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Durchatmen auf Strecken durch ganz Europa / An den Buckowsee-Raststätten legen viele Autofahrer Stopp ein

Rast an der A11
Picknick, Pannen, Pullerpausen

Ellen Werner / 16.08.2018, 06:00 Uhr
Werbellin (MOZ) Von

Zwischen Ostsee und Zielen in ganz Europa – auf der A11 herrscht in den letzten Ferientagen Hochbetrieb. Urlauber, Fernkraftfahrer und Ausgewanderte auf Heimatbesuch machen Pause an den Buckowsee-Raststätten. Wir haben einige nach dem Woher und Wohin gefragt.

Wasser, einfach nur Wasser. Booni und Amy haben kaum aus der Schale mit dem kühlen Nass geschlabbert, da hängt ihnen wieder die Zunge zum Hals heraus. Dabei sind der Hund mit schwarzem und die Hündin mit weißem Fell für ihre Fahrerin noch nicht einmal der Hauptgrund, aus dem sie so kurz vor dem Ziel nochmal Pause macht. „Mir sind die Augen zugefallen“, gibt Margarete Eiserle zu.

Die Berlinerin, die in Greifswald lebt, hatte beruflich in der Hauptstadt zu tun. Für den ganzen Rückweg wird ihr der heiße Tag zu lang. Noch gegen 19 Uhr an einem der letzten Ferienabende zeigt das Thermometer 33 Grad. In der Uckermark will sie übernachten und auch die Hunde baden lassen. Davor noch schnell der Zwischenstopp am Autohof Buckowsee Ost.

Die meisten Menschen, die an dem lauten Pausenplätzchen zwischen den Zubringern Finowfurt und Werbellin in Fahrtrichtung Prenzlau und Stettin Rast einlegen, sind deutlich länger als Margarete Eiserle unterwegs. Darauf lassen jedenfalls die Nummernschilder der Pkws schließen, darunter aus Dänemark und Tschechien. Dabei verrät das Länderkennzeichen nicht immer die Nationalität der Insassen. So kommt eine Drei-Generationen-Familie im SUV mit Schweden-Schild aus dem Heimaturlaub im Kosovo zurück, berichtet der Großvater auf Englisch.

Im Fall von Joanna (33) und Greg Muszynski (39) ist das belgische Kennzeichen auch nur ein Hinweis auf ihren Wohnort. Das Paar, das mit Töchterchen Maria an einem der Picknicktische aus grüngestrichenem Drahtgeflecht Pause macht, stammt aus Warschau und Lublin. Er arbeite in Belgien für Institutionen der EU, berichtet Greg. Mit dem Eintritt Polens in die Europäische Union 2004 zogen beide dorthin. „Wir wollen drei Wochen in Polen bleiben“, erzählt Joanna. Ein bisschen Urlaub in Wollin und Besuche bei der Familie, um sie mit Maria bekanntzumachen. Am Vortag haben Muszynskis die Hälfte der über 1000 Kilometer langen Strecke zurückgelegt – „mit vielen Pausen“. Für die Schlussetappe bleiben 200.

Am Ende des Tages werden auch Pawel und Dorota mit den zwölf und acht Jahre alten Kindern Olivia und Matthew die Tausender-Marke geknackt haben. 5 Uhr am Morgen sind sie in London gestartet. Typisch britisch: Pawel sitzt rechts am Steuer. Bereits seit mehr als 20 Jahren leben Dorota und er im Vereinigten Königreich. Als Fahrer zieht der 45-Jährige allein durch, die gesamte Tour an einem Tag. „Ich muss mich mal ausstrecken“, sagt er jetzt. „400 Kilometer haben wir noch.“ Der Stopp an der A11 ist der fünfte auf der Strecke bis Gdynia, wo sie zu einer Hochzeit eingeladen sind. „Etwas trinken, auf die Toilette gehen, ein kleiner Gang“, dazu ist die Pause da, sagt Dorota.

Im hinteren Teil des Rastplatzes haben derweil viele Lasterfahrer ihr Nachtlager aufgeschlagen. Hier überwiegen Kennzeichen aus dem Ausland. „Pause machen muss man mindestens neun Stunden“, erzählt ein 44 Jahre alter Pole, der sich für die Zeitung Mark nennt. Er ist offenbar einer der wenigen Fahrer, die dafür aus der Kabine klettern. Zu dritt, mit Marks 13-jährigem Sohn und einem Kumpel, spielen sie Skat, Bier und Cola auf dem Tisch. Er fahre Abfälle vom Kraftwerk in Schwedt durch Deutschland, kam heute aus Nürnberg, erzählt Mark. Auf dem Rastplatz sei er häufiger. „Die Toiletten und Duschen sind gut.“

Seitenwechsel: In Fahrtrichtung Berlin, also Halt Buckowsee West, hat Agnes, 26, die Autotüren weit geöffnet. Sie habe es eilig, sagt die Französin aus dem Elsaß, das Tablet auf dem Schoß. Sie war bei Freunden in Polen, fährt nun nachts zurück. „Morgen muss ich arbeiten.“ Jetzt gegen acht machen außer ihr nur noch einzelne Fahrer Pause.

Dieselbe Stelle, vormittags, ein anderer Tag: Nun herrscht reger Betrieb auf dem Platz. Vor allem Pkw aus westlichen Bundesländern und von der Ostseeküste machen Halt. Wie leergefegt sind dagegen die Lkw-Stellplätze. Als einer der wenigen hält dort der Erfurter Frank Brandt die Stellung: Zwangspause. „Ein Radlagerschaden“, sagt der 54-Jährige im Campingschaukelstuhl. Zum Glück habe ein Reisender auf dem Rastplatz das eiernde Rad am Wohnwagen bemerkt. Nach vielen Telefonaten habe er einen KfZ-Schlosser in der Nähe gefunden. Jetzt warten Brandt, Tochter und Frau auf ein Ersatzteil, das der Sohn aus Erfurt bringt.

Aufgebrochen sind sie am Vortag gegen elf. Unfreiwillig hat sich der Urlaub, den die Familie in Heringsdorf verbrachte, verlängert. „Wir haben sogar hier übernachtet“, erzählt Brandt. Die Gegend kenne er bereits. Immerhin: „Schön ist es hier“, sagt er.

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