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Ärger in Kliestow
„Von außen kann das keiner klären“

Wäre für einen neuen Ortsbeirat: Stefan Deichsler ist Mitglied der Kliestower Feuerwehr.
Wäre für einen neuen Ortsbeirat: Stefan Deichsler ist Mitglied der Kliestower Feuerwehr. © Foto: Gerrit Freitag
Lisa Mahlke / 15.11.2018, 20:58 Uhr
Kliestow „Schade“, „nicht schön“, „katastrophal“ – in etwa so lautet der Tenor in Kliestow zur Ankündigung der Feuerwehr, sich nicht an der Jubiläumsfeier des Ortes beteiligen zu wollen. 700 Jahre sollen 2020 begangen werden. Anwohner Ralf Mucker hat einen pragmatischen Lösungsvorschlag: Wenn der Konflikt zwischen Wehrleiter Wolfgang Welenga und Ortsvorsteherin Gudrun Heinrich so festgefahren sei, solle man die beiden bei dem Fest einfach außen vor lassen. „Wir wollen, dass die Feier stattfindet“, sagt er und betont die gute Nachbarschaft in der Lebuser Straße.

Auch zwei Bewohner des „Hexenberges“ verstehen nicht, warum es im Ortsbeirat nicht mehr um die Belange des Dorfes geht, sondern nur noch um den „Kleinkrieg zwischen den Welengas“. Gemeint ist, dass der Zwist zwischen Gudrun Heinrich und Wolfgang Welenga auch damit zu tun haben könnte, dass sie eine angeheiratete Verwandte von ihm war, es jetzt aber nicht mehr ist. Welenga, der auch Linken-Stadtverordneter ist, war bis 2014 Ortsvorsteher und wurde überraschend nicht mehr gewählt, als Gudrun Heinrich (damals noch Welenga) zwei Ortsbeiräte auf ihrer Seite hatte.

„Seitdem er das nicht mehr ist, ist das Theater groß“, schlussfolgert ein 72-Jähriger Kliestower. „Alle sollen nur nach seiner Pfeife tanzen.“ Von „falschem Stolz“ bei Wolfgang Welenga spricht auch einer der beiden Anwohner vom Hexenberg. Auch er sieht die Lösung bei den beiden Streitparteien: Sie müssten sich an einen Tisch setzen und „merken, wie banal es ist, dass sie sich die ganzen Jahre auf den Kopf geklopft haben. Von außen kann das keiner klären“. Seine Nachbarin betont, dass der Ortsteil mit vielen jungen Zugezogenen Potenzial habe. Zwischen dem Hexenberg und dem Rest von Kliestow gebe es zwar gefühlt einen Zaun. Aber „sicherlich gehen wir zur Jubiläumsfeier mal runter. Wir gehören ja dazu“, sind sie sich einig.

Aus einem anderen Blickwinkel schaut Stefan Deichsler auf die Angelegenheit. Er ist seit 22 Jahren Mitglied der Feuerwehr und der Meinung, dass Gudrun Heinrich gegen die Feuerwehr gearbeitet und sie immer in ein schlechtes Licht gerückt habe – bis sie Ortsvorsteherin wurde. Jetzt wolle sie auf einmal mit der Feuerwehr zusammenarbeiten. „Wir hatten zum Beispiel das große Projekt See“, sagt er und nickt in Richtung Großer Kliestower See, „und haben daran gearbeitet, dass man vernünftig ran kommt“. Heinrich allerdings habe das als Eingriff in die Natur gesehen und direkt mit Eingaben und Anzeigen dagegengehalten. Auch wenn die Feuerwehr etwa im Auftrag der Stadt Bäume fällt, unterstelle sie, die Kameraden machten das, weil sie das Holz brauchen, sagt er. Am Herbstputz in Kliestow diesen Sonnabend ist die Feuerwehr nicht beteiligt. Als Anwohner hilft Stefan Deichsler trotzdem mit.

Vor gut drei Jahren fand eine eigentlich angedachte Feier zum 130-jährigen Bestehen der Feuerwehr nicht statt – offenbar aufgrund der bekannten zwischenmenschlichen Probleme. Vor diesem Hintergrund kann die Ankündigung einer 135-Jahrfeier der Feuerwehr auch als Retourkutsche verstanden werden.

Ein Kliestower erzählt, er habe Wolfgang Welenga gesagt: „Du bist nicht das Sprachrohr der Feuerwehr.“ Er erwarte von den anderen Mitgliedern, dass sie ihre eigene Entscheidung treffen, wenn es um die Feier geht. 2019 steht die Wahl des Ortsvorstehers an. „Welenga wird wieder antreten“, prognostiziert der Mann. „Und er würde der erste sein, der gemeinsam feiern will – das sollte er bedenken.“

Stefan Deichsler sagt zur Wahl: „Der Ortsbeirat müsste sich komplett neu aufstellen. 2019 muss sich etwas ändern.“

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