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Erneuter Rückschlag für Eichhhorst

Wohngebiet versus Wald: Das leerstehende Ferienlager an der Forstsiedlung in Eichhorst steht seit 25 Jahren leer. Wegen unterlassener Grünpflege hat sich die Natur das Areal zurückerobert und Bäume und Sträucher breiten sich aus. Nun gilt es als Waldstück und soll nach dem Willen des Landkreises nicht zu Bauland werden.
Wohngebiet versus Wald: Das leerstehende Ferienlager an der Forstsiedlung in Eichhorst steht seit 25 Jahren leer. Wegen unterlassener Grünpflege hat sich die Natur das Areal zurückerobert und Bäume und Sträucher breiten sich aus. Nun gilt es als Waldstück und soll nach dem Willen des Landkreises nicht zu Bauland werden. © Foto: Susan Hasse
Susan Hasse / 09.09.2018, 07:00 Uhr
Eichhorst (MOZ) Erneut scheitert das Schorfheide-Dorf Eichhorst bei der Ausweisung von Bauland. Die avisierte Fläche ist ein schützenswertes Biotop und im Außenbereich, lauten diesmal die Verhinderungsgründe. Ein Vor-Ort-Termin mit den Genehmigungsbehörden am Freitagmorgen war ernüchternd.

Eine Handvoll Häuser hätten auf dem Areal zwischen der Eberswalder Straße und dem Werbellinkanal Platz gehabt. Umgerechnet auf die Einwohnerzahlen würde es wahrscheinlich nicht mal ein positiven Saldo geben, sondern lediglich  bestandssichernd für das 437-Seelen Dorf sein. Das Gelände gehört dem Landesforst, ist aber bereits von den drei Seiten umbaut und liegt damit im Außenbereich. Die Untere Naturschutzbehörde hatte im Vorfeld bereits signalisiert, dass es eine „nach innen gerichtete Verdichtung“ darstellen würde, dort zu bauen. Doch bei dem Vor-Ort-Termin am Freitag war diese Sicht plötzlich ganz anders: Vonseiten der Unteren Bauaufsichtsbehörde wurden Bedenken laut. Es handele sich um Außenbereich. Zudem sei das Bodenprofil ungeeignet zur Bebauung. Auch die Verwaltung der Biosphäre und die Untere Naturschutzbehörde gab kein grünes Licht für die Fläche. Ein schützenswertes Biotop sei in der Nähe. „Es ist aussichtslos“, fasst der Hann-Dieter Hartwig,  zusammen.  Der Ortsbeirat von Eichhorst ist merklich verschnupft: „Es ist sehr schade, dass die Bau- und Naturschutzbehörden erneut Verhinderungsgründe sehen“, so Hartwig. Auch der Gemeindevertreter Henry Pepinsky findet den erneuten Rückschlag bedauerlich. Ortsvorsteher Stephan Reimann zeigt sich ebenfalls enttäuscht und kann nur mit dem Kopf schütteln. Man wolle aber weiter nach geeignetem Bauland suchen. „Wir geben nicht auf“, lautet die Marschroute. Nun würde man stärker die Lückenbebauung im Ortskern ins Visier nehmen, heißt es. Zudem wolle man mit Privateigentümern von bebaubaren Flächen weiter im Gespräch bleiben. Schließlich gehe es letztlich um die Zukunft des kleinen Ortes.

In den Augen der Eichhorster ist die derzeitige Situation unbefriedigend. Es gibt zahlreiche junge Familien, die in den Startlöchern stehen und gern im Ort bauen würden. Sie wollen in der Nähe der Eltern bleiben, auch um sie im Alter besser zu unterstützen. Schließlich gibt es im Dorf weder Supermarkt noch Ärzte und Apotheke. Für Familien essentiell gibt es zumindest noch einen Kindergarten, Vereine und Spielplätze.

Bereits vor einigen Monaten hatte der Ortsbeirat konkrete Hoffnungen auf Bauland gehegt: Ein seit der Wende leerstehendes Ferienlager schien als Bauland geeignet. Auf dem Areal stehen Baracken und marode Häuser. Von zwei Seiten ist das Ferienlager an der Forstsiedlung zudem umgeben von bewohnten Häusern. Auf dem Grundstück wachsen zwischen den Ruinen erste Bäumchen. Doch die Forst stellte als Eigentümer „utopische Preisforderungen“, die weder durch den Baumbestand noch durch die Lage gerechtfertigt schienen. Dann stellte sich auch die Behörden quer. Es sei, obwohl das Areal direkt an bewohnte Häuser grenze, eine verbotene „nach außen gerichtete Erweiterung des Dorfes“, so die Argumentation. Zudem solle kein Präzedenzfall geschaffen werden, so die Meinung des Landkreises, indem Waldflächen zu Bauland umgewidmet werden, so der Leiter der Bauaufsicht Uwe Stegert.

Die Gründe wechseln, das Ergebnis bleibt gleich: Eichhorst darf nicht wachsen. Die naturbelassene Lage mitten in den uralten Eichenwäldern der Schorfheide stellt sich als Fluch heraus, so ein Einwohner.

Der Ortsbeirat und die Gemeinde Schorfheide versuchen bereits seit mehr als drei Jahren geeignete Flächen zum Bau von Einfamilienhäusern zu finden, um so junge Leute im Dorf zu halten. Eichhorst liegt allerdings mitten im Biosphärenreservat, die Schutzzone beginnt quasi direkt an der Haustür. So wurden mit Hinweis auf die Biosphäre auch schon Ausbauten im eigenen Garten untersagt, klagt ein Betroffener. Es scheint, als sei Eichhorst selbst ein Biotop.

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