Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gemeinde Schorfheide nimmt Abstand von Sanierung / Kein Anschluss an das Abwassernetz / Anwohner verschont

Haushalt
Straßenbau in Eichhorst auf Eis

Grundstück mit Ausblick: Die Straße am Werbellinkanal in Eichhorst ist nur einseitig bebaut. Das würde die Straßenausbaubeiträge im Falle der Sanierung zusätzlich erhöhen. Doch nun sind die Pläne erst einmal vom Tisch. Das ist auch gut so, finden die Einwohner. Eigentlich sind die Platten auf der Straße noch völlig intakt.
Grundstück mit Ausblick: Die Straße am Werbellinkanal in Eichhorst ist nur einseitig bebaut. Das würde die Straßenausbaubeiträge im Falle der Sanierung zusätzlich erhöhen. Doch nun sind die Pläne erst einmal vom Tisch. Das ist auch gut so, finden die Einwohner. Eigentlich sind die Platten auf der Straße noch völlig intakt. © Foto: Thomas Burckhardt
Susan Hasse / 02.11.2018, 07:30 Uhr
Eichhorst (MOZ) Die geplante Sanierung der Straße Am Werbellinkanal in Eichhorst und der Anschluss an das Abwassernetz sind vorerst vom Tisch. Die Gemeinde Schorfheide plant für den Doppelhaushalt 2019/20 nicht mit der Straßensanierung. Beide Projekte hätten die Anwohner stark belastet.

Das Projekt findet sich nicht im geplanten Doppelhaushalt wieder, bestätigt Bürgermeister Uwe Schoknecht beim jüngsten Treffen aller neun Ortsvorsteher der Gemeinde Schorfheide. Die Verwaltung hat gerade den Doppelhaushalt 2019/20 vorgelegt, der nun in der Gemeindevertretung behandelt wird. Eigentlich stand die Sanierung der Straße am Werbellinkanal auf der Liste der notwendigen Investitionen. Doch immens gestiegene Baukosten engen den Spielraum des Bauamtes ein. Die Gemeinde musste daher mehrere Bauprojekte in den Ortsteilen auf Eis legen.

Bei vielen der Anwohner in Eichhorst dürfte diese Nachricht allerdings für Erleichterung sorgen. Gleich drei Rechnungen auf einmal hätten die rund 30 Anwohner an der Straße am Werbellinkanal in Eichhorst nämlich begleichen müssen. Zum einen die Straßenausbaubeiträge, die je nach Grundstücksgröße schnell in die Zehntausende gehen. Anwohner werden von ihrer Kommune prozentual in Abhängigkeit zur Grundstücksgröße an den tatsächlichen Kosten der Straßensanierung beteiligt.

Zum anderen sollte die Straße zeitgleich an das öffentliche Abwassernetz des ZWA angeschlossen werden. Allein das schlägt mit über Tausend Euro zu Buche. Obendrein wären im Falle der Straße am Werbellinkanal sogar noch die Kosten für ein eigenes Hebewerk für jedes Haus gekommen, das das Abwasser in das öffentliche Netz pumpt. Das sei nämlich nach Ansicht des Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (ZWA) wegen des Fehlens von natürlichem Gefälle notwendig. Ein eigenes Hebewerk kostet inklusive Einbau schätzungsweise ebenfalls mindestens 5000 Euro, wie ein Anwohner bereits errechnet hat.  Die Variante der dezentralen Hebewerke, die für die Anwohner die finanziell nachteiligste Variante  ist, wurde zuletzt vom Verband kalkuliert und favorisiert. Denkbar ist grundsätzlich auch ein zentrales Hebewerk für die Anlieger, so wie es beispielsweise in Lichterfelde und Joachimsthal realisiert wurde. In Lichterfelde zahlten die Anwohner beispielsweise höhere Anschlusskosten und bekamen dafür eine zentrale Pumpstation. Der ZWA hatte den Anschluss für die Häuser am Werbellinkanal sogar schon im Entwurf des Wirtschaftsplans 2019 vorgesehen, stellt ihn nun wohl wahrscheinlich zurück.

Den Anwohnern in Eichhorst fällt ein Stein vom Herzen. Sie haben bereits mit hohen fünfstelligen Zahlen kalkuliert. Einige befürchteten sogar ihr Haus verkaufen zu müssen, weil sie sich nicht in der Lage sahen, einen dermaßen hohen Kredit aufzunehmen. Rund Zweidrittel der Hausbesitzer am Werbellinkanal sind Senioren, heißt es.

Nun gibt es zeitlichen Aufschub für die Bewohner. Familie Wermuth ist nicht überrascht. „Wir werden seit Jahren hingehalten“, so Elke Wermuth. Auch wenn die Wermuths als einige der wenigen einen Anschluss an das ZWA-Netz befürworten, fürchten auch sie die drohenden Kosten. Ein paar Häuser weiter zeigen sich die Anwohner sichtlich erleichtert. Hubertus Albrecht etwa, der wie viele eine teure Bio-Kläranlage investiert hat, ist froh, dass der Kelch zunächst an ihm vorübergegangen ist. Auch der Ortsbeirat in Eichhorst ist nur bedingt traurig darüber, dass die Investition im Dorf erst einmal nicht kommt. Schließlich hat der Ortsbeirat massive Bedenken, dass bei dem Vorhaben des ZWA und der Gemeinde Schorfheide die Anlieger in die Planung ernsthaft einbezogen werden. Auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates kamen bereits zahlreiche besorgte Bürger der Straße, um mehr zu erfahren.

„Die nächsten Jahre haben wir erst einmal Ruhe“, bringt es eine Anwohnerin auf den Punkt. Bis dahin könnten sich die Rahmenbedingungen längst geändert haben. So gibt es etwa derzeit in Brandenburg eine Debatte um die Straßenausbaubeiträge. Gleich drei Oppositionsparteien, Freie Wähler/BVB, CDU und AfD, wollen die als unsozial und ungerecht bezeichneten Straßenausbaubeiträge nämlich gänzlich abschaffen. Die Kommunen sollen stattdessen vom Land Geld für den Straßenausbau bekommen.

Setzen sich die Parteien mit dem Plan bei den Landtagswahlen im Herbst 2019 durch, könnten die für Hausbesitzer stark belastenden Anwohnerbeiträge schon bald Geschichte sein. Dann wären für die Eichhorster nur noch zwei offene Rechnungen zu begleichen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG