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Pommernschaf-Tag in Meyenburg mit Leistungsbewertung / Züchter schwören auf Vorteile der alten Schafrasse

Krönung
Rasenmäher mit blaugrauer Wolle

Michael Dietrich / 13.08.2018, 06:00 Uhr
Meyenburg (MOZ) Sie galt schon fast als ausgestorben, die alte Schafrasse Rauhwolliges Pommersches Landschaf. Inzwischen gilt ihr Bestand dank Züchtern wie Gunda Jung aus Berk­holz-Meyenburg wieder als sicher. Zwei Schafe ihrer Milgeta-Herde wurden 2018  beim Pommernschaf-Tag Miss und Mister Uckermark.

Zum Pommernschaf-Tag kommen Züchter der Rauhwolligen Pommerschen Landschafe schon seit 14 Jahren nach Berk­holz-Meyenburg. Sie bringen ihre Schafe mit, die sie für die Zucht ins Herdbuch eintragen lassen wollen. Unter fachkundigen Blicken und Einschätzungen von Wertungsrichtern wie Hans-Jörg Rößler aus Borkheide und Jens Kath aus Friedrichsfelde erfolgte diesen Sonnabend die Kürung von drei Böcken und Herdbuchaufnahme von 57 Zibben.

Für den Laien sind sie einfach schwarz, braun oder grau, die Bewerter sprechen von dunkelblauer oder graublauer Wolle, vergeben Punkte für Wollfarbe, andere Rassemerkmale sowie Exterieur, also das Gesamterscheinungsbild. Gemeinhin gelten schwarze Schafe ja als jene, die in einer Gruppe oder Herde unangenehm auffallen. Doch Pommernschafe haben es der jungen Schäferin Gunda Jung bei ihrem Berufsstart sofort angetan: „Kurz nach der Wende gab es ja praktisch nur noch Merino-Schafe. Ich wollte aber zum Spinnen keine weiße Wolle, sondern dunkle“, erklärt sie ihren Beweggrund, sich für diese sehr alte Rasse zu entscheiden. Heute betreut Gunda Jung zwei Herden der Schafrasse mit insgesamt 250 Tieren, es sind die größten in der ganzen Region.

Monika Schultz und Reiner Merker aus Zehdenick bauen sich gerade einen eigenen Hof auf und haben ganz andere Gründe: „Wir suchten genügsame Tiere, die mit unseren kargen Böden klarkommen.“ Andreas und Andrea Kronberg aus Teltow-Fleming verraten, dass sie bei ihrem Start als Schafzüchter auf ihre damals kleinen Kinder Rücksicht nahmen und deshalb hornlose Rauhwollige Pommernschafe wählten, die als zutraulich gelten. Eberhard Henne aus Steinhöfel entschied sich ganz bewusst und aus Liebe zu den Tieren für die alte Schafrasse. „Ich wollte keine dieser hochgezüchteten Rassen, die nur auf Fleischgewinnung optimiert sind. Wir haben nicht nur Pommernschafe, sondern auch Pommernenten, die an die Bedingungen in der norddeutschen Region angepasst sind. Wenn das mit dem Klimawandel so weiter geht, werden wir noch froh sein, viele Rassen erhalten zu haben, die vielleicht mit den neuen Bedingungen besser klar kommen“, erzählt der pensionierte Tierarzt und Ex-Minister.

Schon diesen heißen Sommer sollen die robusten Rauhwoller deutlich besser mit den trockenen Wiesen ausgekommen sein als andere Rassen, bestätigen mehrere Züchter. Aber vor allem schwören alle auf das zarte, dunkle Fleisch der Pommernschafe. Sie geben weniger Fleich, dafür um so besseres. Immer besser laufe auch die Vermarktung der Wolle. Anbieter wie Nordwolle auf Insel Rügen kaufen inzwischen die Wolle für ein bis 1,50 Euro das Kilo auf, um daraus gefragte Schurwolljacken und -pullover herzustellen.

Das Rauwollige Pommersche Landschaf fiel nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig der Vereinheitlichung in der Tierhaltung zum Opfer. Zuletzt blieben nur 46 Muttertiere und sieben Böcke übrig. Die UNO setzte die alte Landschafrasse in letzter Sekunde auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

2017 hat sich der Herdbuchbestand der Pommernschafe allein in Berlin-Brandenburg auf 460 erhöht.  Gunda Jung erziehlte mit ihren Pommern 2017 sogar 1a-Platzierungen auf Bundesebene.

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