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Vierzig neue Bäume für die Eberswalder Chaussee / Angst vor Eichenprozessionsspinner

Pflanzungen
Buchen statt Eicheln für Eichhorst

Buchen soll man suchen: Der Landesbetrieb Straßenwesen pflanzt im Frühjahr an dieser Stelle Hain-Buchen.
Buchen soll man suchen: Der Landesbetrieb Straßenwesen pflanzt im Frühjahr an dieser Stelle Hain-Buchen. © Foto: Thomas Burckhardt
MOZ / 04.11.2018, 07:15 Uhr - Aktualisiert 04.11.2018, 21:27
Eichhorst (MOZ) Eichhorst soll rund 40 Hain-Buchen als Straßenbepflanzung bekommen. Der Ortsbeirat konnte zwischen vier verschiedenen Baumarten auswählen. Die namensgebende Eiche bekommt dagegen im Schorfheide-Dorf auf keinen Fall eine Chance.

Keine Eichen für Eichhorst, lässt sich die Nachricht zusammenfassen. Was zunächst wie eine Art Posse klingt, ist keine. Als Ersatzbepflanzung auf beiden Seiten der Eberswalder Chaussee (L 220) werden im Frühjahr rund 40 Buchen gepflanzt. Der für die Ersatzpflanzungen zuständige Landesbetrieb Straßenwesen spricht sich klar gegen Eichen aus. Der Grund: Der für Menschen gefährliche Eichenprozessionspinner stelle eine zu große Gefahr dar. Zwar ist der Schädling bislang nur in Einzelfällen in der Schorfheide nachgewiesen worden, doch der Landesbetrieb rechnet hierzulande mit einer weiteren Ausbreitung des  aus Spanien stammenden Schädlings. Die Raupen des Schmetterlings ernähren sich vor ihrer Metamorphose von Eichenblättern. Sie haben allerdings viele feine Brennhaare, die beim Menschen zu Hautausschlag und Hustenreiz führen können. Werden die Härchen eingeatmet, kann es zu Husten und Asthma kommen. Damit gerade in Eichhorst, wo das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bereits im Hinterhof beginnt, die Natur nicht zur Bedrohung wird, lehnt der Landesbetrieb Eichenbäume an der Landesstraße ab.

Dem Ortsbeirat standen stattdessen insgesamt vier alternative Vorschläge zur Auswahl. Die Behörde hat eigens ein Planungsbüro beauftragt, um die entsprechende Ausschreibung vorzubereiten. Zur Auswahl standen demnach die Säulen-Hainbuche, die Echte oder Schwedische Mehlbeere sowie die Stadt-Birne. Alle Bäume werden maximal zehn bis zwölf Meter hoch. Auf der Sitzung des Ortsbeirates vergangene Woche entfachte sich sogleich eine Debatte um die neuen Bäume. Ein Forstwirt sprach sich etwa gegen die Birne aus. Früchtetragende Bäume würden direkt an der Straße das Wild anlocken und könnten die Unfallgefahr erhöhen. Also lieber kein Birnen-Horst unkten bereits die Einwohner. Auch die Maulbeere fand als fremdländischer Baum keine Unterstützer. Eine breite Mehrheit einigte sich schließlich auf die Säulen-Hainbuche, so Ortsvorsteher Stephan Reimann. Diese heimische Art wird fünf bis sieben Meter breit und maximal zwölf Meter hoch. Auch wenn Eichhorst keine neuen Eichen bekommt, gibt es doch rund um den Ort noch Eichenbestände. Ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt, befinden sich auch die ältesten Eichen der Schorfheide. Sie wurden 1786 gepflanzt, zu einer Zeit in der Preußen noch von Kurfürst Friedrich dem Großen regiert wurde. Zudem steht auch die 650 Jahre alte Namenspatin von Eichhorst noch stolz mitten im Dorf an der Schulstraße.

Der Landesbetrieb Forst sieht die Gefahr des Prozessionsspinners anscheinend nicht so dramatisch. In den vergangenen Wochen wurden in der Schorfheide 16 Tonnen Eicheln gesammelt. Sie reichen für rund 2,4 Millionen neue Eichen. Genug, um der landschaftsprägenden Baumart eine Zukunft zu geben. Dann eben außerhalb der Dorfgrenzen.

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