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Windräder
Viel Wirbel um neue Rotoren

Konfliktstoff: Die Trebitzer wollen keine neuen Windkraftanlagen, wie hier in Karstädt (Prignitz), rund um ihren Ort.
Konfliktstoff: Die Trebitzer wollen keine neuen Windkraftanlagen, wie hier in Karstädt (Prignitz), rund um ihren Ort. © Foto: Jens Büttner
Larissa Benz / 08.08.2018, 07:30 Uhr
Trebitz (MOZ) In einer Trebitzer Ortsbeiratssitzung sind am Montag die Emotionen hochgekocht. Grund sind 15 neue, von drei Investoren geplante Windkraftanlagen westlich und nordöstlich des bereits bestehenden Windparks.

Ein großer Aufreger ist, dass den Trebitzern nur relativ wenig Handlungsspielraum bleibt, um das zu verhindern. Denn für die Fläche gilt ein sogenannter Regionalplan, der teilweise deutlich von der Windkraftplanung des Amts Lieberose-Oberspreewald und der Stadt Lieberose abweicht. Die kommunale Windkraftplanung aus dem Jahr 2012 sieht neue Aufstellflächen lediglich von Trebitz aus Richtung Weichensdorf hinter dem bestehenden Windpark vor. Normalerweise werden in den Regionalplänen die kommunalen Festlegungen mit berücksichtigt. Das ist im Falle des Trebitzer Plans aber nicht passiert.

Seinen Frust darüber machte Ortsvorsteher Lothar Kleinod in der Sitzung deutlich: „Uns wird ein Plan übergestülpt, den wir so in keinem Fall wollen.“ Einzige Möglichkeit, auf die Windkraftplanung bei Trebitz einzuwirken, sei nur noch, einen Bebauungsplan, einen B-Plan, aufzustellen. Dieser muss sich allerdings an den Geltungsbereich des Regionalplanes halten. Der B-Plan könnte lediglich einzelne Windkraftanlagen innerhalb des Bereiches verhindern, etwa wenn erfolgreich mit einer zu hohen Schallimmission für die Anwohner argumentiert wird.

Einen ersten Entwurf für einen solchen Plan stellte der vom Amt beauftragte Planer Carsten Wolff vom Cottbuser Planungsbüro Wolff den Anwohnern vor. Dieser sieht statt 15 Anlagen nur noch 12 in dem Bereich vor. Den Anwohnern ist das aber nicht genug: „Ich schlafe nachts schlecht, weil ich immer wieder so ein Wummern höre“, sagte Feuerwehr-Ortsführer Dirk Dommann. Er fürchte sich vor neuen Anlagen.

Andere Anwohner äußerten große Bedenken hinsichtlich der Windräder direkt im Sichtfeld ihrer Grundstücke. Die 15 im April beantragten Anlagen sind laut Planer Carsten Wolff jeweils etwa 250 Meter hoch. Der Rotordurchmesser beträgt 150 Meter. Er animierte die Trebitzer, Argumente zu sammeln, die einzelne Windräder verhindern könnten. Das können unter anderem naturschutzrechtliche Gründe sein, wie Horste, oder eine zu hohe Lärmbelastung durch die Anlagen: „Sie sind hier die Experten vor Ort“, sagte Wolff. Ortsvorsteher Kleinod erzählte in diesem Zusammenhang, dass schon zwei Seeadler durch die Rotoren zu Schaden gekommen seien.

Bevor der erste Entwurf für den Bebauungsplan ausgelegt wird und die Anwohner dazu Anmerkungen abgeben können, muss die Lieberoser Stadtverordnetenversammlung über ihn abstimmen. Ein solcher B-Plan werde in einem mehrstufigen Verfahren immer wieder verändert und ergänzt, erklärte Planer Wolff.

Die anwesende Lieberoser Bürgermeisterin Kerstin Michelchen machte das Dilemma deutlich, in dem sie und viele der Abgeordneten stecken würden: „Ich finde das ganz furchtbar, was hier in Trebitz passieren soll. Stimmen wir dem B-Plan nicht zu und blockieren damit das ganze Verfahren, riskieren wir aber, dass wir überhaupt kein Mitspracherecht zu den neuen Anlagen mehr haben.“

Auch der Lieberoser Amtdirektor Bernd Boschan appellierte an die Motivation der Trebitzer: „Arbeiten Sie daran mit, dass wir es schaffen, die geplanten Anlagen deutlich zu reduzieren.“

Planer Carsten Wolff machte auch darauf aufmerksam, dass die Investoren beim Aufstellen von neuen Windkraftanlagen mit Umweltmaßnahmen den Eingriff in die Natur ausgleichen müssen.  Er blickte zum Schluss realistisch in die Zukunft: „Diesen ,Idealzustand’, den Sie hier momentan noch haben, wird es so nicht mehr geben.“ Dass neue Windkraftanlagen gebaut werden, sei durch den vorgegebenen Regionalplan nicht mehr zu verhindern.(lb)

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