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DDR-Zeiten
So war das damals

Alte Kollegen in der DDR: Werner Kraus (v.l.) und Manfred Weinert in der Gaststätte Bauernstübchen in Aurith.
Alte Kollegen in der DDR: Werner Kraus (v.l.) und Manfred Weinert in der Gaststätte Bauernstübchen in Aurith. © Foto: Patrizia Czajor
Patrizia Czajor / 27.10.2018, 10:30 Uhr - Aktualisiert 27.10.2018, 18:12
Aurith (MOZ) Von der Vergangenheit sprechen sie immer noch gern. Das gemeinsam Erlebte hat die ehemaligen Mitarbeiter des Kreisbetriebs für Landtechnik in der DDR zusammengeschweißt. Am Freitag trafen sich einige der ehemaligen Kollegen in der Gaststätte Bauernstübchen in Aurith.

Den größten Teil seines Lebens hat Klaus Baar als Schweißingenieur für den Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) gearbeitet. „Ich hab viel zusammengepappt“, so beschreibt es der 75-Jährige, der heute in Frankfurt lebt. Mit dem Zusammenbruch der DDR ist der Betrieb, der für die Instandsetzung und Reparatur von Landmaschinen zuständig war, hingegen aufgelöst worden. Klaus Baar wurde arbeitslos und ließ sich zum Heizungs- und Lüftungssanitäter umschulen.

Seine alten Arbeitskollegen hat er hingegen nicht aus den Augen verloren. Noch immer treffen sie sich zwei Mal im Jahr, um über Vergangenes zu sprechen. Manfred Weinert, der beim KfL damals Bereichsleiter für Instandsetzung war, nennt das den kollektiven Gedanken, der durch die gemeinsame Freizeit immer noch hochgehalten werde. „Heute igelt sich jeder ein“, beklagt der 68-Jährige. Individualisten seien angesagter.

Bei den regelmäßigen Treffen rufen die ehemaligen Kollegen vor allem gemeinsam Erlebtes wach. Schöne Erinnerungen haben Manfred Weinert und Klaus Baar an die sogenannten Familientage. Firmen pflegten früher Partnerschaften mit ausländischen Firmen, wie Manfred Weinert erläutert. In den Heimen des Partnerbetriebs in Tschechien konnten sie dann zum Beispiel ihre Ferien verbringen. „Die Tschechen kamen wiederum zu uns, an die Ostsee oder an den Helenesee“, sagt Manfred Weinert. So habe er neue Kontakte im Ausland geknüpft, die teilweise über Jahrzehnte hielten.

Zum Austausch über die Vergangenheit kommen immer noch rund 20 ehemalige Kollegen des Betriebs zusammen. Unmittelbar nach der Wende waren es sogar drei Mal so viele, erinnert sich Werner Krause, der die Treffen der KfL ins Leben gerufen hat. Der 89-Jährige, der in der Weimarer Republik geboren ist und in der Zeit des Nationalsozialismus aufgewachsen ist, hat sogar ein Buch über sein Leben geschrieben. In diesem geht es auch um den Vorgänger der KfL, den der Mann aus Frankfurt noch miterlebt hat.

Bei der Gründung der DDR hieß der Betrieb nämlich Maschinen-Ausleih-Station (MAS) und nach der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaften (LPG) schließlich ab 1952 Maschinen-Traktoren-Station (MTS). Werner Krause wurde mit gerade einmal 22 Jahren Direktor der MTS. Nicht nur der Name war damals ein anderer. Bei der MTS konnten sich Bauern früher Maschinen samt Traktoristen bestellen, wie Werner Kraus erläutert. „Sie haben dann ihre Felder bestellt und geerntet“, führt er aus. Die Maschinen und Traktoren blieben somit in der Hand des sozialistischen Staates. Erst 1964 wurde die MTS in Kreisbetriebe für Landtechnik umbenannt und war fortan nur noch auf die Wartung und Reparatur von Landmaschinen beschränkt.

Über die Gründung der LPG wurde damals viel gestritten, erinnert sich Marianne Schurade. Die 82-Jährige weiß jedoch auch noch, dass die Kritik mit den Jahren leiser geworden ist. Sie selbst habe ihre Arbeit als Hauptbuchhalterin bei der LPG sehr gemocht. „Ich konnte sehr eigenständig arbeiten“, sagt sie. Für sie und die anderen ist jedoch nicht nur das Gespräch über Erlebtes entscheidend. Hinter den Treffen steht eigentlich noch viel mehr. Werner Kraus drückt es so aus: „Wir haben immer zusammengehalten und das bis heute.“

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