Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen zum 1. Juli sollte Autobahn-Vermeidungsverkehr verringern

Lkw-Maut
Anlieger-Hoffnung bleibt unerfüllt

Horror für Anwohner: Die Zahl der Lkw auf Ortsdurchfahrten der Bundes- und Landesstraßen in der Region, wie hier auf der B5 in Treplin, ist seit Anfang Juli kaum gesunken.
Horror für Anwohner: Die Zahl der Lkw auf Ortsdurchfahrten der Bundes- und Landesstraßen in der Region, wie hier auf der B5 in Treplin, ist seit Anfang Juli kaum gesunken. © Foto: Ines Weber-Rath
Ines Weber-Rath / 27.07.2018, 07:30 Uhr
Treplin/Diedersdorf (MOZ) Mit der Einführung der Lkw-Maut für alle Bundesstraßen zum 1. Juli hatte mancher Anwohner einer solchen Straße die Hoffnung verbunden, es könnte ruhiger werden. Doch das ist offenbar nicht der Fall. Für Spediteure und andere Lkw-Betreiber ist die Maut hingegen ein Fluch.

„Ich merke keinen Unterschied zu früher“, sagt Ronny Conrad. Petershagens Ortsvorsteher ist mit seinem Elektrounternehmen Anlieger der B5. „Wenn die Autobahn gesperrt ist, wie derzeit öfter mal, kommen wir mit unseren Fahrzeugen kaum vom Hof“, klagt der Petershagener.

Ein paar Kilometer weiter bestätigt Annett Redieß, die Leiterin der an der Trepliner Ortsduchfahrt der B5 liegenden Kita „Zwergendorf“: Die Lkw rollen wie immer durch den Ort. An der B1 ist die Lage offenbar nicht anders, wie Anwohner aus Diedersdorf erklären. War der Autobahn-Maut-Vermeidungsverkehr im Grenzraum und bis nach Berlin also doch nicht so groß, wie gedacht?

Untersuchungen hätten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es „keinen signifikanten Ausweichverkehr gegeben hat“, sagt Antje Schätzel aus der Pressestelle von Toll Collect. Das Unternehmen erhebt die Lkw-Maut im Auftrag des Bundesamtes für Güterverkehr. Eingeführt wurde die Lkw-Maut 2005 zunächst nur für Autobahnen.

Im gleichen Atemzug räumt die Toll-Collect-Sprecherin ein, dass es nach der Einführung der Lkw-Maut für 1100 km besonders frequentierte Bundesstraßen zum 1. August 2012 eine teilweise Rückverlagerung des Mautausweichverkehrs auf die Autobahnen gegeben habe. Auf diesen Effekt hatten die Anlieger der in Richtung Berlin und zur polnischen Grenze führenden Bundesstraßen 1, 5 und 112 auch jetzt gehofft.

Deshalb hat sich mancher auch gewundert, warum Toll Collect hierzulande beim Aufstellen der neuen, vier Meter großen, blau-grünen Mauterfassungs-Säulen so sparsam war? In der Seelower Region gibt es nur eine einzige – auf der Seelower Ortsumfahrung der B1, vor der Waldsiedlung Diedersdorf. Potenzielle Maut-Vermeider werden allerdings vorm Erreichen der Autobahn und Grenze auch von der Säule erfasst, die auf der Frankfurter B112-Ortsumgehung bei Booßen errichtet wurde.

Die Streckenabschnitte, auf denen eine Kontrollsäule aufgebaut wird, habe das Bundesamt für Güterverkehr vorgegeben, erklärt die Toll-Collect-Sprecherin. Sie verweist darauf, dass die bundesweit 600 Säulen nur ein Bestandteil des Kontrollsystems für die satellitengestützte Mauterhebung sind. Zu dem gehören Kontrollbrücken auf den Autobahnen sowie mobile und Betriebskontrollen des Bundesamtes.

Höchst frustriert über die Ausdehnung der Lkw-Maut für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht auf alle Bundesstraßen sind naturgemäß Spediteure und andere Lkw-Betreiber. Busse sind von der Maut ausgenommen.

Die ausgeweitete Lkw-Maut sei „ein erheblicher Kostenfaktor“ für ihr Unternehmen, den sie nicht so leicht auf ihre Kunden umlegen könne, sagt die Gusower Fuhrunternehmerin Angelika Sonnwald. Das Ausweichen auf untergeordnete Straßen sei für sie und die Fahrer ihrer sechs Lkw kein Thema. Denn gerade im Fernverkehr sei der Zeitfaktor entscheidend, so die Spediteurin. Ihre Fahrzeuge sind alle mit Mauterfassungsgeräten von Toll Collect ausgestattet. Die Gusowerin denkt, dass eher Lkw im Nah- und Lieferverkehr geneigt sein könnten, Maut-Straßen zu meiden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG