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Heimatstube
Museum der Heimat

Patrizia Czajor / 25.08.2018, 09:00 Uhr - Aktualisiert 25.08.2018, 09:49
Göhlen (MOZ) Es war, als hätten sich die Bürger von Göhlen zum 650. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht. Vor sieben Jahren machten sie ein ehemaliges Klassenzimmer zu einem kleinen Museum und erweckten es zum Leben. Doch mit ihrer Heimatstube planen die Initiatoren noch mehr.

Angefangen hatte alles mit einem Bild. Zum Jubiläum von Göhlen in Neuzelle im Oktober 2011 hatten sie einen Fotografen bestellt, erzählt Roswitha Schubel. „Das Bild haben wir dann vergrößern lassen.“ Die Ortsvorsteherin holt das Foto, das in einem hellen Holzrahmen steckt, sogleich aus einem Nebenraum der Heimatstube. Mit diesem Foto seien nicht nur die Feierlichkeiten eingeläutet worden. Es sei auch die Geburtsstunde der Heimatstube gewesen. Anscheinend sind die Göhlener einander nicht nur auf dem Bild nähergekommen.

Geboren war zu dem Zeitpunkt hingegen nur die Idee, in dem ehemaligen Schulgebäude ein bisschen Historie des Dorfes aufleben zu lassen. Wie das hingegen bei den Bürgern ankommen würde, war noch unklar. „Wer will denn alte Möbel sehen?“, habe sich Liane Gladrow zu Beginn noch gefragt. Zumindest an einem sollte es nicht scheitern. Jeder im Ort habe ein Sammelsurium an alten Möbeln und Einrichtungsgegenständen bei sich gehabt – inklusive der Initiatorinnen, zu denen Roswita Schubel sowie Liane Gladrow zählen. „Die Sammelleidenschaft unserer Eltern und Großeltern war schon groß“, sagt Liane Gladrow. Dabei hätten sie bereits einen Großteil alter Gegenstände entsorgt.

Der ehemalige Klassenraum, der heute die Heimatstube ist, füllte sich jedoch schnell. Als Erstes, erinnert sich Roswitha Schubel, habe jemand eine alte Küchenecke bei ihnen abgegeben. Von ihr selbst stamme eine Nähmaschine sowie ein Nähschränkchen ihrer Großmutter. Obwohl ihre Oma irgendwann eine elektrische Nähmaschine bekommen habe, sei sie bis zum Schluss bei ihrer alten geblieben, erzählt die 67-jährige gebürtige Göhlenerin.

Es seien Gespräche über diese Erinnerungen, die Liane Gladrow bei ihren Führungen durch die Heimatstube so viel Freude bereiten. „Die Menschen sehen nicht nur die Gegenstände, sie sehen ihre Eltern und Großeltern darin“, sagt sie. Mitunter seien es Kleinigkeiten, wie etwa ein Butterfass oder ein Puppenbettchen, die Emotionen hervorriefen. Und vielleicht werde sich die Heimatstube, meint Liane Gladrow, mit den Jahren auch verändern. „Irgendwann werden hier vielleicht ausrangierte Computer stehen, die vielleicht bei der jüngeren Generation Erinnerungen wecken.“

Gespendet wird immer noch fleißig. Vor kurzem bekamen die Frauen einen Küchenschrank. „Um den haben wir so lange gebettelt“, meint Liane Gladrow. Zudem ist die Ausstellung seit kurzem endlich wieder komplett. Anlässlich der 700-Jahr-Feier von Möbiskruge seien einige Gegenstände dem Neuzeller Ortsteil zur Verfügung gestellt worden. Jetzt, da verliehenes Bügeleisen, Holzpantoffeln, Dreifuß und Schultafel wieder ihren Weg in die Heimatstube zurückgefunden haben, schmieden Liane Gladrow und Roswitha Schubel Pläne dafür, die Heimatstube über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannter zu machen. Ein Gedanke, mit dem sie spielen, sei etwa die Einführung fester wöchentlicher Öffnungszeiten.

Fest steht schon, dass es mit dem Frauennachmittag ab dem 19. September ein wöchentliches Programm in der Heimatstube geben wird. Dann treffen sich Frauen zum Austausch über Geschichte und alte Erinnerungen. „Und wer in diesem Monat Geburtstag hat, gibt einen aus“, sagt Roswitha Schubel.“

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