Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Handwerkerbesuch
Zimmerei Steffen setzt auf Tradition

Zwei Generationen Zimmerer: Andreas Steffen mit Vater Ralf und Bruder Mathias (v.l.n.r.) am Firmenstandort in Göttin.
Zwei Generationen Zimmerer: Andreas Steffen mit Vater Ralf und Bruder Mathias (v.l.n.r.) am Firmenstandort in Göttin. © Foto: Anja Linckus
28.08.2018, 10:52 Uhr - Aktualisiert 28.08.2018, 13:57
Göttin Die regelmäßig stattfindenden Besuche der Handwerkskammer Potsdam führten den Vizepräsidenten Burghard Ehlert diesmal nach Göttin, den Firmenstandort der in vierter Generation geführten Zimmerei Steffen. Vor Ort wollte sich Ehlert im Mitgliedsbetrieb der HWK ein Bild von der aktuellen Wirtschaftslage, der Geschäftssituation des Handwerksbetriebes und der Fachkräftesituation machen.

Altmeister Ralf Steffen und sein Sohn Andreas, der das Unternehmen seit 14 Jahren leitet, standen ihm Rede und Antwort, hatten aber auch selbst Fragen und Anliegen, die sie Ehlert mit nach Potsdam geben wollten. Denn auch bei anhaltend guter Konjunktur drückt der Schuh in vielen Handwerksbetrieben an verschiedenen Stellen. So gibt es auch in der Zimmerei Steffen derzeit keinen angehenden neuen Zimmermann. Zwar habe es vor Beginn dieses Ausbildungsjahres eine einzige Anfrage gegeben, doch daraus sei dann nichts geworden. Letzter Azubi im Betrieb war Mathias Steffen, der im vergangenen Jahr seine Prüfungen bestanden hat und in das Familienunternehmen eingestiegen ist - womit sich Vater Ralf Steffen über die doppelt abgesicherte Nachfolge freuen kann.

Ein ganz anders gelagertes Problem als der Nachwuchsmangel ist für Andreas Steffen, der neben Vater und Bruder drei weitere Angestellte hat, der immense Bürokratieaufwand. Über die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringe er mittlerweile im Büro, berichtete Andreas Steffen am Mittwoch. Und die Tendenz sei steigend. So gebe es bei öffentlichen Ausschreibungen mittlerweile sogar die Forderung nach einem Gleichstellungsbeauftragten. „Alle Seiten wollen sich absichern und laden die Risiken auf den Handwerksbetrieben ab“, klagt der Geschäftsführer und findet deutliche Worte angesichts all dessen und dem, was die eigene Berufsgenossenschaft an hohen Anforderungen zum Arbeitsschutz hat: „Extrembergsteigen ist ein Scheiß dagegen.“

Das alles sind Gründe für Ralf und Andreas Steffen, den Familienbetrieb auch zukünftig nicht zu vergrößern. Vielmehr setzen sie ihre Hoffnungen auf eine weiterhin gute Auftragslage vornehmlich in der Region, den bestehenden Mitarbeiterstamm und eine gute Zahlungsmoral der Geschäftspartner. Denn was passiert, wenn die Bezahlung für getane Arbeit ausbleibt, das musste der Familienbeitrieb vor 14 Jahren am eigenen Leib schmerzhaft erfahren. Mit den ausbleibenden Zahlungen ließ sich die Insolvenz für die Zimmerei - die bis zu 40 Mitarbeiter und zwölf Lehrlinge hatte - nicht abwenden, der Kampf um die eigene Existenz war hart. Der Nichtverkauf des insolventen Unternehmens ermöglichte den Neustart, seitdem um einiges kleiner. „Heute suchen wir uns unsere Kunden ganz genau aus“, so Andreas Steffen, der aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG