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Eichhorster Familie klagt über umgepflügten Rasen / Die Schwarzkittel kamen in der Dunkelheit

Eindringlinge
Wildschweine verwüsten Gärten

Gefundenes Fressen: Das Grundstück von Klaus und Elke Wermuth in Eichhorst wurde binnen einer Nacht von einer Rotte Wildschweine verwüstet. Rund 400 Quadratmeter Rasenfläche durchwühlten die nächtlichen Eindringlinge auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Engerlingen.
Gefundenes Fressen: Das Grundstück von Klaus und Elke Wermuth in Eichhorst wurde binnen einer Nacht von einer Rotte Wildschweine verwüstet. Rund 400 Quadratmeter Rasenfläche durchwühlten die nächtlichen Eindringlinge auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Engerlingen. © Foto: Andreas Gora
Susan Hasse / 20.11.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 20.11.2018, 08:32
Eichhorst (MOZ) Derzeit sieht man überall aufgewühlte Wiesen und Äcker. Die Ursache sind weder Mäulwürfe noch Landwirte, sondern zumeist Wildschweine. Einige Familien in Eichhorst hat es nun besonders schlimm erwischt: Eine ganze Rotte Überläufer ist in die Gärten eingefallen und haben immensen Schaden angerichtet.

Elke Wermuth kann es nicht fassen: Der gesamte Garten ist umgepflügt. Sprichwörtlich kein Stein ist auf dem anderen geblieben. In der Nacht sind Wildschweine in das umzäunte Grundstück am Werbellinkanal in Eichhorst eingefallen und haben aus dem Garten ein Schlachtfeld gemacht. Rund 400 Quadratmeter Gartenfläche haben die Schweine auf der Suche nach Würmern, Engerlingen und Schnecken zerstört. Das Ehepaar Wermuth war sprachlos, als sie das Ergebnis am nächsten Morgen sah. Durch ein kleines Loch am Gartentor sind die Schwarzkittel auf das Grundstück gelangt. „Sie sind in der Dämmerung gekommen“, ist sich Elke Wermuth sicher. Sie habe beim Zubettgehen bereits verdächtige Geräusche gehört. Eigentlich ist das Grundstück gut gesichert, doch durch ein kleines Loch im Zaun, sind die noch nicht ausgewachsenen Tiere geschlüpft. Wermuth meint, es seien sicherlich Überläufer gewesen, also mit rund zwei Jahren noch recht junge Tiere. Sogenannte Überläuferrotten bestehen aus jungen Ebern, die von ihrer Rotte verstoßen werden. Sie vagabundieren eine Zeitlang in Grüppchen durch den Wald,  oder eben auf die Wiesen und Gärten, wenn ein attraktives Fressangebot lockt. Die jungen Wildschweine treiben bereits seit einigen Tagen ihr Unwesen im Dorf, wissen die Wehrmuths zu berichten.

Möglichkeiten, den Wildschweinen im eigenen Garten Herr zu werden, gibt es indes wenig. In sogenannten befriedeten Bezirken, das sind die Bereiche rund um Siedlungen, darf nicht gejagt werden. In Hofräumen und Hausgärten, die unmittelbar an eine Behausung anstoßen und durch eine Umfriedung oder sonst erkennbar abgegrenzt sind, ist das Schießen schlicht verboten.

Ein Grund, warum die Schweine gerade jetzt die Nähe zu Siedlungen nutzen, könnten die Drückjagden in den Wäldern der Schorfheide sein. Dort wird seit November gezielt Jagd auf Wildschweine, Dam- und Rotwild gemacht. Die Tiere fühlen sich im Wald gestört und ziehen sich dann gern in Richtung Siedlungen zurück, wohl wissend, dass dort nicht geschossen wird. Für die Anwohner der Werbelliner Straße ein echtes Ärgernis.

Ein weiterer Grund, warum es die Schweine derzeit vermehrt auf die Felder, Wiesen und Gärten treibt, ist die Suche nach Futter. Eigentlich könnte man glauben, dass die Wildschweine im Wald derzeit genügend Nahrung finden. Es ist schließlich ein Mastjahr: Unmengen von Eicheln und anderen Baumfrüchten liegen noch massenhaft unter den Bäumen. Doch auch Wildschweine lieben abwechslungsreiche Kost: Als Allesfresser wollen sie nicht nur vegetarische Kost, sondern brauchen viel tierisches Eiweiß. Sie suchen derzeit vermehrt kleines Getier: Mäuse, Würmer, Engerlinge stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Viele  Bachen sind derzeit zudem trächtig, Anfang des Jahres kommen die Frischlinge zur Welt. Auch die sogenannten Überläufer, also Teenager unter den Wildschweinen haben einen erhöhten Nahrungsmittelbedarf, da sie schließlich noch wachsen wollen.

Am Jagddruck kann es jedenfalls nicht liegen: Die Jäger sind seit Monaten angehalten, möglichst viel Schwarzwild zu schießen, denn die Bestände sollen wegen der drohenden Afrikanischen Schweinegrippe möglichst reduziert werden.

Bei den Drückjagden in den vergangenen Wochen wurde bislang weniger Schwarzwild erlegt als sonst, meint Michael Schmiedel, Leiter der Landeswaldoberförsterei Groß Schönebeck. Das sei allerdings kein Indiz, dass es weniger Wildschweine gebe. Sie würden sich einfach besser verstecken. Oder sich aber auf befriedete Bereiche zurückziehen. Da kann man nicht viel machen, außer die Zäune sichern.

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