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Nächste Aktion zum Tag des offenen Denkmals

Schinkelkirche
Kunstgenuss dank Umleitung

Performance in der Cöthener Schinkelkirche: Für Inge Gellert (stehend) und Jörg Hannemann war diese zugleich eine Generalprobe.
Performance in der Cöthener Schinkelkirche: Für Inge Gellert (stehend) und Jörg Hannemann war diese zugleich eine Generalprobe. © Foto: Michael Anker
Michael Anker / 31.07.2018, 06:00 Uhr
Cöthen Cöthen. Der Cöthener Kultursommer ist längst eine feste Institution im Kulturkalender der Region. Jeweils im Juli sind in der Schinkelkirche Künstler zu Gast.

„Sommers Blau“ ist das bestimmende Thema, das Organisatorin und Kuratorin Inge Gellert vor Jahren für die Kunstaktion auswählte. Gemeint ist das Gefühl von Weite, Beschwingtheit und Freiheit – blauer Himmel, weite Felder und grüne Wälder auf dem Weg zur je nach Lichteinfall hellblau oder türkis schimmernden Kirche in Cöthen. Es ist aber auch das Nachdenken über die Kürze dieser Zeit und ihre Vergänglichkeit.

In diesem Jahr hatte Inge Gellert das Künstlerkollektiv Grenzland-Fotografen und den Kienitzer Künstler Volker Wagner eingeladen. Bereits vor der Kirche wurden die Besucher von einer großen Wagnerschen Metallskulptur begrüßt. Im Kirchenschiff zeigten die Grenzland-Fotografen ihre Arbeiten. Elke Brämer und Petra Leibner widmeten sich in Farbfotografien dem Thema. Torsten Zentner versetzte Cöthen kurzerhand ans Meer. Andreas Klug erinnerte an seine Reise nach Kambodscha. Malte P. Codenys Foto eines verwaisten Bettes brachte Nachdenklichkeit ins Spiel. Auch erotische Einflüsse fanden sich in einigen Bildern, so bei Christina Bohin und Jörg Hannemann. Zwei seiner Fotos lösten am Tag des Ausstellungsaufbaus eine Kontroverse mit dem Vorstand des Fördervereins der Kirche darüber aus, ob freizügige Fotos in einer Kirche gezeigt werden dürfen. Ungeschickter Weise hingen die Arbeiten bereits einige Tage früher in der Kirche. Ohne den Kontext der Ausstellung hatten sie für Irritationen gesorgt. Man einigte sich auf einen Kompromiss, der vorsah, die fraglichen Bilder während der Gottesdienste zu verhüllen.

Die etwa drei Meter hohe Metallskulptur „Unser Mann in Pristina“ von Volker Wagner setzte einen Kontrapunkt. Schon ihr Titel lässt politisch gebildete Besucher aufhorchen. Volker Wagner hatte die Skulptur 1999 unter dem Eindruck des Kosovokrieges geschaffen. „Der Krieg kam wieder nach Europa. Joschka Fischer, ein Grüner, war der erste Außenminister, der wieder deutsche Bomben im Ausland hat fallen lassen“, begründet der Künstler seine Arbeit. Er lebte und arbeitete zu jener Zeit im Berliner Künstlerhaus Tacheles. Die Skulptur, die als zentrales Element eine preußische Pickelhaube enthält, war damals in einer Ausstellung im Neuen Palais am Festungsgraben zu sehen und später an weiteren Orten Berlins.

Die Besucher fanden während der vierwöchigen Ausstellung in Cöthen also genügend Gesprächsstoff, vor allem aber auch kompetente Gesprächspartner. Zu den Öffnungszeiten waren meist zwei der ausstellenden Künstler anwesend. „Es ergaben sich gute Gespräche, auch spontane. Die Umleitung der B 158 sorgte dafür, dass einige der Vorbeifahrenden die Kirche besuchten“, resümierte Inge Gellert. Sie verarbeitete zur Finissage am Sonntag ihre Sicht von „Sommers Blau“ in einer Performance. Spontan rezitierte sie mit dem Fotografen Jörg Hannemann dessen Texte. „Eine Generalprobe für einen gemeinsamen Auftritt im Buckower Brecht-Weigel-Haus im August“, verriet Hannemann.

Am späten Nachmittag kosteten Besucher und Künstler vor der Kirche die sinnlichen Genüsse von „Sommers Blau“ aus. Bei hochsommerlichen Temperaturen, Cidre und Radler wurde Bilanz gezogen. Die Künstler zeigten sich mit der Resonanz der Ausstellung zufrieden. Ebenso Inge Gellert, allerdings grummelt es in ihr immer noch. Sie will sich die Option offen halten, „Sommers Blau“ an einem anderen Ort stattfinden zu lassen. Versöhnlich kündigte sie aber eine Kunstaktion in der Kirche zum „Tag des offenen Denkmals“ an.

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