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Tödliches Unglück
Trauernde wütend über Diebe

Ein Ort der Trauer und Mahnung: Christina Heidt (l.) und Anke Rau erinnern an der Unfallstelle an ihren Ehemann und Sohn. Dort bedienen sich auch immer wieder Diebe.
Ein Ort der Trauer und Mahnung: Christina Heidt (l.) und Anke Rau erinnern an der Unfallstelle an ihren Ehemann und Sohn. Dort bedienen sich auch immer wieder Diebe. © Foto: Tilman Trebs
Tilman Trebs / 10.11.2018, 13:18 Uhr - Aktualisiert 10.11.2018, 15:14
Lehnitz/Wensickendorf (MOZ) Immer wieder räumen Diebe räumen den Gedenkort für einen bei Lehnitz tödlich verunglückten Motorradfahrer ab.

„Paul war ein lebenslustiger Mensch“, sagt Christina Heidt. „Es gibt kein Foto von ihm, auf dem er nicht lächelt.“ Er war auch ein erfahrener Motorradfahrer. Mit 16 hat er seinen Führerschein gemacht. „Die ersten Jahre war ich immer in Sorge“, erzählt seine Mutter Anke Rau. Doch Paul sei vernünftig gewesen. Die Angst sei gewichen, auch wenn er mal wieder später als erwartet von einer seiner Touren zurückkehrte.

Am 17. August, einem Freitag, aber wartete Christina Heidt vergeblich auf ihren Mann. Zu Hause in Wensickendorf wollten sie im Garten grillen. Paul brach mit einem Kumpel nach Oranienburg auf. Sie wollten noch etwas einkaufen, saßen beide gemeinsam auf einer Suzuki. Kurz vor halb sieben geraten sie mit ihrem Motorrad auf der schmalen und kurvigen Straße zwischen Lehnitz und der B 273 in Richtung Schmachtenhagen in den Gegenverkehr. Paul stirbt noch am Unfallort. Sein Begleiter wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Noch in der Nacht stellt die Familie eine Kerze und eine kleine Laterne an der Unfallstelle auf. Später kommen noch ein Holzkreuz, Engelsfiguren, Trauersteine, eine Grabschale, viele weitere Kerzen und eine Angelpose hinzu. „Paul ist leidenschaftlich gern angeln gegangen“, berichtet seine Witwe. Auf das Holzkreuz wurde der Helm gesetzt, den Paul Heidt an seinem Schicksalstag trug. Vor dem Kreuz steht ein Foto, das den Vater einer vier Jahre alten Tochter und Stiefvater von zwei weiteren Kindern, die seine Frau mit in die Ehe brachte, an einem glücklichen Tag zeigt.

„Der Ort bedeutet uns sehr viel“, sagt Christina Heidt. „Es der letzte Punkt, an dem das Herz von Paul schlug.“ Mindestens alle zwei Tage kommen sie und auch Pauls Mutter Anke Rau hierher. Sie halten inne, erinnern sich an die schönen Tage, pflegen die kleine Gedenkstätte, die sie mit Erlaubnis der Polizei errichtet haben. Sie soll auch Mahnung sein. „Es ist eine gefährliche Straße. Ich verstehe nicht, warum man hier Tempo 70 fahren darf“, sagt Anke Rau. Sie hoffe, dass Autofahrer den Fuß vom Gas nehmen, wenn sie den Unglücksort passieren. Paul selbst wurde auf dem Friedhof in Wensickendorf beerdigt.

In die Trauer der Hinterbliebenen mischt seit einigen Wochen immer wieder Wut. Denn ständig werden Dinge gestohlen. „Eine große Grabschale ist schon verschwunden, auch die Laterne. Es gibt Leute, die halten hier einfach an und nehmen alles mit“, klagt Christina Heidt. Sie sei fassungslos, sagt Anke Rau. „Haben die Menschen hier gar keinen Respekt mehr? Der Ort ist für uns Angehörigen so wichtig. Ich verstehe das nicht.“ Die beiden Frauen wollen das nicht länger hinnehmen. Auf Anzeigen bei der Polizei haben sie bislang zwar verzichtet. Dafür haben sie die Öffentlichkeit gesucht, um an die Diebe zu appellieren. Sie sollen wissen, was sie mit ihren überflüssigen Taten anrichten.

Anke Rau erzählt, dass der Sohn einer Freundin von ihr im Jahr zuvor nur wenige Meter an der Ecke der Straße zur B 273 tödlich verunglückte. „Auch dort wird ständig die Gedenkstelle immer wieder geplündert. Das ist einfach nicht zu begreifen.“ Ein grundsätzliches Phänomen. Von der Polizei gibt es dazu keine Erhebungen. „Solche Fälle werden ja oft nicht angezeigt“, begründet Polizeisprecherin Dörte Röhrs.

Erst vor wenigen Wochen wurde das Geisterfahrrad an der Oranienburger Lehnitzstraße, das an eine tödlich verunglückte Radfahrerin erinnert, in entwürdigender Weise beschmiert. Damals schritt der Stadtverordnete Matthias Hennig (SPD) zur Tat und entfernte das unsägliche Werk mit Nagellackentferner.

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