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Der 18-Jährige aus Petershagen-Eggersdorf gehört zur Riege der Jugendturner.

Turnen
Ein bisschen Angst ist immer dabei

Edgar Nemschok / 04.08.2018, 09:58 Uhr - Aktualisiert 06.08.2018, 10:25
Kienbaum/Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Kienbaum/Petershagen-Eggersdorf. Karim Rida gehört zu den Medaillenhoffnungen der Deutschen Nationalmannschaft, die bei den European Championships in Glasgow an den Start geht. Der 18-Jährige aus Petershagen-Eggersdorf gehört zur Riege der Jugendturner.

Für Karim Rida beginnt am Montag ein ganz großes Abenteuer – sein bisher Größtes wahrscheinlich. Er startet in einer der anspruchsvollsten Sportarten überhaupt: Gerätturnen. Die Nominierung für die Nationalmannschaft stand schon seit Längerem fest und Bundestrainer  Jens Milbrath hatte mit seiner Wahl keine Probleme. Er sagt mit festem Blick: „Karim ist unser Bester!“ Gemeinsam mit Lucas Kochan, Glenn Trebing, Lewis Trebing und Daniel Wörz steigt die deutsche Jugend-Nationalmannschaft am Freitag in Glasgow in die Qualifikation ein. Für das Team soll in Schottland mindestens ein dritter Platz he-rausspringen. „An den Briten und Russen werden wir wohl kaum vorbeiturnen können. Die sind einfach zu stark. Aber realistisch sollte Bronze für uns drin sein“, sagt Milbrath.

Das weiß auch Karim Rida, der nach nunmehr knapp zwei Jahren diesen Titelkämpfen entgegenfiebert. „Meine ersten Schritte im Turnen, die habe ich beim heutigen TSC Strausberg gemacht, und mein erster Trainer war Martin Hermanowski. Er hat das mit uns Kleinen wirklich gut gemacht.“ So gut, dass Karim Rida eben nicht Fußballer geworden ist, wie er es immer wieder mal wollte. Mutter Andrea kam auf die Idee, ihren Jungen zum Sport anzumelden, da er damals ein sehr lebhaftes Kind war. Karim Rida war gerade einmal vier Jahre alt. Kaum zu glauben, denn der junge Mann wirkt heute ruhig und beantwortet im Interview alle Fragen fast schon souverän.

Noch geht er zur Schule und will erst sein Abitur ablegen. Konkrete Vorstellungen über den Beruf hat er noch nicht. „Was ich auf jeden Fall möchte, ist, Menschen zu helfen oder sie zu betreuen.“ Aber Arzt, wie sein Vater Mhoassin, will er nicht unbedingt werden. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg und jetzt denkt er voll an den Sport.

Beim Training im Bundesleistungszentrum Kienbaum muss man die Riege um ihren Trainer schon ein wenig bewundern. Denkt hier keiner an Ferien, Baden am See oder eine riesen Eistüte? „Das ist hart, aber wir haben auch Freiheiten“, sagt Karim Rida und gibt gern zu, dass, wenn Freizeit angesagt ist, er auch mal so richtig faul sein kann. Trotzdem ist er sehr zielorientiert und denkt fest daran, einmal bei Olympischen Spielen mit dabei zu sein. Und warum auch nicht, denn er hat schon zahlreiche beachtliche Erfolge erringen können. Dazu gehören immerhin die Titel: Deutscher Meister im Mehrkampf 2017 sowie Deutscher Meister an den Ringen und am Reck. Ausgerechnet am Reck! Vor dem Gerät hat er am meisten Respekt, auch weil er mal einen Unfall hatte. „Es hat lange gedauert, ehe ich mich wieder gefangen hatte. Turnen hat eben auch viel mit mentalem Training zu tun.“ Indem er das sagt, spricht er auch von seinem Vorbild. „Vorbild ist ein großes Wort, aber wenn es einen Turner gibt, den ich bewundere, dann ist das Fabian Hambüchen. Er hat sich über so viele Jahre in der Weltspitze gehalten.“

Auch international kennt man den Namen Rida inzwischen. Bei den Europäischen Jugend-Olympischen Spielen in Györ (2017) belegte er einen vierten Platz an den Ringen. Sein Nahziel, einen Stammplatz in der Jugend-Nationalmannschaft und die Teilnahme in Glasgow, hat er nun erreicht.

Schnell wurde sein Talent in Strausberg erkannt und man empfahl, auf eine Sportschule zu wechseln. Dabei hatte er ein wenig Glück. Er musste nicht weg von der Familie, zum Beispiel in ein Internat. Er geht in Hohenschönhausen zur Schule und trainiert beim SC Berlin. „Meine Lieblingsdisziplinen sind der Sprung und Boden.“ Also Turnelemente, bei denen man auch eine Menge Mut mitbringen muss.

Aber warum gerade Turnen? Erfolgreiche Fußballer werden Millionäre, andere Sportarten stehen teilweise deutlich mehr im Fokus: „Turnen bietet viel Abwechslung und jeden Tag neue Herausforderungen. Es wird nie langweilig, weil man immer dazulernen muss. Zudem ist es die perfekte Mischung zwischen Einzel- und Mannschaftswettkampf.“

Was ihm wirklich wichtig ist, seine ganze Familie wird in Schottland mit dabei sein. „Im Wettkampf merke ich das natürlich nicht, aber ich sehe nach meiner Übung ganz genau, wo meine Mutter und mein Vater sitzen. Und auch mein Großvater Norbert Voigt wird mit dabei sein. Toll, alle stehen hinter mir.“

Apropos Vater: „Ich verfolge die Wettkämpfe, wenn ich dann live dabei bin, auch aus einer ganz anderen Sicht. Turnen ist  gefährlich und es kann ständig  etwas passieren. Leider sind nicht immer wirklich gut ausgebildete Rettungskräfte mit dabei“, sagt Mhoassin Rida.

TURNEN IM TV

Sonnabend, 11. August 14–16.25 Uhr: Männer Team-Finale (live im ZDF), Sonntag, 12. August, 11–11.40 Uhr: Junioren Gerätfinale Boden und Pauschenpferd, 12.40 Uhr: Junioren Gerätfinale Ringe und Sprung, 13–13.40 Uhr: Junioren Gerätfinale Barren und Reck, 15.30–16 Uhr: Männer Gerätfinale Boden (live in der ARD), 16–16.30 Uhr: Männer Gerätfinale Pauschenpferd (live in der ARD), 16.45–17.15 Uhr: Männer Gerätfinale Ringe (live in der ARD), 17.15-17.45 Uhr: Männer Gerätfinale Sprung (live in der ARD), 18-18.30 Uhr: Männer Gerätfinale Barren (live in der ARD), 18.30-19 Uhr: Männer Gerätfinale Reck (live in der ARD)

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