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Baustelle an Baustelle im Raum Oderberg / Allgemeinmedizinerin Gudrun Neumann hofft doch noch auf eine Ausnahmegenehmigung

Straßenbau
Landärztin auf Umwegen

Kein Durchkommen: Seit Februar ist die L 29, die Ortsverbindung Liepe – Oderberg, voll gesperrt. Für vier Millionen Euro wird die Tragfähigkeit der Fahrbahn  wiederhergestellt. Für Anlieger, darunter Ärztin Neumann, bedeutet dies, dass sie über Bad Freienwalde fahren müssen. Doch auch dort wird derzeit gebaut.
Kein Durchkommen: Seit Februar ist die L 29, die Ortsverbindung Liepe – Oderberg, voll gesperrt. Für vier Millionen Euro wird die Tragfähigkeit der Fahrbahn  wiederhergestellt. Für Anlieger, darunter Ärztin Neumann, bedeutet dies, dass sie über Bad Freienwalde fahren müssen. Doch auch dort wird derzeit gebaut. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 14.07.2018, 11:45 Uhr - Aktualisiert 15.07.2018, 14:01
Liepe (MOZ) Wenn der Patient nicht zum Arzt kommen kann, muss der Arzt zum Patienten. Alltag für die Lieper Allgemeinmedizinerin Gudrun Neumann, die Senioren in zwei Oderberger Heimen betreut. Allein: Seit der Sperrung der Ortsverbindung erreicht die Ärztin ihre Patienten nur noch auf Umwegen. Weiten Umwegen.

Nicht nur ihre Patienten brauchen im wörtlichen Sinne viel Geduld. Auch ihre Ärztin Gudrun Neumann. Sowohl die Strecke Liepe – Oderberg, die kürzeste Verbindung, ist bekanntlich gesperrt als auch die Umleitung über Bad Freienwalde, wo die Ortsdurchfahrt B 158 aufgrund von Bauarbeiten geschlossen ist.  Im Bereich Falkenberg wird gleichfalls repariert und gewartet. Um kostbare Praxiszeit nicht auf der Straße mit kilometerlangen Umleitungen sowie wartend an Baustellenampeln zu verbringen, hat Gudrun Neumann einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt. Um den Weg durchs Bruch nehmen zu dürfen. Über die Wegebrücke Liepe und Bralitz. So wie etwa Landwirte. Doch das Begehren wurde durch die Untere Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Barnim abgelehnt. Hilfesuchend und unterstützend wandte sich deshalb Bernd Pohle, Hausarzt in Eberswalde und Regionalbeirat der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, an die märkische Interessenvertretung.

In der „Versagung“ verweist die Behörde darauf, dass eine Ausnahmegenehmigung nur „in besonders dringenden Fällen gerechtfertigt“ ist. Die Wegebrücke über den Oder-Havel-Kanal  sei in einem so schlechten Zustand, dass sie 2005 für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt wurde. Die letzte Brückenprüfung, so der Hinweis aus dem Kreishaus, sei Ende 2016 erfolgt. Die Gutachter bescheinigten dem Bauwerk „mangelnde Standsicherheit“ und damit verbunden eine „Verkehrsunsicherheit“. Vor diesem Hintergrund habe der Straßenbaulastträger der Brücke, das Amt Britz-Chorin-Oderberg, das im Rahmen des Verfahrens angehört wurde, die Ausnahmegenehmigung abgelehnt, heißt es in dem amtlichen Bescheid.

Sollte bei einem Patienten ein Notfall vorliegen, sei der Rettungsdienst zu rufen, der die schnelle Hilfe absichert. Heißt, der per Ausnahmegenehmigung die Brücke in Liepe passieren darf. Die niedergelassene Medizinerin wiederum möge ihren „Praxisalltag so organisieren, dass auch eine Umleitung befahren“ werden kann. Gudrun Neumann hält dagegen: Bei einer derartigen Häufung von Baustellen und Umleitungen sei dies schlicht unmöglich. „Ich brauche eine Stunde hin und eine Stunde zurück von Oderberg. Und da habe ich noch keinen Patienten gesehen.“ Doch unterdessen hat die Hausärztin aus Liepe neue Hoffnung geschöpft. Eben wegen der Baustellen im Nachbarkreis Märkisch-Oderland habe es wohl eine ämterübergreifende Abstimmung gegeben. Weshalb sie einen neuerlichen Antrag stellen darf bzw. soll.

Ein behördlicher Sinneswandel also, ein Einlenken oder Einsehen?  Solveig Spann, Ordnungsamtsleiterin in Britz-Chorin-Oderberg, hält sich relativ bedeckt, verweist erneut auf das Gutachten zur Stand- und Verkehrssicherheit der Brücke. An diesem Ergebnis sei nicht zu rütteln, folglich ändere sich auch grundsätzlich nichts an der Position des Amtes. Ähnlich reserviert fällt die Antwort aus dem Paul-Wunderlich-Haus aus. Geht ein neuer Antrag ein, werde der „ebenfalls entsprechend den Erfordernissen des Paragrafen 46 StVO geprüft“, heißt es aus dem Landratsamt. Von Bedeutung sei, ob sich im Vergleich zum ersten Antrag und dem daraus resultierenden abschlägigen Bescheid „neue Tatsachen ergeben haben“. Deshalb könne man „keine Prognose abgeben“. Wohl aber folgt der Hinweis, dass die Straße in einen Hochwasserdeich übergeht, welcher bereits im Landkreis Märkisch-Oderland liegt. Weshalb für das Passieren der gesamten Straße auch eine Genehmigung der Wasserbehörde in Seelow nötig sei.

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