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Bahn-Haltestelle
Ein Glas auf den Zusammenhalt

Gabriele Rataj / 27.10.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 29.10.2018, 09:33
Obersdorf (MOZ) Gut 80 Jahre führten zwar Schienen am Ort entlang, die Ostbahn aber fuhr an Obersdorf vorbei. 1948 wurde Obersdorf Bahnhaltestelle. Dass Züge nach inzwischen 70 Jahren noch immer dort halten, da­rauf wollen Bürger und Nutzer am Dienstag gemeinsam spontan anstoßen.

Gläser und ’ne Flasche Sekt einpacken, sich am Bahnhof treffen und anstoßen auf das, was war und ist und in Zukunft sein soll. Miteinander reden, erzählen ... Das ist es, was der Obersdorferin Cornelia Deutschmann von der Initiative zum Erhalt des Bahnhaltepunktes Obersdorf für Dienstagabend vorschwebt. Immerhin gibt es einen Geburtstag zu feiern: Der Bahnhaltepunkt Obersdorf ist am 30. Oktober genau 70 Jahre alt.

Wobei – das Wort Bahnhof scheint ein wenig übertrieben, ein bahnhofsähnliches Gebäude ist am Haltepunkt nicht zu sehen. Dafür aber präsentiert sich der heutige Ein- und Ausstiegsort modern mit einem 2015 völlig neu gestalteten Bahnhofsvorplatz, zehn Parkplätzen, überdachter Fahrrad-Abstellanlage sowie Sitz- und Unterstellmöglichkeit, Grünanlage. Dazu das 2013 vom Landkreis eingeweihte Informations-Leitsystem – ein attraktiver Ortseingang.

Doch bis zu dem Zeitpunkt sind viele Bahnkilometer absolviert worden ... Zwar führten die Schienen der Preußischen oder kurz der Ostbahn jahrzehntelang am Dorfeingang vorbei, doch zum Ein- oder Aussteigen mussten Bahnbenutzer erst nach Müncheberg oder Trebnitz gelangen. Erst „1948 eröffnete die Deutsche Reichsbahn Berlin in Obersdorf einen Haltepunkt mit Blockstelle und Stellwerk“, schreibt Cornelia Deutschmann im Müncheberger Stadtanzeiger. Zum Personenzug, der zwischen Kietz und Strausberg verkehrte, ging es seither vor Ort.

Die Obersdorferin spricht von einem einfachen Bahnsteig und einem separaten Gebäude für die Fahrkartenausgabe, das indes heute längst nicht mehr vorhanden ist. Alte Fotos zeigen auch den Trakt, der Güterverkehr und Umladestation zugeordnet war.

„Laut Überlieferung hielten im Januar 1952 täglich fünf Zugpaare in Obersdorf“, hat Cornelia Deutschmann recherchiert und setzt fort: „Ab 1953 wurde eingespart, ab da gab es auf dem Bahnsteig kein Aufsichtspersonal mehr.“ Dies wurde vom jeweiligen Zugführer übernommen. Auch die Blockstelle sei im Oktober 1966 außer Betrieb genommen worden. Der Bahn-Halt aber blieb.

Bis 2012. Da grassierte in den Medien, dass die Deutsche Bahn Haltepunkte mit täglich weniger als 50 Ein- und Ausstiegen auf den Prüfstand stellen wolle. Sie könnten möglicherweise geschlossen werden. In Obersdorf war man auf täglich 44 Ein- und Ausstiege gekommen. „Etwa 20 benutzen die Bahn regelmäßig“, hieß es beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg.

Der ersten Schockstarre folgte ein Aufschrei, die Bildung einer Bürgerinitiative zum Erhalt des Bahnhaltepunktes, das Übermitteln von über 1000 Unterschriften an Stadtverwaltung und Landesregierung, Einwohnerversammlung, Vernetzung mit jenen Ortsteilen und Einrichtungen, die diesen Bahn-Halt für ebenso unverzichtbar hielten.

Eins kam zum anderen. Die IGOB (Interessengemeinschaft Eisenbahn Berlin–Gorzow EWIV), die Stadt, der Landkreis wurden ins Boot geholt. Und 2013 lag ein maßgeblich von  der Initiative zum Erhalt des Bahnhaltepunktes erarbeitetes Konzept zur Dorfentwicklung „Obersdorf 2025“ auf dem Tisch – Voraussetzung für alle folgenden Aktivitäten wie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes.

Der erste Satz hinter Punkt eins im Konzept und zugleich Zielvorgabe lautet: Die Ostbahn hält jede Stunde. Wer die Zukunftspläne mitspinnen und unterstützen will, ist am Dienstag, 18.30 Uhr, willkommen.

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