Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wassertourismus
Startschuss für Ausbau des Ruppiner Kanals

Marco Winkler / 16.10.2018, 16:23 Uhr - Aktualisiert 18.10.2018, 15:39
Hohenbruch (MOZ) Spätestens mit der Wiedereröffnung der Schleuse Friedenthal in Oranienburg müssen Wassertouristen Oranienburg nicht mehr umschiffen. Zu dem Zeitpunkt ist auch der Weg zum Ruppiner See über den Ruppiner Kanal geebnet.

Der Startschuss für den Ausbau der Landeswasserstraße fiel am Montagmorgen in Kremmen, genauer gesagt neben der Brücke Behrensbrück an der L 172 zwischen Germendorf und Hohenbruch. 2,1 Millionen Euro investiert das Land mit EU-Geldern in die Sanierung des Abschnitts zwischen Oranienburg und Hohenbruch, der wegen jahrelanger Versäumnisse für die Schifffahrt kaum mehr zugänglich ist.

Fehlende Uferbefestigungen zogen eine Verlandung des Gewässers nach sich, sodass größere Schiffe wegen der geringen Tiefe nicht mehr passieren können. Das Wasser, welches die Landwirtschaft zur Entwässerung von Weideflächen nutzt, fließt nur noch unzureichend. „Nach Jahrzehnten wird nun wieder Hand angelegt, so dass die Vernachlässigungen ein Stück zurückgeführt werden“, drückte sich Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) aus. Um den Ausbau des Wassernetzwerkes im Land voranzubringen, werde er seine „Wasserabteilung“ personell aufstocken.

„Der Ausbau des Kanals soll zwei Jahre dauern“, sagte Olaf Kulle von der Kulle Tief-Wasserbau- und Schiffahrts GmbH aus Eisenhüttenstadt. „Wir versuchen aber, den Zeitrahmen zu unterbieten“, gab er sich selbstsicher. „Unsere Firma blickt auf 25 Jahre Erfahrung zurück.“ Zwei Kilometer werden ausgebaut. „Da wir an beiden Ufern arbeiten, sind das für uns vier Kilometer Baufeld“, so Kulle.

Landrat Ludger Weskamp (SPD) sprach von einer künftig „hohen Attraktivität“. Er bezog sich auf den Schiffsverkehr und den Wassertourismus. 25 Meter lange Schiffe beziehungsweise solche, die einen Tiefgang von etwas mehr als einem Meter benötigen, werden den Kanal wieder nutzen können. Für Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) ist der Ausbau des Kanals ein wichtiger Startschuss für den Wassertourismus. Er plant, ähnlich wie die Nachbargemeinde Fehrbellin, mit der er eng zusammen arbeite, eigene Leihstationen für Kanus.

Nicht zu vernachlässigen ist mit Blick auf den Wassertourismus die Wiedereröffnung der Schleuse Friedenthal in Oranienburg. Im Dezember 2017 unterzeichneten der ehemalige Bürgermeister Oranienburgs, Hans-Joachim Laesicke, und Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, eine Absichtserklärung für den Neubau. Geplant ist, die automatische Schleuse mit Bootsschleppe und Radwegbrücke 2021 zu eröffnen. Damit wäre der Ruppiner Kanal wieder mit der Oranienburger Havel verbunden. „Bisher gab es eine Lücke“, so Oranienburgs Baudezernent Frank Oltersdorf. „Der Bootsverkehr wurde an der Stadt vorbei über Pinnow und den Oder-Havel-Kanal geleitet.“ Mit dem Anschluss an den Ruppiner Kanal und damit ans Ruppiner Seenland werde eine attraktive Verbindung geschaffen.

1960 wurde die Schleuse in Friedenthal zugeschüttet. Die Wasserstraße verlor an Bedeutung, während der Wassertourismus in den kommenden Jahrzehnten boomte. Eine Entwicklung, die bis heute anhält. Der Ausbau des Ruppiner Kanals sollte deshalb laut Bürgermeister Busse nur ein Anfang sein.

Historisches Gewässer

■ Landrat Ludger Weskamp (SPD) bezeichnete den Sanierungsstart eines Teilabschnitts des Ruppiner Kanals als „historisch wichtige Entscheidung“. Für ihn sei der Kanal ein Kulturgut, das damit wieder an Wert gewinne. Die Wasserstraße zwischen Ruppiner Kanal und Havel in Oranienburg ist einer der ältesten in Brandenburg.

■ Der Abschnitt zwischen Hohenbruch und der Oranienburger Havel wurde bereits im 17. Jahrhundert für Flößer und die Entwässerung von Gräben angelegt. Ende des 18. Jahrhundert wurde der Kanal in westliche Richtung zum Kremmener See und schließlich zum Ruppiner See weiter ausgebaut. Die Fertigstellung des Kanals erfolgte 1790. Vor allem wurde Torf auf dem Rhinluch nach Berlin geschifft.⇥(win)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG