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Porträt
Neues Leben eingehaucht

Fühlt sich hier zu Hause: Peter Emshoff vor dem ehemaligen Guts- und Krankenhaus in Kummerow. Heute beherbergt das Haus sechs Landhauswohnungen.
Fühlt sich hier zu Hause: Peter Emshoff vor dem ehemaligen Guts- und Krankenhaus in Kummerow. Heute beherbergt das Haus sechs Landhauswohnungen. © Foto: Jörn Tornow
Larissa Benz / 08.10.2018, 21:45 Uhr
Kummerow (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig.  Die Moz stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Peter Emshoff aus Kummerow, der alte Immobilien umbaut.

Peter Emshoff sitzt am gemütlichen Kamin in seinem Haus in Kummerow und zeigt Fotos. Auf den Aufnahmen sind Gebäude abgebildet, die er in der Region umgebaut hat: Grundstücke mit Höfen, Gutshäusern oder Scheunen in Zeust, Leißnitz und Kummerow. „Da steckt eine ganze Menge Arbeit dahinter“, sagt er. In Leißnitz etwa hat er alte Scheune und Ställe zu Ferienhäusern mit eigenen Bootsanlegestellen umgestaltet. In Zeust hat er zehn Wohnungen geschaffen.

Der gelernte Immobilienkaufmann kommt eigentlich aus der Umgebung von Iserlohn in Nordrhein-Westfalen. Nach der Wende, Anfang der 1990er-Jahre, wollte er sich im Landkreis Oder-Spree seinen zukünftigen Alterswohnsitz aufbauen. „Mir hat es hier aber so gut gefallen, dass ich gleich geblieben bin“, sagt er. Da er damals beruflich ohnehin viel unterwegs war, sei es egal gewesen, ob er vom Flughafen Schönefeld oder Düsseldorf fliege.

Das Jugendstilhaus in Kummerow, in dem er jetzt mit seiner Frau lebt, war zunächst ein Gutshaus, wurde dann laut Emshoff bis in die 1980er-Jahre als Krankenhaus genutzt. „Deswegen musste ich hier etwa 80 Waschbecken entfernen und sehr viele Wände einreißen.“ Nochmal würde er sich diese Arbeit nicht „antun“, sagt er und lächelt.

Sechs Wohnungen im Landhausstil hat er in diesem Gebäude eingerichtet, hier leben nun neben Emshoff und seiner Frau mehrere Mietparteien. Anfangs sei bei ihm die Idee aufgekommen, aus dem Gebäude ein Seniorenheim zu machen. Schnell habe sich aber herausgestellt, dass es für diese Zwecke zu klein ist: „Das Gebäude ist zwar sehr hoch, aber nicht wirklich breit.“ Deshalb verwirklichte er schlussendlich den zweiten Plan, die Landhauswohnungen.

Eine Bedingung habe er sich in seinem Immobiliengeschäft selbst gesetzt: „Ich erwerbe keine Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen.“ Und trotzdem sei es ihm wichtig, den ursprünglichen Charakter zu erhalten: Das Gutshaus etwa habe er von außen optisch nicht verändert.

An seine Anfänge in der Region erinnert sich Emshoff noch ganz genau: „Meine Frau und ich mussten im Hotel in Beeskow übernachten, weil der Wohnraum hier so knapp war.“ Heute hingegen sei die Situation genau umgekehrt: Passende Mieter zu finden sei nicht mehr so einfach.

Woran das liegt? Emshoff sieht einen Grund darin auch in dem „schlechten Schienennetz nach Berlin“. Er findet es schade, dass es viele Menschen nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Wohnen in die Städte zieht: „Ich könnte nie in einer Großstadt wohnen“, sagt er. Dazu sei er auch zu naturverbunden.

Der 75-Jährige ist durch seinen Beruf als Immobilienkaufmann viel in der Welt herumgekommen: In Spanien und der Türkei etwa hat er Immobilien  an den Küsten gebaut und in Deutschland verkauft, oft mit einer Marina mit Anlegestellen am Wasser.  Immer wieder hat er sogar kurzfristig in Namibia gelebt: „Dort war ich Safariführer für Touristen“.

Gerade in dem afrikanischen Staat konnte er seine Leidenschaft, die Jagd, ausleben: Dort absolvierte er auch  eine Ausbildung zum Jagdführer. Davon zeugen Trophäen in seinem Haus, wie eine präparierte Giraffe oder Antilopen. „Alles aus kontrollierter Jagd“, betont er. An Afrika fasziniere ihn vor allem die Weite und die freie Natur. Hier in der Region sei er mit einigen Jägern vernetzt: „Das Schöne an der Jagd ist ja der gemeinschaftliche Aspekt und der Erfahrungsaustausch untereinander.“

Durch seine geschäftlichen Reisen fühle er sich mittlerweile an vielen Orten zuhause, erzählt er: „Ich kann überall wohnen, wo man es mir erlaubt, mich in bescheidenen Verhältnissen einzurichten.“ Er fühle sich aber mittlerweile in Kummerow mit seiner Frau sehr wohl. Das Ehepaar lernte sich bei einem Flug nach Spanien vor etwa 40 Jahren kennen: Sie war Stewardess bei der spanischen Airline Iberia.

Emshoff möchte durch seine Taten, etwa das Umbauen von vor dem Verfall bedrohten Gebäuden, etwas bewegen. „Ich wollte mich aber nie in den Vordergrund drängen, etwa in der Politik mitmischen“, betont er.

Neben Grundstücken besitzt er in Zeust auch einen Wald: „Ich habe dort über 20 Hektar Kiefernwald in einen Mischwald umgebaut“. Außerdem stünden dort einige Esskastanien-Bäume. In Zeust ist auch sein eigener land- und forstwirtschaftlicher Betrieb angesiedelt.  Emshoff betreibt dort  ein kleines Sägewerk und verkauft Brennholz. Obwohl er schon in Rente ist, beschäftigt er sich gerne mit all diesen verschiedenen Dingen: „Ich finde nichts schlimmer als Langeweile.“

Sechs Fragen an...

Herr Emshoff, wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst?

Meine Entwicklung wurde vor allem durch Mentoren in meiner Berufsausbildung beeinflusst. Von ihnen habe ich gelernt, immer wissbegierig zu bleiben.

Was würden Sie als Erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?

Ich will kein Bürgermeister sein, weil wir in Friedland einen tollen haben, der sich für die Interessen der Anwohner einsetzt.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?

Eigentlich wünsche ich mir nur, dass mein augenblickliches Leben mit meiner Familie so weiter verläuft.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?

Ja, sehr gerne, aber mit dem Verstand, den ich heute habe. Dann könnte ich noch mehr Dinge bewegen.

Träumen Sie gern?

Ja, ich bin sehr naturverbunden, da ist man automatisch auch ein bisschen träumerisch und romantisch veranlagt.

Was hält Sie hier? Würden Sie auch woanders hinziehen?

Ich fühle mich eigentlich überall zuhause. Hier hält mich aber mein Umfeld.

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