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Dorfleben
Ein Haus für fast alle Fälle

Manuel Meger und Roger Lewandowski bei einer Runde Kicker. Am Ende gewann Meger ganz knapp.
Manuel Meger und Roger Lewandowski bei einer Runde Kicker. Am Ende gewann Meger ganz knapp. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 27.07.2018, 10:27 Uhr
Groß Behnitz Es hat Charme, dieses historisches Gebäude im Herzen Groß Behnitz’. So manch Einwohner hat hier, im historischen Schulhaus, noch die Schulbank gedrückt. Heute ist das von der Familie Borsig im Jahre 1886 errichtete Gebäude ein Gemeinschaftshaus, ein Ort der Begegnung und menschliche Grundbedürfnisse werden hier auch abgedeckt. Ärztliche Versorgung zum Beispiel.

Begegnet sind sich hier am Dienstag auch Landrat Roger Lewandowski (CDU), Nauens Bürgermeister Manuel Meger und Ortsvorsteher Wolfgang Jung (Beide LWN). Der Landrat tourt durch den Kreis, Meger begleitet ihn im Bereich Nauen, Jung stellt die örtlichen Gegebenheiten vor. Mit dabei auch Rita Jung, als Dorfchronistin ist sie für die historischen Hintergründe, die ja oft genug bis in die Gegenwart reichen, dabei. Und Matthias Redsch, der Allgemeinmediziner hat den Räumen des Gemeinschaftshauses seine Praxis.

Ärztemangel auf dem Land

Redsch hat die ärztliche Versorgung für die Groß Behnitzer übernommen. Zweimal wöchentlich hat die Praxis hier geöffnet, einmal wöchentlich fährt Redsch inzwischen auch nach Retzow. Er hat eine Liste dabei, hier haben Ärzte bereits ihre Praxen geschlossen, da wird die Schließung geplant, Nachfolger werden zu selten gefunden. Er liest die Namen vor, jeden einzelnen. Durch den Ärztemangel im ländlichen Rau müssen Patienten oft weite Wege in Kauf nehmen. Ein bekanntes Problem erhält hier konkrete Namen.

Die Praxisräume im alten Schulhaus beschreibt er als sehr schön, nur das Wartezimmer, das wird: „Von den Patienten eher kritisch wahrgenommen.“ Warum? Was stimmt mit dem Wartezimmer nicht? „Vielleicht ein wenig zu abgeschieden“, sagt Redsch.

Tatsächlich ist das Wartezimmer so eine Art Zentrale der Erwartungen und Bedürfnisse. Ein kleiner Tante-Emma-Laden versorgt die Groß Behnitzer hier mit frischen Brötchen, einer kleinen Auswahl an Lebensmitteln, frisch gebrühtem Kaffee. Der Raum dient als kleines Café, verfügt über eine Bar, kann bei Feierlichkeiten und für Festivitäten genutzt werden. Eine Dartscheibe hängt an der Wand. Statt den Warteraum zu nutzen, holen sich die Patienten ihre Wartenummer und setzten sich dann in den Flur, so Redsch. Der wird dann schon etwas eng. „Bisher konnten wir den Patienten den Warteraum nicht schmackhaft machen“, sagt Redsch und kann zumindest in einem Punkt beruhigen, vergessen wird hier, dank der Wartenummern, niemand.

Ein Haus für fast alle Fälle

Unten gemütlicher Treff und ärztliche Versorgung. Etwas Platz gäbe es hier noch, der Friseursalon hat seinen Betrieb hier eingestellt, die Räume stehen leer. Oben das Refugium des Heimatvereins. Wunderschöne, alte Holzmöbel, liebevoll hergerichtet, Porzellan und Gebrauchsgegenstände, wie Bügeleisen, Fleischwolf und Waschbrett, alles sorgsam aufgereiht und von Bewohnern aus der Umgebung zur Verfügung gestellt.

Hier hat auch der Jugend-Club seine Räume, auch wenn die Jugend sich etwas schwer tut mit dem Angebot, wie Ortvorsteher Jung erzählt. Wird noch, sagt er, schließlich sollte das alte Backsteingemäuer nicht nur einfach aufgehübscht werden. „Es sollte auch wieder von Innen zum Leben erweckt werden“, sagt Jung rückblickend auf das gesamte Projekt. Und manchmal kommen die Ideen auch von den Einwohnern selbst. So nutzen jetzt, einmal wöchentlich, junge Mütter die Räume zum Baby-Sport.

Lewandowski lobt das Konzept. „Viele Gemeindehäuser haben ja eine eher temporäre Nutzung. Das ist hier anders. Das Haus ist durchgängig in Betrieb.“ „So ein Haus füllt einen Ort erst mit Leben“, sagt auch Bürgermeister Manuel Meger, noch bevor er den Landrat auf eine Runde am Kicker einlädt.

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