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Erinnerung
Gedenktafel für ermordete Alt Ruppinerin Jutta K. enthüllt

Holger Rudolph / 20.08.2018, 06:33 Uhr
Altfriesack Freunde, Familienangehörige und Bekannte gedachten am Freitagabend in Altfriesack der Alt Ruppinerin Jutta K., die vor einem Jahr  ermordet wurde. Eine Gedenktafel am Rhin erinnert nun dauerhaft an die gewaltvoll Getötete.

Etwa 50 Menschen hatten sich auf dem Grundstück von Frank Kuchenbecker versammelt, der zu der Gedenkfeier eingeladen hatte. Der Gastgeber hoffte, dass die Feiernden sich an die angenehmen gemeinsamen Erlebnisse mit Jutta K. erinnern würden. Kuchenbecker hatte vom Erlös mehrerer seiner Mondschein-Kanutouren Speisen und Getränke gekauft. Die Gäste saßen auf Sofas und Stühlen im Freien. Nachdem sich alle etwas gestärkt hatten, bewegte sich der Tross hinüber zum Rhin, wo Touristiker Kuchenbecker und sein Team sonst die Boote einsetzen.

Dort wartete schon der ortsansässige Alphornbläser Sebastian Kilian. Er empfing die Gäste mit einer würdevollen Melodie. Kurz darauf wurde die Tafel enthüllt, die ein Porträt von Jutta K. zeigt und sie in anrührenden Worten beschreibt. Kurz vor ihrem tragischen Ende habe er Jutta K. in Neuruppin getroffen, sagte Kuchenbecker zu den Versammelten. Er möge doch mal auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen, hatte sie noch zu ihm gesagt. Dazu kam es nicht mehr. Betroffen sah er nach unten: „Ich kann nur allen hier empfehlen, pflegt eure Freundschaften, solange es möglich ist!“

Kuchenbecker hatte Jutta K. seit fast 40 Jahren gekannt. Beide arbeiteten seinerzeit als Rettungsschwimmer in der Neuruppiner Schwimmhalle. Später kehrte er nach 15 Jahren in Westdeutschland ins Ruppinische zurück. Silvester 1999 sah er Jutta K. wieder. Er erzählte ihr von seinen Plänen, Kanuverleih und Wasserwander-Rastplatz aufbauen zu wollen. Obwohl sie schon viel länger im selben Metier tätig war, habe sie ihn nie als Konkurrenten betrachtet. Kuchenbecker: „Von diesem Tag an haben wir über viele Jahre sehr gut zusammengearbeitet. Das war richtig toll.“ Unter anderem waren beide als Kanu-Guides für das Jugenddorf Gnewikow tätig. Sogar zu Kuchenbeckers Hochzeit nach Thailand war Jutta K. 2010 angereist. Dort wurde der Altfriesacker mit seiner Weau getraut. Er lächelte ein wenig. Wunderschön sei es gewesen. Viele der Feiernden vom Freitag hätten damals die lange Reise nach Thailand auf sich genommen. Es sei sehr gut, wenn man echte Freunde hat, auf die man stets setzen kann.

Ehefrau Weau brachte Frank Kuchenbecker auf die Idee, ein Element des thailändischen Festes Loi Krathong in das Gedenken an Jutta K. zu integrieren. Mit Blüten geschmückte Boote aus Brot, darauf eine leuchtende Kerze, wurden zu später Stunde im Rhin ausgesetzt. Der Ärger und das Böse würden mit ihnen fortschwimmen, so der Glaube.

Zuvor hatten die Alt Ruppiner Michael Schneider und Frank Westphal auf einer Leinwand Bilder aus dem Leben der Verstorbenen gezeigt. Anschließend führten sie ihre Eigenkomposition „Für Jutta K.“ auf. Beide spielen seit langem in der Band „Incorpore“. Schneider kannte Jutta K. seit seiner Kindheit und hat viele angenehme Erinnerungen. Westphal hatte Jutta K. vor sieben Jahren kennengelernt. Sie war eine gute Freundin seiner Freundin. Er erinnerte sich: „Wir unternahmen vieles gemeinsam.“

Auch Alt Ruppins Ortsvorsteherin Heidemarie Ahlers (SPD) hatte an den Schiffchen mitgebastelt. Wehmütig erzählte sie: „Ich habe die Jutta seit ihrem dritten Lebensjahr gekannt. Damals war ich Praktikantin im Kindergarten. Jutta war drei Jahre alt und sang so gern den Schlager ,Ich will  ‘nen Cowboy als Mann’. Den habe ich dann immer wieder mit ihr zusammen gesungen. Wir haben uns später nicht mehr aus den Augen verloren. Es gab sehr viele gemeinsame Berührungspunkte.“ Sie habe Jutta K. sehr geschätzt, sagte Ahlers mit glänzenden Augen. Ihr nochmals zu gedenken, sei sehr wichtig.

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