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Medikamentenskandal
Woidke äußert Betroffenheit

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg
Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg © Foto: Bernd Settnik
dpa / 21.07.2018, 18:35 Uhr - Aktualisiert 22.07.2018, 16:01
Potsdam (dpa) Im Pharmaskandal um gestohlene Krebsmedikamente hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine umfassende Aufklärung gefordert. „Das Vertrauen in unsere Arzneimittelaufsicht und in unser Gesundheitssystem hat durch diesen Vorfall erheblichen Schaden erlitten“, hieß es am Samstag aus der Staatskanzlei. Die damit verbundene Verunsicherung für Krebspatienten mache ihn sehr betroffen. Von Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) erwarte der Ministerpräsident eine „umfassende Aufklärung“, hieß es weiter. Dies habe „oberste Priorität“.

Vor kurzem war bekannt geworden, dass ein Brandenburger Pharmahändler gestohlene Krebsmedikamente mit unklarer Wirksamkeit von einer griechischen Apotheke vertrieben haben soll. Diese hatte keine Erlaubnis als Großhändler. Das ARD-Magazins „Kontraste“, hatte als erstes über den Fall berichtet.

Bei einem am Freitag eingerichteten Informationstelefon des Gesundheitsministeriums meldeten sich bereits in den ersten Stunden viele Anrufer, wie das Ministerium mitteilte. Es seien durchschnittlich 12 Anrufer pro Stunde, so Ministeriums-Sprecherin Marina Ringel. Täglich würden zwischen 10.00 und 16.00 Uhr Anrufe entgegengenommen. Ein Mitarbeiter der Hotline sagte, Anrufe kämen aus ganz Deutschland. Vor allem wollten die Anrufer wissen, welche Medikamente betroffen sind.

Auf seiner Internetseite veröffentlichte das Ministerium Fragen und Antworten, darunter auch Listen mit den ausgelieferten Medikamenten. Laut Ministerium wurden die Medikamente zwischen 2015 und 2017 in elf Bundesländer geliefert - darunter Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Das Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz bestätigte auf dpa-Nachfrage, dass geringe Mengen der gestohlenen Medikamente bei einem Großhändler in der Eifel gelandet seien.

Auch die Berliner Gesundheitsverwaltung informierte am Donnerstag über den Fall. Eine Überprüfung habe ergeben, dass eine Berliner Apotheke mit vier verschiedenen Medikamenten beliefert worden sei. Derzeit gebe es keine Erkenntnisse, dass in Berlin Patienten geschädigt worden seien. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) forderte vom Nachbarland Aufklärung.

Das Brandenburger Gesundheitsministerium hatte gegen einen Mitarbeiter des zuständigen Fachbereichs Arzneimittelaufsicht Strafanzeige erstattet und ihm die Führung der Dienstgeschäfte untersagt. Der bisherige Referatsleiter wurde mit einer anderen Aufgabe betraut. Zudem seien Zuständigkeiten im Ministerium neu geordnet worden, hieß es vom Gesundheitsministerium. Eine Task Force unter der Leitung von Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt soll nun die Vorwürfe aufklären. Die von der Gesundheitsministerin eingeleiteten ersten Maßnahmen seien „wichtige Schritte in die richtige Richtung“, so Ministerpräsident Woidke.

Seit Donnerstag werden im Ministerium Unterlagen der Staatsanwaltschaft gesichtet, die seit April 2017 wegen Hehlerei ermittelt. Nach einem Online-Bericht der „Bild“ könnte der Mitarbeiter bestechlich gewesen sein. Er sei wegen Korruptionsverdachts angezeigt worden, hieß es dort.

Wie bekannt wurde, hatte es bereits im Dezember 2016 erste Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben. Doch erst im Juni 2017 untersagten Brandenburger Behörden der Firma den Handel mit der Apotheke in Griechenland. Am Freitagnachmittag wurden dem Unternehmen die Betriebserlaubnis sowie die Herstellungs- und Großhandelserlaubnis für Medikamente entzogen.

Die Fraktionen von Grünen und CDU haben für nächste Woche eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags in Brandenburg beantragt. Dabei soll geklärt werden, warum die Behörden nicht gehandelt haben. Verdächtige Medikamente hätten vom Markt genommen werden müssen, kritisierte Ursula Nonnemacher, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Inwieweit die betroffenen Medikamente wirkungslos oder sogar gesundheitsschädigend sein könnten, sollen nun Untersuchungen zeigen.

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