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Abwasseranschluss für Häuser am Werbellinkanal könnte teuer werden / Über 30 Hausbesitzer betroffen

Anschlussgebühren
Eichhorster fürchten hohe Kosten

Eichhorster Idyll: Die Anwohner am Werbellinkanal fürchten horrende Kosten durch den Anschluss ihrer Häuser an das zentrale Abwassernetz.
Eichhorster Idyll: Die Anwohner am Werbellinkanal fürchten horrende Kosten durch den Anschluss ihrer Häuser an das zentrale Abwassernetz. © Foto: Thomas Burckhardt
Susan Hasse / 10.10.2018, 12:30 Uhr
Eichhorst (MOZ) Der Anschluss der Straße am Werbellinkanal in Eichhorst an das öffentliche Abwassernetz könnte für die rund 30 Anwohner teuer werden. Jedes Haus könnte gezwungen sein, ein eigenes Hebewerk zu kaufen. Bei den Anwohnern regt sich daher Kritik.

Bereits seit Jahren ist die Rede davon, dass auch die rund 30 Häuser Am Werbellinkanal in Eichhorst an das Abwassernetz angeschlossen werden sollen. Bislang sind die Häuser entweder mit Sammelgruben, die regelmäßig abgepumpt werden, oder mit Bio-Kläranlagen, die das Wasser vor Ort reinigen, ausgestattet.

Aus technischen Gründen ist beim Anschluss der rund 30 Häuser allerdings ein Hebewerk notwendig. Natürliches Gefälle, was sonst für den Transport zum Klärwerk genutzt wird, fehlt. Geht es nach den bisherigen Plänen des für die Ausführung zuständigen Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasser-entsorgung (ZWA) müsste jedes Haus ein eigenes Hebewerk anschaffen und für dessen Wartung sorgen. Diese kleinen Pumpstationen zerkleinern das Abwasser, um es dann in das öffentliche Netz zu pumpen. Pumpen dieser Art, etwa von der Firma Kessel, kosten mindestens 2000 Euro. Inklusive Einbau landet man schnell bei 5000 bis 6000 Euro, rechnet ein Anwohner vor. Dazu kämen die originären ZWA-Anschlusskosten, die ebenfalls vierstellig sein dürften.

Die Anwohner, die größtenteils im Rentenalter sind, befürchten immense Kosten. Familie Wermuth, eine der rund 32 betroffenen Anwohner, begrüßt die Pläne zwar grundsätzlich, fürchtet aber zu hohe Kosten. „Wir sind zu alt, um einen Kredit aufzunehmen“, so Elke Wermuth. So wie den Wermuths geht es vielen in der Straße. Mehr als Zweidrittel der Anlieger seien Senioren, weiß  eine andere Anwohnerin. Auch Heidrun Witt will sich im Alter nicht mehr verschulden. „Wenn ich nicht gezwungen werde, verzichte ich auf den Anschluss“, so die Eichhorsterin. Hubertus Albrecht, der zwar zu  den deutlich jüngeren Anwohnern gehört, sieht die Pläne ebenfalls kritisch. Er hat erst kürzlich viel Geld in eine Bio-Kläranlage investiert.

Geht es nach den Plänen des ZWA könnte die Maßnahme bereits im kommenden  Jahr angegangen werden. Nach Informationen der MOZ ist das Projekt im Planungsentwurf für 2019 vorgesehen. Diesem Plan erteilt die Hauptversammlung der ZWA, die im November tagt und in der auch die Gemeinde Schorfheide Stimmrecht hat, ihren Segen.

Der ZWA schließt im Rahmen des Abwasserbeseitigungskonzepts immer mehr Haushalte an das Abwassernetz. Das sei die Aufgabe des Verbandes. Allerdings sei im Falle Eichhorsts noch nicht entschieden, wie der Anschluss am Ende umgesetzt wird, so Volker Pagel, technischer Leiter beim Zweckverband. Der ZWA arbeite immer eng mit den Kommunen zusammen.

Zwar wurde zuletzt mit der Variante der dezentralen Hebewerke kalkuliert, doch entschieden sei noch nichts, so Pagel. Frühzeitig, auch auf diese Frage Einfluss nehmen möchte auch der Ortsbeirat in Eichhorst.  So wurde in der vergangenen Sitzung der Ortsvertretung nach Anfrage eines Einwohners diskutiert, wann eine Einwohnerversammlung vonnöten ist. Dem Ortsbeirat ist dabei wichtig, dass die Anwohner ein Mitbestimmungsrecht haben und die Kosten im Vorfeld bekannt sind.

Technisch ist grundsätzlich nämlich auch eine andere, für die Anwohner deutlich günstigere Lösung denkbar: Der ZWA könnte auch ein zentrales Hebewerk bauen, das das Abwasser mehrerer Häuser zunächst in eine Sammelgrube führt, um es dann in das öffentliche Netz zu pumpen. Dieses zentrale Hebewerk würde dann allerdings dem ZWA gehören. Der Verband, und nicht wie im anderen Fall die Anwohner, müsste für die Wartung zahlen. Derartige vom ZWA betriebene Hebewerke gibt es etwa in Lichterfelde am Schlossgut und in Joachimsthal im Wiesenweg und in der Glambecker Straße.

„Wann wir den Werbellinkanal an das Netz anschließen, hängt von mehreren Faktoren ab“, meint Pagel vom ZWA. So würde es Sinn machen, das Projekt mit der generellen Straßensanierung zu verknüpfen. Das sieht auch Bauamtsleiter Bert Siegel so. Ob die Sanierung der Straße am Werbellinkanal im Haushaltsplan der Gemeinde Schorfheide Platz findet, ist derzeit offen. Die Verwaltung hat den Entwurf für 2019/20 noch nicht vorgelegt. Klar ist schon jetzt, der Spielraum der Gemeinde wird geringer durch gestiegene Baupreise.

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