Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Von Oderberg aus wanderte Urahnin Justina Tubbe im Jahr 1855 nach Amerika aus

Wurzeln in Oderberg
Besuch aus Texas

Ellen Werner / 21.09.2018, 07:30 Uhr
Oderberg (MOZ) Von

Sie war seine Ur-Ur-Ur-Großmutter: Vor mehr als 160 Jahren nahm die Oderbergerin Justina Tubbe die lange Reise in die Neue Welt auf sich. 20 Jahre nach seinem ersten Besuch in Oderberg wollte der Texaner Billy Junge (73) die Heimat seiner Urahnen nun noch einmal sehen.

Drei Stunden dauerte die Fahrt auf dem Schiff. Etwas erschöpft steigen der Texaner Billy Junge, seine Frau Pam und das Kieler Ehepaar Laudi am Mittwoch in Oderberg vom Dampfer.

Ein Sinnbild in gewisser Weise – wenngleich die Tour zum Schiffshebewerk Niederfinow natürlich nicht mit den Beschwerlichkeiten einer Schiffsreise in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu vergleichen ist. Auch die Frau, die in der Familienhistorie der Junges und Laudis die älteste gemeinsame Größe ist, stieg einst von einem Schiff. Es war das Jahr 1855, als ein Mastsegler mit der Oderbergerin Justina Tubbe an Bord in New York anlegte. Von dort schlugen sich die Witwe und zwei ihrer neun Kinder, der 14-jährige August und der 40-jährige Ludwig, noch 2500 Kilometer weiter südwärts durch.

Bereits drei Jahre zuvor hatte sich dort, in Nacogdoches, der ältesten Stadt von Texas, ihre Tochter Charlotte, verheiratet mit dem Oderberger Fritz Junge, angesiedelt – Billy Junges Ur-Uroma. Bevor er zu alt werde, habe er unbedingt noch einmal ihre Heimat sehen wollen, sagt der Texaner aus Lufkin. Es sei „ein sehr gutes Gefühl“, wieder hier zu sein.

Genau wie vor 20 Jahren, als er zum ersten Mal in die kleine Stadt an der Alten Oder kam. „Ich wollte immer nach Deutschland, aber als Kind habe ich nicht geglaubt, dass ich es wirklich schaffe“, erzählt er mit dem schweren Akzent der amerikanischen Südstaatler. Anders als aus seinem Vorhaben, Deutsch zu lernen, ist daraus sogar zum zweiten Mal etwas geworden. Begleitet von Pam, ihrem Bruder und dessen Frau blieb er zwischen einem Familienbesuch in England und ein paar Tagen in Berlin und Potsdam einen Tag und eine Nacht in Oderberg. Hier traf er auch auf seinen entfernten Cousin Roland Junge, Bäckermeister im Ruhestand, und dessen Frau Barbara.

Bereits in den 60er-Jahren habe er versucht zu recherchieren, woher seine Familie kommt und sei auf den Ort gestoßen. „Aber da stand die Mauer“, sagt Billy Junge. Weitergebracht hat ihn erst über 30 Jahre später die Spurensuche von Gisela Laudi (74). Die Hobby-Familienforscherin von der Kieler Förde war bei einer Urlaubsreise Mitte der 90er-Jahre zufällig auf einen Wegweiser nach Oderberg gestoßen. Der Name der Stadt war ihr bereits im Manuskript zur Goldenen Hochzeit ihrer Ur-Urgroßmutter begegnet – einer Nichte von Justina Tubbe.

Gisela Laudi besuchte Oderberg damals spontan und wurde im Kirchenbüro fündig. Zwei Jahre zuvor war dort ein Brief des inzwischen verstorbenen John Tubbe, dem Urenkel des Auswanderersohnes August beziehungsweise Justina Ur-Urenkel, eingegangen. Seine erste Reaktion, als Gisela Laudi ihn anrief: „Familie in Deutschland – das ist das, was ich mein ganzes Leben erhofft habe!“ Gemeinsam mit Tubbes Frau Sarah, die auf texanischer Seite recherchierte, fand Gisela Laudi so viel über Justina Tubbe heraus, dass sie im Jahr 2000 ein Buch über die mutige Oderbergerin veröffentlichte. Justinas Lebensgeschichte war auch jahrelang Gegenstand der Ausstellung im Auswanderermuseum in Bremerhaven.

In dem Buch geht es auch um das Leben im Oderberg des 19. Jahrhunderts. Justina Tubbe, in Bad Freienwalde geboren, war hier aufgewachsen, heiratete in eine Weberdynastie hinein und lebte in der Angermünder Straße. Die Oderflut 1854, der Tod ihres Mannes, existentielle Nöte, die die Industrialisierung für die Garnweber mit sich brachte – es gab viele Gründe, der Not des Oderbruchs zu entfliehen. Als 60-Jährige stellte sie auf dem Oderberger Amt das Auswanderergesuch.

Im Bugsalon des Oderberger Museumsschiffes „Riesa“ hält Gisela Laudi am Dienstag, 19 Uhr, einen Bildervortrag über ihren historischen Roman „Justina Tubbe – Der weite Weg einer Brandenburgerin aus dem Oderbruch nach Texas“. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für das Museum wird gebeten. Anmeldungen willkommen unter Tel. 033369 539321

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG