Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Forstleute kritisieren geplanten Personalabbau bei Forstverwaltung / Konzept für die Zukunft fehlt

Personalabbau
Kritik an Forstreform bleibt

Nach oben ist noch Luft: Die Forstreform sieht weiterhin einen massiven Stellenabbau bei der Forstverwaltung vor. Wer sich mit welcher Intensität künftig um die Wälder der Schorfheide, wie etwa um diese Buchen in Altenhof, kümmern wird, ist noch offen. Einige Aufgaben müssen abgegeben werden.
Nach oben ist noch Luft: Die Forstreform sieht weiterhin einen massiven Stellenabbau bei der Forstverwaltung vor. Wer sich mit welcher Intensität künftig um die Wälder der Schorfheide, wie etwa um diese Buchen in Altenhof, kümmern wird, ist noch offen. Einige Aufgaben müssen abgegeben werden. © Foto: Thomas Burckhardt
Susan Hasse / 06.10.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 06.10.2018, 12:41
Schorfheide (MOZ) Die Forstbeamten der Schorfheide kritisieren weiterhin die Pläne zur Reform der Forstverwaltung. Die Zugeständnisse der rot-roten Landesregierung reichen nicht aus. Es gibt schlicht kein Konzept für die Verwaltung der heimischen Wälder, so die Kritik des Bund Deutscher Forstleute.

„Die Stimmung ist schlechter als je zuvor“, so ein Forstbeamter der Oberförsterei Eberswalde. Zwar habe die Landesregierung vor wenigen Wochen die umstrittene Forstreform noch rechtzeitig gestoppt, doch ein Konzept wie es nun weitergehen soll, gebe es nicht. Der Unmut ist entsprechend groß.

Die rot-rote Landesregierung plante ursprünglich den Abbau von über 500 Stellen in der Forstverwaltung und wollte zugleich die Verwaltung komplett zerschlagen und in die Bereiche hoheitliche Aufgaben und  Forstbetrieb unterteilen. Die Forstbeamten hielten dagegen, dass schon jetzt kaum alle Aufgaben bewältigt werden könnten und die Einheitsforstverwaltung sich bewährt habe. Die düsteren Konsequenzen wären, dass künftig Müllsammeln und das Erfassen des Waldzustandes kaum noch möglich wären, auch waldpäda-gogische Aufgaben entfielen. Schon jetzt fehle Personal für die Waldbrandüberwachung.

Die verheerenden Brände in diesem Jahr führten schließlich auch dazu, dass die Landesregierung die Reform stoppte und nur noch Teile davon bis zur Neuwahl durchboxen will. „Was dennoch bleibt, ist der massive Stellenabbau“, so Martin Krüger, Gewerkschafter des Landesverbands Brandenburg-Berlin beim Bund Deutscher Forstleute. Noch immer sollen 450 der rund 1600 Stellen landesweit abgebaut werden. Die Behauptung 120 Stellen neu zu schaffen, sei eine Fehlmeldung, die den massiven Abbau kaschieren soll. Der Saldo bleibt tiefrot. Das heißt auch, es werde über Jahre keine Neueinstellungen in der Forst geben. Schon jetzt ist der Altersdurchschnitt 55 Jahren, die Verwaltung gilt als überaltert. Auch der Krankenstand liege mit durchschnittlich zwei Monaten pro Arbeitnehmer weit über dem Durchschnitt, heißt es.

„Man fühlt sich wie in einem Betrieb, der abgewickelt wird“, bringt es Krüger auf den Punkt. Der BDF kritisiert, dass es für die Forstverwaltung kein Konzept für die Zukunft gebe. „Werden die Pläne umgesetzt, hat Brandenburg als eines der waldreichsten Bundesländer die personell am schlechtesten ausgestattete Verwaltung“, so Uwe Engelmann, Chef des Brandenburger BDF. Rund 0,8 Waldarbeiter je 1000 Hektar Wald seien vorgesehen. Für den Barnim wären somit drei Waldarbeiter zuständig, allein in der riesigen Schorfheide bräuchte man tatsächlich das Dreifache, so ein Förster.

An den Waldbränden um Treuenbrietzen hätte man gesehen, wie das System in den vergangenen 28 Jahren heruntergewirtschaftet worden sei. Es gebe kaum noch Waldbrandschutzstreifen und andere vorbeugende Maßnahmen, so Krüger weiter. Krüger fordert einen Stopp des Personalabbaus und ein Konzept für die Zukunft. Die BDF-Mitglieder Krüger und Engelmann gehören zu den wenigen Forstleuten, die öffentlich Kritik an den Plänen der rot-roten Regierung äußern. Viele Beamte machen ihrem Frust und Unmut nur Luft, wenn ihr  Namen nicht in der Zeitung steht.

Im Frühsommer hatte das Ministerium die Forstleute zusammengerufen, um für Reform zu werben. Bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen ging es dem Vernehmen nach lautstark zur Sache. Das Ministerium erinnerte in diesem Zuge allerdings die Beamten erneut an ihre Treuepflicht und an das Verschwiegenheitsgebot. „Das war ein Maulkorb“, meint ein Revierförster lakonisch. Doch der wirkt. Die meisten Forstleute halten sich mit öffentlicher Kritik zurück.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG