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Brandenburgs Grüne schlagen Alarm

Bauwerkszustand
Viele Brücken sind in Brandenburg marode

Der erste von insgesamt fünf Brückenträgern, jeder wiegt etwa 25 Tonnen, wird über die voll gesperrte Autobahn A12 auf die neuen Widerlager für die Straßenbahnbrücke gehoben. In Brandenburg steht der Zustand der Brücken nicht zum Besten. Viele der Bauwerke sind marode.
Der erste von insgesamt fünf Brückenträgern, jeder wiegt etwa 25 Tonnen, wird über die voll gesperrte Autobahn A12 auf die neuen Widerlager für die Straßenbahnbrücke gehoben. In Brandenburg steht der Zustand der Brücken nicht zum Besten. Viele der Bauwerke sind marode. © Foto: dpa/ZB/Patrick Pleul
Dieter Keller und Beate Bias / 16.08.2018, 08:30 Uhr
Potsdam (MOZ) In Brandenburg sind 13 von 1391 Brücken an Bundesfernstraßen in einem „ungenügenden Zustand“. Weitere 32 Bauwerke werden mit „nicht ausreichendem Zustand“ bewertet. Das sei ein Armutszeugnis der Straßenbaupolitik, sagte die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, einen Tag nach dem Brückeneinsturz in Genua.

Nach Angaben der Bundesvorsitzenden bestehe dringender Handlungsbedarf. Zumal die Zahl der sanierungsbedürftigen Brücken im Land Brandenburg im bundesweiten Vergleich am schnellsten wachse. „Unsere Straßen dürfen nicht in einen immer schlechteren Zustand geraten, während einzelne Prestigeprojekte gebaut werden“, sagte Baerbock am Mittwoch.

Noch dramatischer sei der Zustand von Eisenbahnbrücken. Laut einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung aus dem Jahr 2015 sind 76 Eisenbahnbrücken so gravierend beschädigt, dass in vielen Fällen nur noch ein kompletter Abriss und anschließender Neubau möglich sei. Ähnlich wie in den alten Bundesländern sind Eisenbahnbrücken in Brandenburg überaltert. Rund 40 Prozent der Bauwerke sind älter als 80 Jahre. Die Leittragenden werden die Pendler und der Güterverkehr sein, prognostizierte Baerbock. Wegen der verfehlten Verkehrspolitik der Bundesregierung werde es über kurz oder lang Streckensperrungen, Umleitungen und Zugausfälle geben.

Nach dem Brückeneinsturz im italienischen Genua hält der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, einen Vergleich mit Deutschland aber für unangebracht. Sorgen von Kraftfahrern hierzulande seien unbegründet. „Kommunale Brücken werden nach den gleichen Kriterien fachlich begutachtet und in regelmäßiger Folge geprüft, wie die Autobahn-Brücken in der Verantwortung des Bundes“, sagte Dedy dieser Zeitung. Dennoch beklagen viele Städte zu Recht einen Sanierungsstau. Für knapp die Hälfte der bundesweit rund 67 000 Brücken sind die Kommunen zuständig. Davon sind rund 3500 Brücken Bestandteil von Ortsdurchfahrten von Bundes- und Landesstraßen. Die  Sanierung dieser Vielzahl an Brücken können die Kommunen nicht allein bewältigen, erklärte Dedy weiter.

Nach dem Unglück ist die Zahl der Toten am Mittwoch auf 40 gestiegen. Viele Menschen werden noch vermisst. Rettungskräfte berichteten von Fahrzeugen, die noch immer in den Trümmern zu sehen seien. Es wird weitere Tote geben, sagte Regionalpräsident Giovanni Toti nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus zusammen mit Regierungschef Giuseppe Conte. Die italienische Regierung hat am Mittwoch einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand für die Hafenstadt verhängt. Bei einer Krisensitzung des Ministerrates sei außerdem eine Soforthilfe von fünf Millionen Euro freigegeben worden.

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