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Reitturnier
Islandpferde-Turnier lockt 200 Starter nach Hohenbruch

Sophie Schade / 20.08.2018, 09:11 Uhr
Hohenbruch Der Boden bebte am Wochenende in Hohenbruch unter dem Hufgetrappel der Islandpferde. Auf dem Schleuener Hof wurden zum der Abschluss der Turniersaison noch einmal Wettkämpfe in allen Alters- und Leistungsklassen ausgetragen. Im Vordergrund stand neben den sportlichen Leistungen vor allem der Spaß.

Es herrscht Hochbetrieb auf dem Schleuener Hof, einem kleinen Familienbetrieb, der sich vor allem auf Reitunterricht und Kinderfreizeiten spezialisiert hat. Dicht an dicht stehen Pferdehänger, Autos, Zelte und natürlich die selbst aufgebauten Paddocks, in denen die Tiere untergebracht sind, die an diesem Wochenende an den Start gehen sollen. Wer sich seinen Weg durch diesen Campingplatz mit Pferden zum Wettkampfgeschehen bahnt, kommt mit völlig verstaubten Schuhen und Hosen an der Bahn an.

Über 200 Pferd-Reiter-Kombinationen treten an, um sich in verschiedenen Disziplinen zu messen – aber auch, um Freunde wiederzutreffen. Um ein „Islandpferde-Fest“ in dieser Größenordnung möglich zu machen, ist im Vorfeld großes organisatorisches Talent gefragt. „Das fängt mit der Sponsorensuche am Anfang des Jahres an und hört bei der Blumendekoration kurz vor Turnierbeginn noch lange nicht auf“, so Sandra Hoff, die Juniorchefin des Gestüts. Es sind also alle helfenden Hände gefordert, damit rechtzeitig vor Anreise der Teilnehmer alles hergerichtet ist.

Während die Prüfungsformen auf einem Dressur- oder Springturnier allseits bekannt sind, ist das Angebot auf Islandpferdeturnieren vielfältiger. So werden neben den Spezialgangarten der Islandpferde, Tölt und Rennpass, auch zahlreiche Spaßdisziplinen wie das Fahnenrennen oder ein Geschicklichkeitsparcours angeboten.

Dementsprechend entspannt ist die Stimmung unter den Teilnehmern. Geht eine Prüfung daneben, ist der Frust, wenn überhaupt, nicht lang anhaltend, dafür rollt die eine oder andere Freudenträne, wenn das Pferd zur Höchstform aufgelaufen ist. Publikumsmagnet ist diesmal außerdem der sogenannte Mitternachtstölt: Unter dem Motto „Disneys Helden“ bewältigen zehn Pferd-Reiter-Kombinationen in voller Kostümierung verschiedene Aufgaben im Tölt. Per K.O.-System wird die beste Gangdarbietung auserkoren. Das Publikum honoriert per Applaus Malin Jordis Skupch für das beste Kostüm als Aladdina auf dem fliegenden Teppich. Den Kleinsten wird derweil in der Führzügelklasse eine Bühne geboten. Hier kann Ella Hasler auf „Frakki von der Prignitz“ besonders glänzen und die Prüfung für sich entscheiden.

Joana Bergemann ist beinahe Stammteilnehmerin des Turniers. Seit 2012 nimmt die 19-jährige Studentin der – wie sollte es anders sein – Pferdewissenschaften mit ihrem Wallach „Ívar frá Árbakka“ erfolgreich an Wettbewerben teil. Für sie und ihre Familie sind diese Wochenendveranstaltungen auch ein Kurzurlaub mit Pferd.

Im Gegensatz zu Dressur- oder Springturnieren werden die Tiere hier nicht direkt nach ihrer Prüfung wieder auf den Hänger verladen und zurück in den heimatlichen Stall gefahren, sondern stehen für die Dauer des Turniers in ihrem eigenen, selbst aufgebauten Paddock, während die dazugehörigen Menschen im Zelt oder Wohnmobil campen. „Es erinnert immer ein wenig an ein Klassentreffen“, ist sich Joana Bergemann mit ihrem Vater Jens einig. So manche langjährige Freundschaft sei schon auf einem Turnier entstanden.

Das fällt nicht schwer zu glauben angesichts der vielen Kinder, die auch am Wochenende mit von der Partie sind und in großen Gruppen über den Turnierplatz streifen. Von Konkurrenzgedanken keine Spur, vielmehr sind sie froh, viel Zeit mit Freunden zu verbringen, die sie nicht tagtäglich in der Schule sehen. Suzan Beuk und André Böhme beobachten das Geschehen aus der Mitte der Ovalbahn, sie gehören zum sechsköpfigen Richterkollegium. Sie loben neben der feinen Reitweise, mit der die meisten Teilnehmer ihre Prüfungen bestreiten, vor allem die entspannte Atmosphäre.

„Wenn eine Prüfung nicht so gut läuft, grämt sich niemand lange. Es herrscht eine sehr freundliche Stimmung. Das erlebt man gewiss nicht auf jedem Turnier“, bekräftigt Suzan Beuk, die nicht nur als Richterin, sondern auch als Trainerin des „Kader Junger Reiter“, der Juniorennationalmannschaft, auf zahlreichen nationalen und internationalen Turnieren unterwegs ist.

Die Turniere

Offene Sportturniere für Islandpferde (kurz: OSI) sind auf die speziellen Gangarten der Vierbeiner aus dem hohen Norden ausgelegt – Tölt und Rennpass. Auf einer 250 Meter langen Ovalbahn werden diese Gänge in verschiedenen Prüfungen in den Altersklassen Kinder M (8 bis 10 Jahre), Kinder L (11 bis 12 Jahre), Jugend (13 bis 16 Jahre), Junioren (17 bis 21) und in der Sportklasse geritten und bewertet. Auf der 300 Meter langen Passbahn wird das Pferd mit dem schnellsten Rennpass ermittelt. Außerdem gibt es Spaßprüfungen wie einen Geschicklichkeitsparcours oder das Fahnenrennen. ⇥(so)

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