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Bücherzelle
„Es wird doch noch gelesen!“

Bärbel Kraemer / 02.10.2018, 11:30 Uhr
Jeserig/Fläming In Jeserig/Fläming steht wieder eine Telefonzelle. Jedoch nicht zum telefonieren. Als „TeleBib“ ist dieselbe eingeweiht worden. Das 200 Seelendorf hat mit der Indienststellung ein weiteres Plus an Lebensqualität gewonnen.

Aber der Reihe nach: Im Juli 2017 unterbreitete Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf (Die Linke) den Dörfern der Großgemeinde das Angebot, ausgemusterte Telefonzellen der Deutschen Telekom anzuschaffen. In den Zellen hätten die Orten kleine, kostenlos nutzbare Bücherei einrichten können. Die Anschaffungskosten erklärte die Gemeinde zu übernehmen, ebenso den Bau der Fundamente. Mit ausgemusterter Literatur aus der Wiesenburger Gemeindebibliothek sollte zugleich der Bücherbestand in den Mini-Bibliotheken der Dörfer unterstützt werden.

Als Gegenleistung hätten die Gemeinden lediglich eine Person benennen müssen, die für die kleinen Bibliotheken verantwortlich zeichnen und ein Auge auf sie haben. Doch lediglich in Reetz und Jeserig machte man von diesem durchaus attraktiven Angebot Gebrauch. In Jeserig sagte bereits im vergangenen Jahr Dr. Regine Schönenberg zu. In Roland Haag und Dirk Albrecht fand sie weitere Unterstützer, so dass das Projekt Mitnehm-Bibliothek von einem aktiven Trio verwirklicht wurde.

Zur Eröffnung der „TeleBib“ auf dem neuen Spielplatz des Dorfes standen bereits knapp 200 Bücher in den Regalen. Kinderbücher, Fantasyromane, Biografien, Sachbücher und Krimis. Die großen, kleinen, dicken und dünnen Bücher stammen zu 80 Prozent aus dem Bücherregalen der Einwohner. In den vergangenen Wochen hatte Dr. Regine Schöneberg täglich einen Korb vor ihrer Haustür zu stehen, in denen ausgemusterte Bücher abgelegt werden konnten. Doch damit nicht genug. Im Verlauf des Nachmittages kamen weitere Einwohner mit Bücherspenden. „Ich sehe schon, es wird keinen Mangel an Büchern geben“, freute sich Schönenberg.

Auch an Leselustigen gab es keinen Mangel. Immer wieder stöberten Kinder und Erwachsene in dem thematisch geordneten Buchbestand der „TeleBib“. „Es ist anders als man denkt. Es wird doch noch gelesen“, so Dr. Regine Schönenberg zufrieden. Immer wieder erfuhr die Verwirklichung der Mitnehm-Bibliothek lobende Worte. Auch die Umgestaltung der Zellenhülle erntete viel Anerkennung. Roland Haag zeichnete dafür in Eigenregie verantwortlich.

Innerhalb von drei Wochen machte er aus der ursprünglich magenta-grauen Telefonzelle eine Bücherzelle mit Wiedererkennungswert. An den Scheiben und dem Gerüst wachsen nunmehr Birken mit Bücher tragendem Laub. Und noch etwas macht die Jeseriger „TeleBib“ besonders. Die kleine Leihbücherei hat elektrisches Licht. Geht im Ort die Straßenbeleuchtung an, wird es auch in der „TeleBib“ hell. Die Buchausleihe ist damit an keine Stunde gebunden.

Dr. Regine Schönenberg hofft, dass die Bibliothek auch künftig großes Interesse erfährt und bittet die Nutzer: Wer Bücherspenden abgibt, möge diese in die Bücherspendenkiste in der Zelle ablegen. In regelmäßigen Abständen wird die neue Literatur dann in den Bestand einsortiert.

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