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Gutachter bescheinigt Hobrechtsfelder Wahrzeichen Einzigartigkeit / Dokumentation und Nutzungsideen vorgelegt

Historische Landtechnik
Anschub für den Speicher

Weithin einzigartige Technik: Jürgen Wolf, der Spezialist für Mühlentechnik, Architekt Stefan Woehrlin und Petra Bierwirth (v.l.), Vorsitzende des Fördervereins Naturpark Barnim, besichtigen den Hobrechtsfelder Speicher.
Weithin einzigartige Technik: Jürgen Wolf, der Spezialist für Mühlentechnik, Architekt Stefan Woehrlin und Petra Bierwirth (v.l.), Vorsitzende des Fördervereins Naturpark Barnim, besichtigen den Hobrechtsfelder Speicher. © Foto: Olav Schröder
Olav Schröder / 04.09.2018, 20:46 Uhr
Hobrechtsfelde (MOZ) Die vom Förderverein Naturpark Barnim in Auftrag gegebene Dokumentation für die weitere Nutzung des Gutsspeichers in Hobrechtsfelde liegt vor. Sie verknüpft den Erhalt des historisch einmaligen Bestands mit einem aktiven Gebrauch durch die Besucher.

Jürgen Wolf betreibt seit fast25 Jahren die Bockwindmühle in Berlin-Marzahn. Er stammt aus einer Müllerfamilie, ist selbst gelernter Müller und Fachberater für den Mühlenausbau. Auf ihn greifen Einrichtungen wie das Deutsche Technikmuseum gern zurück. Für den Förderverein hat er die fast 60-seitige Dokumentation erarbeitet. Sie erfasst den historischen Speicher als technisch-bauliche Anlage und gibt dazu Hinweise für eine öffentliche Nutzung.

Hobrechtsfelde beschreibt er als den „historisch führenden Ort zum Thema Rieselfelder“. Der große Vorteil des Speichers sei, dass er baulich sicher ist. Von noch größerer Bedeutung aber ist der gute Zustand der historischen Technik. Der Hobrechtsfelder Rieselbodenspeicher stelle einen Endpunkt der Entwicklung der Bodenspeicher dar. Von den hochtechnisierten Anlagen sei so gut wie keine weitere vorhanden, schon gar nicht in diesem guten Zustand. Nur die heutigen Silospeicher seien noch effizienter. Im Hobrechtsfelder Speicher wurde das Getreide über einen Elevator bis unter das Dach transportiert und mit Hilfe eines Ventilators gereinigt. Dann rieselte das reine Korn durch feine verstellbare Bodenlöcher über mehrere Etagen in die Tiefe zum Abtransport. Jedes Korn war von Luft umgeben, das Getreide konnte lange Zeit gelagert werden, erläutert Jürgen Wolf. Riesenfelder und Speicher seien für Hobrechtsfelde ein Alleinstellungsmerkmal. Die Technik bei Besuchen des Speichers erfahrbar zu machen, ist – nach der Bestandsaufnahme – sein zweites Anliegen.

Große Bedeutung kommt dabei der finanziellen Seite zu. Investitionen, so Architekt Stefan Woehrlin, wird der Förderverein des Naturparks nicht tragen können. Hier sei die Unterstützung der öffentlichen Hand erforderlich. Der Betrieb des Gebäudes aber, so Jürgen Wolf, müsse sich zumindest teilweise selbst tragen. Dies sollte schrittweise wirtschaftlich entwickelt werden. Der Speicher biete genügend Platz für Publikum. Interesse an der historischen Technik sei reichlich vorhanden, sagt Jürgen Wolf. Zu den Besuchergruppen der Bockwindmühle in Marzahn gehören beispielsweise Schulklassen aus dem Bernauer Bereich. Das direkte Erleben der Technik begeistere viele, gerade weil heute das Vorstellungsvermögen für frühere Arbeitsweisen schwindet. Der Speicher könne somit ein Bildungsangebot im Rahmen eines Museums- und Tagungshauses darstellen, das sich nicht allein an Schulen wendet. Neben der Aufarbeitung der Technik und der Ergänzung fehlender Teile sei die Aufstellung eines dreidimensionalen Modells zu empfehlen, das die Arbeitsabläufe im Speicher dar-stellt.

Um die schrittweise Aktivierung des Speichers in Gang zu setzen, empfiehlt Jürgen Müller die Teilnahme am Deutschen Mühlentag schon im kommenden Jahr. Der Tag findet bundesweit jeweils am Pfingstmontag statt. Fachliche Hilfe und weitere Unterstützung bei der Entwicklung des Speichers bietet der Marzahner Mühlenverein an. Auch die Teilnahme an der Brandenburger Landpartie sei zu empfehlen.

Wie Petra Bierwirth, die Vorsitzende des Fördervereins, sagt, soll es vom Frühjahr 2019 an ein gastronomisches Angebot geben. Der Bewilligungsbescheid für den Einbau eines Aufzugs bis zur Ausstellungsetage wird in diesen Tagen erwartet. Der Einbau ist Voraussetzung für die erforderliche Barrierefreiheit des Besucherbereichs.

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