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Wenn Kochlöffel, Zimmermannsnagel und Holzscheit erzählen

Ausstellung
Vor Schreck gleich in den Suppentopf gefallen

Reizvolle neue Ausstellung: Unter dem Titel „Das Ding spricht!“ haben die Wriezener Schüler den Alltagsgegenständen mit Geschichten Leben eingehaucht.
Reizvolle neue Ausstellung: Unter dem Titel „Das Ding spricht!“ haben die Wriezener Schüler den Alltagsgegenständen mit Geschichten Leben eingehaucht. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 09.10.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 08.10.2018, 20:23
Altranft Das Schloss Altranft ist bereits überaus reich mit verschiedenartigen Ausstellungsthemen bestückt. Jetzt ist eine interessante Ergänzung hinzugekommen. Denn in der früheren Küche, in einigen Elemente am Rande noch immer als solche erkennbar, hat die neue Exposition „Das Ding spricht!“ Quartier bezogen. Es handelt sich um die Ergebnisse von Schülerarbeiten im Rahmen des übergreifenden Projektes Heim(at)arbeit. Neuntklässler des Evangelischen Johannitergymnasiums Wriezen haben von Menschen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen und Zusammenhängen Alltagsgegenstände gesammelt. Zu den Stücken, die es aus dem noch umfangreicheren Fundus an Spenden bis in die finale Ausstellung geschafft haben, gibt es jeweils eine kleine Geschichte. Die Jugendlichen haben Schlüssel, Zimmermannsnagel, alter Bibel, Holzscheit, Kochlöffel und anderen gewissermaßen Leben eingehaucht, wie Anne Hartmann vom Bildungsteam im Museum und Kuratorin Pia Bruer erklären.

„Ich sehe sie schon anfangen, die Maschinen mit ihren großen, gezackten Sägeblättern“, klingt da aus dem alten Radio sozusagen die Stimme des Holzscheits. „Dann verbrennen sie mich, erfreuen sich an meiner Wärme und meinem Leiden. Sie machen sogar Lieder über mich – könnt ihr euch das vorstellen?“ Auch der Zimmermannsnagel hat in ähnlicher Weise einiges zu erzählen. „Früher war ich übrigens mal ein Kiefernbaum“, und immer, wenn der Zimmermann in seine Werkstatt komme, sei bei ihm die Erwartung da, jetzt wieder von seinem besten Freund und zugleich Gegner, dem Hammer, wieder etwas auf den Kopf zu bekommen.

Anrührend sind diese persönlichen Vorstellungen der Gegenstände, die Erlebnisse, die ihnen die Schüler zugeschrieben haben. Vielleicht besonders schön ist das beim Kochlöffel gelungen, den Bernd Bolze aus der Wilhelmsauer Gastwirtschaft „So oder So“ beigesteuert hat. „Ich freue mich immer über das gute Essen, in das ich eingetunkt werde“, und am liebsten ist es ihm, wenn die junge Köchin mit ihren weichen Händen ihn als Hilfsmittel in Anspruch nimmt. Die hat aber auch einen älteren Kollegen, dessen Hände wiederum ganz rau sind. „Seinetwegen bin ich neulich vor Schreck in den Topf mit der Suppe gefallen.“

Ganz gebannt saß zur Ausstellungseröffnung am Sonntag auch Levi (5), der kleine Sohn der Kuratorin, neben dem Radio und lauschte diesen Szenen. Ob junges oder älteres Publikum, das besondere Ausstellungskonzept zieht alle gleichermaßen in ihren Bann, obgleich die Assoziationen zu Exponaten und Geschichten unterschiedlich sein mögen. Von Pfarrer Frank Schneider aus Letschin stammt die Bibel, von MOZ-Redakteurin Nadja Voigt die Speicherkarte, von Tierarzt Ulf-Michael Stumpe aus Neulewin das Desinfektionstuch. Eine vielgestaltige Sammlung, die den Blick auf ganz Alltägliches lenkt. Das Papier aus der Kita hat Angst, zerrissen oder zerknüllt zu werden, und den Wunsch: „Malt mich schön bunt an.“

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