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Hohenfinower Mosterei startete am Montag in die Saison und erlebte einen regelrechten Ansturm: Vor dem Haus stapeln sich die Kisten

Mosterei
Apfel um Apfel zum süßen Saft

Julia Lehmann / 28.08.2018, 06:28 Uhr - Aktualisiert 28.08.2018, 14:11
Hohenfinow (MOZ) Mosttag Nummer eins in Hohenfinow. Und das kleine Team um Rolf Simpfendörfer hat Dank riesigiger Apfelmengen alle Hände voll zu tun. Seit gestern werden in erster Linie Äpfel wieder zu gelb-goldenem Saft gepresst. Ab 50 Kilogramm kann man die eigene Ernte abgeben.

„So viel hatten wir noch nie.“ Das ist einer der ersten Sätze, die Rolf Simpfendörfer am Montagvormittag sagt. Nachdem im vergangenen Jahr regelrecht Flaute in der Hohenfinower Mosterei herrschte, stapeln Leute diesmal ihre Ernte schon seit Sonntag in Kisten und Säcken vor dem kleinen weißen Haus in der Hebewerkstraße. Wer keinen Termin hat, wird angerufen, wenn die Früchte verarbeitet sind. Aber die Garantie lautet bei jedem gleich: Es landet nur in den Flaschen oder Kunststoffsäcken, was man auch mitbringt.

Seit acht Uhr sind Rolf Simpfendörfer, Ehefrau Doris Kramm und ein paar Mitarbeiter an Press- und Abfüllmaschine beschäftigt. Trotzdem sich draußen die Apfelberge türmen, lässt Simpfendörfer keinen Stress aufkommen. Während der trübe goldene Saft in die Glasflaschen läuft, beantwortet er Fragen oder unterhält sich mit seinen Kunden. „Wir nehmen das alles sehr locker“, sagt der 37-Jährige.

Bernd Pomraenke kommt seit der Eröffnung vor fünf Jahren zur kleinen Mosterei in Hohenfinow. „Der eigene Saft ist immer was anderes. Der schmeckt besser“, sagt der Eberswalder. An drei Apfelbäumen hat er durch Veredelung gut 20 Sorten gezüchtet. Für den Saft kommen sie alle zusammen. Und ein paar Birnen. Dann schmecke der Saft lieblicher. Uwe Flindt hat aus 175 Kilogramm Äpfel gute 100 Liter bekommen. Zum Glück ist er mit Anhänger am Auto gekommen.

Viele nutzten zuvor die Saftpresse in Liepe. Sie schloss eines Tages. Für Rolf Simpfendörfer Stein des Anstoßes, das Handwerk in der Region zu halten. Der freischaffende Forstwirt, der nach dem Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, mit Frau Doris nach Niederfinow zog, eröffnete selbst eine Saftpresse, kaufte Technik und legte los. „Ein bisschen was Verrücktes im Leben muss es ja auch geben“, beschreibt er seine Motivation, während er Flaschen verschließt und in Kisten sortiert. Seine Selbstständigkeit ermöglicht ihm die Zeit für die Mosterei nehmen.

Produziert wird ein ehrliches Produkt, ohne fragwürdige Inhaltsstoffe. Schließlich wisse jeder, von wo das eigene Obst kommt, sagt Doris Kramm. Es gibt nur ein paar Regeln: Fauliges Obst wird nicht verarbeitet. „Die Äpfel sollten reif sein“, sagt die 35-Jährige. Wenn die Kerne braun sind, ist der Apfel reif.

Damit das Endprodukt auch haltbar ist, wird der Saft vor dem Abfüllen pasteurisiert. Erhitzt wird auf 78 Grad. Vorab werden die Äpfel gewaschen und dann zerhäckselt. Daraus wird mit einem Gewicht von gut 24 Tonnen der kostbare Saft herausgepresst. Was vom Apfel selbst übrig bleibt, holen sich meist Landwirte oder Förster als Tierfutter. Abgefüllt in Flaschen liegt der Preis bei 1,50 Euro pro Liter, 50 Cent weniger zahlt man für den Kunststoffsack mit Zapfhahn. Wer seine eigenen Flaschen  mitbringt, erhält Rabatt. Nach der Öffnung kann man den Saft gut drei Monate trinken, ungeöffnet ein gutes Jahr.

Der große Verdienst sei bislang ausgeblieben, sagt Rolf Simpfendörfer. Dass in diesem Jahr so viele Menschen ihre Früchte vorbeibringen, sei sicher wetterbedingt, vermutet er. Gerade bei alten Apfelsorten gebe es zudem immer Jahre mit starken und schwachen Erträgen.

Wie viel da in den nächsten Wochen noch kommt, kann Simpfendörfer nicht sagen: „Ich weiß eigentlich weder, wie lange die Saison geht, wie lange ein Tag ist und wie viele Leute kommen.“ Wahrscheinlich wird er bis Ende Oktober drei Tage in der Woche in der kleinen Mosterei stehen. Und irgendwann auch die Äpfel der selbst gepflanzten Bäume verarbeiten.

www.saftpresse-hohenfinow.de oder Tel. 033458 647050

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