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Sommerserie
Fische, die Gemeinschaft lieben

Mario Merkel / 19.07.2018, 08:30 Uhr
Frankfurt (Oder) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 4: Schwarmfische

In der Gemeinschaft lebt es sich einfach besser. Das denken sich wohl auch die meisten heimischen Fischarten in den Gewässern Brandenburgs. Sie finden sich zu großen Schwärmen zusammen, in denen sie durch ihren Lebensraum ziehen. Doch die Wissenschaft wäre keine Wissenschaft, wenn sie nicht auch bei den Schwarmfischen Unterschiede bestimmen würde. So gruppiert sie Schwarmfische in Echte und Unechte Schwarmfische.

Die Echten beherrschen den Schwarm in Perfektion. Ausrichtung, Kommunikation und Koordination sind ganz auf ihn ausgerichtet. Die Folge davon ist freilich, dass Einzeltiere allein schnell die Orientierung verlieren. Die Kleine Maräne, ein Lachsfisch mit Vorkommen im Stechlinsee und im Werbellinsee, ist ein Vertreter Echter Schwarmfische.

Nicht so die Unechten Schwarmfische, zu denen Plötze, Rotfeder, Ukelei, Güster, Blei und auch Flussbarsch zählen. Sie werden daher auch Gruppenfische genannt.

Als Beutefische schätzen sie die Vorteile einer Gemeinschaft. Der einzelne Fisch ist im Schwarm schwerer auszumachen und zu jagen, was die vielen, erfolglosen Attacken von Räubern wie Hecht und Barsch erklärt.

Beim Fressen im ungeschützten Revier sehen viele Augen mehr. Die Gefahr ist schnell ausgemacht. Diese Form des Zusammenlebens sichert der Art das Überleben in einem Lebensraum, den sie mit hungrigen Jägern teilen. In der Gemeinschaft ist es zudem weitaus einfacher und komfortabler einen Partner für Paarung und Fortpflanzung zu finden.

Schwarmbegegnungen unter Wasser sind wahrlich bleibende Erinnerungen. Wenn scheinbar endlos vor allem junge Fische vorbei ziehen und der Schein der Lampe die Schuppenkleider in einen Sternenhimmel verwandelt, erkennt man die Schönheit Brandenburger Gewässer. Fischreichtum ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Die großen Kinderstuben bleiben aus, wenn es in den Seen und Flüssen an naturbelassenen, unbebauten Ufern fehlt. Eine intakte Unterwasserflora für die Eiablage und schützende Rückzugsorte der Jungfischschwärme wie Überhänge, alte Bäume und Wurzelwerk sind unabdingbar. Als Taucher erfährt man das unmittelbar. An monotonen Ufersäumen aus Holz und Beton wird man außer Muscheln nicht viel entdecken können.

Interessanterweise bilden sich in den Gewässern nicht nur Fischschwärme einer Art. Plötze, Rotfeder, Güster, Brasse und Ukelei finden sich gerade im jungen Alter zu großen, gemischten Gruppen. Man muss schon genau hinschauen, um die einzelne Art im Schwarm zu erkennen. Auch der Flussbarsch – ein Raubfisch – ist besonders im „Kindesalter“ ein ausgesprochener Schwarmfisch. In friedlicher Koexistenz gesellt er sich nicht selten mit Friedfischen gleicher Größe und nutzt die Vorteile eines Schwarmes gegenüber seinen ausgewachsenen, kannibalischen Verwandten.

Wo der Beutefisch reichlich vorhanden ist, sind Prädatoren wie Hecht und Barsch nicht weit. Unglaubliche Jagdszenen spielen sich unter der Wasseroberfläche ab, wenn die Räuber pfeilschnell in den Schwarm mit Aussicht auf fetter Beute stoßen.

Silbriger Fischschuppenregen markiert dann unmissverständlich den Erfolg der Jäger. Das jedoch macht gesunde Seen aus: Ein Gleichgewicht zwischen Jägern und Gejagten, Artenvielfalt und Lebendigkeit.

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