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Trockenheit
Rinderhalter in Not

Futtermangel: Die monatelange Trockenheit hat dazu geführt, dass die Rinder auf den Weiden nicht mehr genug Futter finden, sie müssen mit dem Winterfutter zugefüttert werden.
Futtermangel: Die monatelange Trockenheit hat dazu geführt, dass die Rinder auf den Weiden nicht mehr genug Futter finden, sie müssen mit dem Winterfutter zugefüttert werden. © Foto: dpa
Andrea Budich / 16.10.2018, 19:23 Uhr
Frauendorf (Lausitzer Rundschau) Die monatelange Trockenheit hat den Acker bei Kroppen im Süden Brandenburgs zu einer Steppe verwandelt. Die Folgen sind weitreichend: Frauendorfs Landwirte bekommen ihre Rinder nicht mehr satt und müssen bereits jetzt mit Winterfutter zufüttern. Das hat zur Folge, dass die Reserven schon viel früher als vorgesehen angegriffen werden müssen.

Vor allem die Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz hat es hart getroffen. Wiesen und Weiden sind bis auf den letzten Halm verdorrt. Es fehlen Gras, Heu und Stroh, um die 500 Mutterkühe über den Winter zu bringen. Bereits seit einigen Wochen muss Landwirt Andreas Pruntsch seine Tiere zufüttern. „Das sind wenigstens drei Monate früher als geplant“, erklärt er. In der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz ist er für die Weidewirtschaft verantwortlich.

Seine Rinder stehen gemütlich mampfend auf einer Weide bei Kroppen (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) und lassen sich ihr Futter schmecken. Den Uckermärkern, Charolais Rindern und Blonden Aquitainern scheint gar nicht aufzufallen, dass sie nicht wie sonst im Herbst üblich, die Weide abgrasen. Normalerweise würde die Herde jetzt frisches, grünes, saftiges Gras fressen. Nach der extremen Sommer-Trockenheit mit Endlos-Dürrewochen sind die Wiesen und Weiden aber bis auf den letzten Halm verdorrt. „Da wächst in diesem Jahr nichts mehr“, stellt Genossenschaftschef Walter Beckmann fest. Er spricht von einem Totalausfall beim Gras. Lediglich im Mai habe es einen Grünschnitt gegeben. Danach ist wegen der anhaltenden Dürre nichts mehr gewachsen. Normalerweise wird im Sommer drei Mal geschnitten. In guten Jahren können es auch schon mal fünf Schnitte sein.

Unterm Strich hat die extreme Trockenheit die Agrargenossenschaft hart getroffen. 30 Prozent Verluste beim Getreide, 40 Prozent minus bei den Kartoffeln. Der Ausfall beim Betriebsergebnis summiert sich so auf eine gute halbe Million Euro.

Die graubraunen Weiden, die eher Steppen ähneln, sind ein sichtbares Zeichen dafür. Frauendorfs Rinderhalter müssen deshalb täglich zufüttern. Mit dem Futterladewagen steuert Andreas Pruntsch den Acker, wo die Mutterkühe stehen, an. Zwei Tonnen Winterfutter aus der eisernen Reserve bringt er bereits jetzt im Herbst raus.

Sonst müssten die Rindviecher hungern. Grassilage, Stroh, Heu und etwas Maissilage wirft er ab, wo normalerweise saftiges Gras wachsen müsste. Um die 500 Mutterkühe über den Winter zu bringen, hat Walter Beckmann so etwas wie einen Notfall-Plan entwickelt. „Wir müssen alles zusammenkratzen, damit es keine Notschlachtungen geben muss“, erklärt er. Die Tiere will er unbedingt durchbringen. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass im Frühjahr aller Voraussicht nach sämtliche Reserven der Vorjahre auf Null gefahren sind. Als eine erste Maßnahme wird jetzt bereits Silo-Mais verfüttert. Normalerweise würden Frauendorfs Bauern den an Biogas-Anlagen verkaufen. In der Not dient er nun den Rindern als Futter.

Täglich schaut Walter Beckmann gespannt auf den Wetterbericht, weil er auf einen späten Winter hofft. Den hat er jedenfalls in seinen Notfall-Plan eingearbeitet. Die Mutterkühe sollen möglichst bis Weihnachten auf den Begrünungsflächen grasen. Von Futternot geplagte Landwirte dürfen auf Beschluss des Bundesrates sogenannte Zwischenfruchtflächen nutzen. In Frauendorf sind das 300 Hektar mit Blühmischungen, zu denen Sonnenrosen, Bienenweide, weißer Senf und Ramtillkraut gehören. „Nach den Bienen kommen jetzt die Rinder“, sagt Beckmann über die unbürokratische Entscheidung der Länder, die den Tierhaltern in Not hilft.

„Wenn dann noch ein zeitiges Frühjahr kommt, könnten wir es schaffen, die Tiere durchzubringen“, gibt sich Beckmann zuversichtlich. Auf den Zugriff auf das Landesprogramm zur Unterstützung beim Futterzukauf will die Agrargenossenschaft indes verzichten.

Die Beihilfe von 15 000 Euro ist für den Landwirtschaftsbetrieb angesichts der eingefahrenen Verluste in Höhe von einer halben Million Euro ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und auch der Zukauf von Futter kommt für die Frauendorfer nicht infrage. „Im Osten hat niemand was zu verkaufen“, erklärt Beckmann die Notlage. Und das Futter von anderswo anzukarren, wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten. Es bleibt also dabei: Das wenige Futter, das da ist, muss gut eingeteilt werden, damit es möglichst bis Weihnachten reicht, bevor die Mutterkühe von der Weide in den Stall kommen.

Dabei helfen die Futter-Reserven aus dem Vorjahr, einem extrem guten Futterjahr, wie Walter Beckmann bestätigt. Einen Dürre-Sommer wie in diesem Jahr hat der erfahrene Landwirt aber schon mehrfach erlebt. „Aber noch nie, dass die Trockenheit bis zum 20. September gereicht hat“, erklärt er das besondere Wetterextrem, das nicht nur Rinderhalter mit aller Wucht getroffen hat.

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