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Blick hinter die Kulissen von Circus William / Traditionsbetrieb wurde 1889 gegründet / Artistik in siebenter Generation

Zirkus
Spagat zwischen Tradition und Moderne

Kuba Kruszakin / 17.10.2018, 07:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wer denkt, der Zirkus sei mit dem Aufstieg des Reality-Fernsehens und sozialer Medien gestorben, irrt. Noch gibt es leidenschaftliche Artisten, die die Kunst erfolgreich am Leben halten und fortentwickeln. Wie ist das Leben als Zirkuskünstler und was treibt sie an? Ein Besuch beim Traditions-Circus William.

Sonntag, 11 Uhr, Heegermühler Straße. Trotz früher Stunde und eher ungünstigen Lage kommen zahlreiche Zuschauer in das Zelt. Nur wenige Sitzplätze bleiben leer. Plötzlich geht das Licht aus. Eine Stimme wie aus dem Nichts erklärt den Gästen, wie sie sich zu benehmen haben. Es folgt eine kurze Stille – dann kommt der Klassiker der Zirkusmusik, Fuciks „Einzug der Gladiatoren“. Unter dessen Begleitung paradieren Clowns, Akrobaten, ihre Kinder und Tiere rund um die Manage. Das Auditorium jubelt lautstark. Es folgt eine abwechslungsreiche und teils einzigartige Show, die Ankommenden alle paar Minuten zum Staunen und Applaudieren bringt.

Schnell wird klar: die Zirkustradition lebt und hält sich trotz des hohen Alters gut. Heutzutage, in der Ära der Talentshows und des YouTube, müsse das Zirkusprogramm attraktiver gestaltet werden, sagt Manuel Wille. Mit Stolz betont Wille, einer der Chefs von dem in 1889 gegründeten Circus William, seine Nachfolger seien die siebte Generation der Artisten. „Zirkus ist eine der ältesten, wenn nicht die älteste Kunst der Welt überhaupt“, fügt er hinzu.

Ein Leben im Zirkus sieht er keinesfalls als anstrengend. Vielmehr hält er dieses für schön und abwechslungsreich. „Jedes Mal sehen wir ein neues Publikum, lernen neue Freunde kennen, machen neue Erfahrungen. Es ist immer anders und das gibt den Sporn“, sagt er. Auch das Programm selbst verändere sich im Laufe der Zeit.

Der Spagat zwischen Tradition und Moderne scheint jedenfalls, gut gemeistert zu werden. Neben traditionellen Elementen wie Clownerie, Illusionskunst und Jonglage entwickelt das Team insbesondere die Akrobatik weiter. Einige, wie Marketa Maleckova, treiben sie auf neue Höhepunkte; zu ihren besonderen Fähigkeiten gehört unter anderem, einen Ball nur mit den Füßen über sechs Stufen nach oben zu befördern.

Der 16-Jährigen aus Tschechien gefällt die Arbeit im Zirkus. „Hier kann ich machen, was ich will und auch immer etwas Neues machen“, erzählt sie lächelnd nach der Show. Für ihre Nummer übte sie fünf Jahre lang: „Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, war ich nervös, da meine Familie zugeschaut hat. Deswegen strengte ich mich umso stärker an – und es hat geklappt.“ Die Eltern, ebenfalls Zirkuskünstler, waren begeistert.

Zu einigen weiteren Highlights zählt die Tierdressur. Eine schwierige, aber auch umstrittene Kunst, die seit einigen Jahren von Tierschutzverbänden sowie einigen Medien unter heftiger Kritik steht. Manolito, ein Mitbesitzer des Zirkus und Bruder von Manuel, erwidert die Vorwürfe: „Wir achten sehr stark darauf, dass es den Tieren gut geht. Was der Staat uns vorgibt, übertreffen wir deutlich.“ Dabei macht er darauf aufmerksam, Zirkusse seien unter diesem Aspekt am strengsten kontrolliert. Der 39-Jährige erwähnt, dass ihm die Arbeit mit Tieren Freude macht.

Zu weiteren Vorteilen seiner Arbeit zählt er die Möglichkeit, mit verschiedenen Völkern zusammenarbeiten zu können sowie der Zusammenhalt. „Selbst bei Schwierigkeiten herrscht bei uns eine starke Harmonie.“

Der 39-Jährige spricht aus langjähriger Erfahrung, seine erste Show liegt bereits 23 Jahre zurück. Damals arbeitete er als Trapezkünstler, inzwischen moderiert er die Veranstaltungen. Seine Arbeit in Eberswalde ist mit dem Wochenende mitnichten fertig – ab Donnerstag geht es noch vier Tage lang hier weiter.

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