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Ökotoxikologin Anita Schwaier aus Altkünkendorf präsentiert Ausstellung gegen die Nutzung von Pestiziden

Wirtschaft
Mehr Schadstoff als Schutzmittel

Für eine nachhaltige Zukunft: Ökotoxikologin Anita Schwaier (M.) erhält Unterstützung vom Ornithologen Martin Flade und Susanne Winter vom Verein Ökodorf Brodowin.
Für eine nachhaltige Zukunft: Ökotoxikologin Anita Schwaier (M.) erhält Unterstützung vom Ornithologen Martin Flade und Susanne Winter vom Verein Ökodorf Brodowin. © Foto: Christina Sleziona
Christina Sleziona / 31.07.2018, 06:45 Uhr
Brodowin Bei industriellen Landwirten ist der flächendeckende Einsatz von Pestiziden seit Jahrzehnten ein absolut gängiges Mittel zur Schädlingsbekämpfung. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 46 000 Tonnen des Mittels versprüht. Dass sie aber auf die Umwelt sehr schädlich wirken können,  zeigen nun Ökotoxikologin Anita Schwaier und Künstlerin Sybilla Keittel in ihrer Ausstellung „Irrweg Pestizide – und wie man wieder herausfindet“ im MenschBrodowin-Haus. Insgesamt 13 Plakate zu den katastrophalen Folgen und alternativen Lösungswegen schmücken noch bis zum 19. August den Saal.

Damit stellt sich Anita Schwaier klar gegen den Trend, Chemiekeulen auf Ackerböden zu nutzen. „Pestizide sind Gifte, die nicht zwischen Schädlingen und Nützlingen  unterscheiden können“, betont sie. Ihre Nutzung setze daher eine verhängnisvolle Kettenreaktion für die biologische Vielfalt in Gang.

Ein großes Problem stellen vor allem Herbizide wie das sogenannte Glyphosat dar. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Die Folge: Rund die Hälfte aller Farn- und Blütenbestände nehmen in Deutschland ab. Die Pflanzen jedoch, die eine Resistenz bilden, können sich so ungestört und unkontrolliert vermehren.

Neben Pflanzenarten sind ebenso Insekten, Vögel und Bodenbakterien massiv bedroht. Weitreichende Folgen trägt aber auch der Mensch selbst: „Pestizide gelangen durch den Boden auch in das Grundwasser, werden von der Luft mitgetragen oder gelangen mit der vergifteten Nahrung in den Körper. Besonders für die Entwicklung von Kindern kann dies verhängnisvoll sein“, warnt Anita Schwaier.

Das alles muss jedoch nicht sein, ist die Forscherin überzeugt. Umweltfreundliche Lösungen findet sie vor allem in der ökologischen Landwirtschaft, die unter anderem mit einem regelmäßigen Fruchtwechsel, Mischkulturen und mit einem regelmäßigen Humusaufbau punkten kann.

Besonders stolz kann Brodowin  auf sich sein. Mit seiner stark ausgebauten ökologischen Landwirtschaft von über 95% sei das Ökodorf laut Toxikologin „ein großes Vorbild für ganz Europa“. Diesen Eindruck kann auch Ornithologe Martin Flade bestätigen. Seine 22 Jahre anhaltende Forschung am lokalen Vogelbestand legt nahe, dass anders als in Restdeutschland die Populationen nicht rückläufig sind. Viele Arten wie Kuckuck, Stare und Drosseln kämen sogar zurück.

Was jedoch ein allgemeines Umdenken schwer mache, so erzählt Anita Schwaier, sei vor allem der auf Profit ausgerichtete Absatzmarkt dahinter. Zur Veranschaulichung: Der Nettoinlandsumsatz der deutschen Pestizidhersteller beläuft sich auf satte 1,6 Milliarden Euro.

Die Toxikologin ist sich jedoch sicher, dass der ökologische Ackerbau in Zukunft mindestens genauso profitabel sein kann. Besonders vielversprechend seien neue Forschungen am Arbuskulären Mykorrhizapilz, der eine Symbiose mit der Nutzpflanze eingeht.

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