine haarige Raupe kann einigen Unmut und Aufruhr erzeugen. Der Schmetterling Thaumetopoea processionea, eigentlich im Süden Europas beheimatet, hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland ausgebreitet. Die Raupen sind wegen ihrer  feinen, fast unsichtbaren, aber hochallergenen Brennhaare gefährlich.  Geraten sie an die Haut, gibt es Pusteln, geraten sie in die Atemwege, kann es zur Atemnot kommen. In Eichhorst wurde die Raupe noch nicht gesehen, in anderen Teilen des Landes ist sie teils ein ernstes Problem.

Im Barnim werden lediglich vereinzelt Nester gefunden. Aktuell befindet sich an der Straße nach Klandorf ein Raupennest, die für Straßen zuständige Behörde hat  sogar ein Warnschild an der alten B 109 Richtung Groß Schönebeck aufgestellt.

Doch zurück zu Eichhorst. Der Ortsbeirat des Schorfheide-Dorfes  hat sich zuletzt mit dem Thema Ersatzbepflanzungen im Ort beschäftigt. Immer, wenn irgendwo ein Baum gefällt wird, muss dem Gesetz nach ein neuer gepflanzt werden. In Eichhorst sollen nun zwischen dem Radweg und der Straße in Richtung Finowfurt neue Bäume gepflanzt werden. Bei einer Vor-Ort-Begehung mit dem zuständigen Landesbetrieb Straßenwesen in der Eberswalder Straße im Mai wurden Details besprochen. Es werde ein Planungsbüro beauftragt und frühstens 2019 gepflanzt, so das Fazit. Der Landesbetrieb schlägt dem Ortsbeirat Linden oder Apfelbäume als Baumarten vor. In der Sitzung des Ortsbeirates sorgt der Vorschlag für Gelächter: Eichhorst würde also zu Apfelhorst werden, unkt eine Teilnehmerin. Auch an der Kanalpromenade im Dorf sind Apfelbäume als Ersatzbepflanzung angedacht.

„Wir pflanzen keine Eichen mehr“, heißt es dazu offiziell vom zuständigen Landesbetrieb Straßenwesen. Die zuständige Sachbearbeiterin Katja Glante  warnt vor den hochallergenen Haaren der Raupe. Solange kein wirksames Gegenmittel gefunden sei, würde die Behörde auf Eichen verzichten. „Wir schauen nicht sehenden Auges zu, wie sich der Schädling ausbreitet“, so Glante weiter. Das sei unverantwortlich. Ganz nebenbei würde die Beseitigung der Nester und das Aufstellen von Warnschildern der Straßenbehörde viel Geld kosten.

Der Ortsbeirat des Dorfes sieht das Ganze kritisch: Man ist sich der Bedeutung der Eichen gerade in Eichhorst bewusst und will nicht auf sie verzichten. Schon Kaiser Wilhelm II. schenkte dem Dorf Eichen, die noch heute über 200 Jahre später grün, groß und stolz im Ortskern stehen.

„Die Eiche wird nicht verschwinden“, beschwichtigt derweil Revierleiter der Schorfheide Ulf Wosnizek. Die Forstverwaltung pflanze weiterhin die Eiche in den Wäldern. Sie  gehöre gerade in der Schorfheide zu den „baumprägenden Arten“, wie es  im Amtsdeutsch heißt. Ein Argument gegen Eichen am Straßenrand sei allerdings, dass die Eicheln Wildschweine anlocken und die Unfallgefahr erhöhen.

Die Hysterie um den Eichenprozessionsspinner halten der Revierleiter und viele seiner Kollegen für übertrieben. Wegen eines Schädlings auf die wichtige Baumart zu verzichten, sei der falsche Weg. Seiner Ansicht bekäme man das Problem in den Griff, indem die Nester schnell entfernt würden. Die Eiche ist als wichtigster Laubbaum in der Schorfheide nicht wegzudenken. Immerhin sind über 6000 Hektar der insgesamt 25 000 Hektar großen Fläche mit Eichen aller Altersklassen besetzt.

Nichtsdestotrotz, in Eichhorst selbst könnten in ein paar Jahrzehnten weniger Eichen stehen, wenn keine dazukommen dürfen. Das ist in den Augen vieler Einwohner schade, denn das kleine Dorf verdankt dem Baum seinen Namen.

Um das Problem unbürokratisch zu lösen, so ein Vorschlag, könnten die Einwohner kurzerhand Eichen in ihre Gärten pflanzen. So können auch noch die Enkel sehen, woher der Name ihres Heimatortes stammt.

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