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Dorfgeschichte
Grüneberger auf Spurensuche in Slowenien

Tilman Trebs / 25.10.2018, 14:29 Uhr
Grüneberg (MOZ) Seit Monaten ergründen Jugendliche in Grüneberg die Geschichte des dortigen Außenlagers des Konzentrationslagers Ravensbrück. Im Frühjahr haben die Jugendlichen eine Frau in Slowenien ausgemacht, die seinerzeit in Grüneberg inhaftiert war. In der Hauptstadt Ljubljana wollen sie sich nun deren Geschichte anhören.

Heute Abend wollen sich fünf Jugendliche mit Pfarrerin Ruth-Barbara Schlenker auf die Reise machen. „Wir fahren zu Dana Valic. Sie ist 96 Jahre alt, gesund und wach. Sie freut sich sehr auf unseren Besuch“, sagt Tony Sieg vom Jugendgeschichtsprojekt „Dorfgeschichte Grüneberg überLAGERt“, das in diesem Jahr mit dem Franz-Bobzien-Preis in Oranienburg ausgezeichnet wurde. „Nach all dem Leid, das sie erfahren musste, ist es für sie sicher wie ein Trost, dass jetzt junge Menschen mit ihrer Geschichte und der ihrer Leidensgenossinnen beschäftigen.“

Die Delegation hat sich auf den von der „Stiftung Erinnern Verantwortung Zukunft“ sowie einer erheblichen Privatspende finanziell unterstützten Besuch gut vorbereitet. Unter anderem wurde der Lebenslauf von Dana Valic studiert, die als junge Frau in der Widerstandsbewegung gegen die Faschisten aktiv war. In Grüneberg war sie von 1944 bis 1945 inhaftiert und musste Zwangsarbeit in der dortigen Munitionsfabrik leisten. Man freue sich auf spannende Tage in Ljubljana, sagt Tony Sieg. Schließlich seien die Forschungen zu Hause bislang eher theoretischer Natur gewesen.

Die bisherigen Recherchen haben allerdings schon einiges über die Geschichte des Grüneberger Außenlagers zu Tage befördert. Betrieben wurde es von 1943 bis 1945 als Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück. Inhaftiert waren dort rund 1 800 Frauen aus verschiedenen Ländern, die zur Arbeit in der Rüstungsindustrie gezwungen wurden. In der Grüneberger Munitionsfabrik wurden Patronen und Granaten produziert. Gearbeitet wurde in Zwölf-Stunden-Schichten. Beim Hantieren mit Metallspänen und Schwarzpulver waren Unfälle an der Tagesordnung. Die Grüneberger Jugendlichen wollen mit ihrer Initiative erreichen, dass das Schicksal der Frauen nicht in Vergessenheit gerät.

Über ihre Erlebnisse in Slowenien wollen die Jugendlichen am 9. November bei der Gedenkveranstaltung „80 Jahre Pogromnacht“ berichten. Zudem stellen sie eine Smartphone-App vor, in der man viel Wissenswertes über die Grüneberger Geschichte erfahren kann. Dort geht es nicht nur um die Munitionsfabrik und das KZ-Außenlager, sondern auch um den Bahnhof und um das Antikriegsdenkmal.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr mit einer Andacht in der Grüneberger Dorfkirche.

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