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Bauernverband
Absicherung für Landwirte – „Politik ist gefordert“

Wolfgang Scherfke, Haupgeschäftsführer des Landesbauernverbandes
Wolfgang Scherfke, Haupgeschäftsführer des Landesbauernverbandes © Foto: Verband
Christopher Braemer / 24.09.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 24.09.2018, 13:38
Potsdam (MOZ) Nach den Dürreschäden dieses Jahres kommt mit der Afrikanischen Schweinepest die nächste Bedrohung auf Brandenburgs Landwirte zu. Christopher Braemer sprach dazu mit Wolfgang Scherfke, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes.

Herr Scherfke, nach der Dürre hat das Agrarministerium den Bauern Futterhilfen versprochen. Ist ihnen damit geholfen?

Wir begrüßen diesen ersten Schritt. Allerdings ist er durch die Begrenzung auf 15 000 Euro insbesondere für die tierhaltenden Betriebe nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Warum?

Es war nach 2003 die zweitschlechteste Ernte seit 30 Jahren. Die Ertragsschäden liegen unseren Schätzungen nach bei bis zu 400 Millionen Euro allein in Brandenburg.

Dämpfen denn die 340 Millionen Nothilfe von Bund und Ländern den Schaden?

Wir hoffen, dass die zugesagten finanziellen Hilfen bei den Betrieben auch ankommen und die größte Not lindern. Aber: Allein in Niedersachsen betragen die Schäden knapp eine Milliarde. Da dürfte die Summe nicht mal ansatzweise die bei den bundesweit entstandenen Schäden für die Bauern decken. Das erwarten wir aber auch gar nicht, sondern sind dankbar für jede Hilfe.

Womit müssen Bauern und Betriebe nun rechnen?

Im schlimmsten Fall mit dem Verlust ihrer Existenz. Aber Bauern sind immer in der Lage, den Gürtel etwas enger zu schnallen. Wir fordern von der Politik, jetzt Rahmenbedingungen für die Zukunft zu setzen. Zum Beispiel mit einer steuerfreien Risikorücklage oder der Reduzierung der Steuer auf eine Dürreversicherung. Die Bauern wollen im Ernstfall nicht immer die Bittsteller sein.

Nach Polen und Tschechien ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch in Belgien angekommen. Wann wird sie Brandenburg erreichen?

Das kann morgen sein, aber auch erst in fünf Jahren. Wir sind in höchster Alarmbereitschaft. Das heißt, wir tun alles, um der Bedrohung vorzubeugen, sie beschäftigt uns nicht erst seit Belgien, sondern seit Jahren. Auch wenn uns die neue Situation beunruhigt: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Inwiefern?

Die Tierhalter sind alarmiert, das Landesveterinäramt hat die Fälle in direktem Kontakt mit den baltischen Staaten, Polen und insbesondere Tschechien ausgewertet und das Vorgehen im Kampf gegen die Seuche besprochen – und einen sehr detaillierten Tierseuchenplan erarbeitet. Es wurden Übungen mit den kreislichen und überkreislichen Behörden und auch mit Berlin durchgeführt. Natürlich kann man immer noch etwas verbessern.

Was konkret?

Es muss weiter höchste Alarmbereitschaft in allen Bereichen gelten. Wir dürfen nicht aufhören, die Lkw-Fahrer und sämtliche Reisende zu höchster Vorsicht anzuhalten. Jäger und auch Privatpersonen sind auch dazu aufgerufen, Funde von Schwarzwild sofort zu melden, um sofort reagieren zu können.

Bauernpräsident Joachim Rukwied warnte vor katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen für die Landwirte in Deutschland. Stimmen Sie zu?

Da die Schweinehalter landes- und bundesweit bereits stark unter Druck stehen, könnte sie die Tierseuche umso härter treffen. Es bleibt abzuwarten, wie Deutschlands Handelspartner im Fall der Fälle reagieren, es kann gut sein, dass die Betriebe ihre Tiere auf dem internationalen Markt nicht mehr loswerden. Der Schweinemarkt könnte komplett zusammenbrechen, was Insolvenzen nach sich zieht.

Ein Jahr nach dem Ausbruch in Estland waren von zuvor 900 Schweinehaltern nur noch 140 übrig. Gibt es eine Absicherung für die Tierhalter hierzulande?

Es gibt die Ertragsschadenversicherung, jedoch keinen Fond, der die betroffenen Betriebe absichert. Deshalb sind Modelle in Form einer Risikorücklage umso wichtiger – das ist wie bei den von Dürre betroffenen Betrieben. Deswegen ist es umso wichtiger, sie vor der Seuche zu schützen.

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