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Auf dem Land fehlt es oft an Kommunikation / Altkünkendorf organisiert aus eigener Erfahrung neue Dialog-Reihe

Demokratie
Rettung des Dorflebens

Altkünkendorf aus der Vogelperspektive: Beschauliche Landidylle. Doch man kann sich auch streiten. Diese Erfahrung haben etliche Einwohner gemacht. Jetzt startet der Kultur- und Heimatverein eine neue Veranstaltungsreihe mit kompetenten Referenten.
Altkünkendorf aus der Vogelperspektive: Beschauliche Landidylle. Doch man kann sich auch streiten. Diese Erfahrung haben etliche Einwohner gemacht. Jetzt startet der Kultur- und Heimatverein eine neue Veranstaltungsreihe mit kompetenten Referenten. © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 10.10.2018, 06:30 Uhr
Altkünkendorf (MOZ) Windkraft, Hundegebell, Hofzäune – auf dem Dorf kann aus einer kleinen Sache schnell ein großer Streit werden. Das bringen die Besonderheiten des nicht anonymen Landlebens mit sich. Genau damit befasst sich eine neue Dialog-Reihe des Altkünkendorfer Kultur- und Heimatvereins.

Manchmal muss erst etwas schieflaufen, bevor lange währende Fehler sichtbar werden oder explodieren. Diese bittere Erfahrung machte Altkünkendorf in jüngster Vergangenheit, wo der plötzlich über das Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin hereinbrechende Tourismus einen Riesen-Zwist verursachte. Die einen wollten ihre Ruhe haben, die anderen wollten Leben in den beschaulichen Ort bringen. Die Unstimmigkeiten gingen schnell ins Persönliche. Emotionen kochten hoch.

Inzwischen sollen die Wogen wieder geglättet sein. Die Leute reden auf der Straße miteinander. „Auf dem Lande muss häufig die Kommunikation verbessert werden“, sagt Roland Wüst, Chef des Altkünkendorfer Kultur- und Heimatvereins. „Man bemerkt immer wieder Konfliktpotenzial. Und die Leute fühlen sich auch ungerecht behandelt.“ Schon keimt ein Streit im Verborgenen.

Ausgehend von eigenen Erfahrungen und von den Auswirkungen einer unzureichenden Kommunikation innerhalb der Dorfgemeinschaft hat der Verein jetzt einen über den Ort hinausgehenden Uckermark-Dialog unter dem Titel „Demokratie leben“ gestartet. Es geht um aktuelle politische, regionale und nationale Fragen. Normalerweise ziehen große Stiftungen, die meistens einer Partei nahe stehen, mit solchen politischen Runden übers Land. Doch Altkünkendorf hat die Sache von unten aufgegriffen und sich an das Mobile Beratungsteam Brandenburg gewandt. Dessen Vertreter, die schon im Dorfkonflikt schlichten sollten, gaben den entscheidenden Tipp, sich wegen einer Förderung an das Bundesfamilienministerium zu wenden. Denn fachliche Begleitung kann teuer sein. Im Oktober und November soll es nun in Angermünde und Altkünkendorf vier Veranstaltungen mit Wissenschaftlern und Referenten geben, die sich der Demokratie und dem allgemeinen Landleben widmen.

Es geht aber vor allem um den breiteren Meinungsaustausch. „Wir wollen damit einen Prozess in Gang setzen“, sagt Roland Wüst. „Denn andere Dörfer stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wir wollen gemeinsam Heimat bewahren und gestalten und das Verständnis von Gemeinschaft wecken, anstatt sich das Leben gegenseitig schwer zu machen.“

Und so trägt die Auftakt-Runde am 12. Oktober den bezeichnenden Titel „Rettet das Dorf“ mit dem Referenten Gerhard Henkel. Er gilt aufgrund seiner Forschungen und Veröffentlichungen als der „Dorfpapst“ Deutschlands.

Die Veranstaltungen richten sich an ein großes Publikum. Daher unterstützt auch die Stadt Angermünde den Prozess. „Wir wenden uns an die umliegende Bevölkerung, an alle Menschen vom Lande, die ähnliche Probleme sehen und darüber reden wollen“, erklärt Roland Wüst.

Die geplanten Veranstaltungen, die abwechselnd in Altkünkendorf und in Angermünde stattfinden, werden vom Landkreis Uckermark im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert und von der Stadt Angermünde unterstützt.

Demokratie leben

■ Rettet das Dorf: 12. Oktober, 19 Uhr, Dorfkirche Altkünkendorf, Gerhard Henkel. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit der historischen und aktuellen Entwicklung des ländlichen Raums, hat dazu mehr als 300 Publikationen vorgelegt und über 500 Vorträge gehalten.

■Demokratie ein Geschenk?: 9. November, 19 Uhr, Rathaussaal Angermünde, Michael Kohlstruck von der TU Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung. Der Politikwissenschaftler befasst sich mit dem Rechtsextremismus, mit politischer Kultur und mit Geschichtspolitik.

■ Politik, Verwaltung, Bürgerschaft –  Miteinander - Gegeneinander: 16. November, 19 Uhr, Ratssaal Angermünde, Torsten Bartel. Er war Beamter in der Kommunalverwaltung, Dozent an einem Studieninstitut, Richter am Verwaltungsgericht Köln und arbeitet jetzt als Rechtsanwalt.

■ Lügen in Zeiten Putins und Trumps Populismus: 23. November, 19 Uhr, Schullandheim Altkünkendorf, Helmut König. Er war von 1994 bis 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Politische Theorie und Ideengeschichte am Institut für politische Wissenschaft in Aachen.

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