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Baum des Jahres
Starke Brandenburgerin im Stieleichenwald

Anett Zimmermann / 21.11.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 21.11.2018, 14:58
Diedersdorf (MOZ) Die Flatterulme ist zum Baum des Jahres 2019 ernannt worden. Sie gilt auch als „starke Brandenburgerin“. Der Diedersdorfer Revierförster Philipp Kunze weiß um einige schöne Exemplare.

Sogar der Treffpunkt auf dem Parkplatz gegenüber der Gaststätte „Ulmenhof“ in Diedersdorf passt zum Thema. Dort im Hof, so weiß auch Revierförster Philipp Kunze, steht eine beeindruckende Ulme. „Aber wahrscheinlich keine Flatterulme“, vermutet er. Nachschauen geht nicht: Ruhetag. Dafür entdeckt er auf dem Anger eine Flatterulme. Sie ist dank ihrer ausgeprägten Brettwurzeln gut zu erkennen. Aber Kunze will in einen Wald, der hinter Neuentempel bereits in der Gemarkung Lietzen liegt. In die Kaaschenheide, wie diese Gegend auch genannt wird.

Vorbei an einem gepflanzten Kiefernwald geht es bei Wind und leichtem Regen übers Feld. „Eine Monokultur mit nur einer Baumart in Reihen“, sagt Kunze über den Kiefernbestand zur Linken und ist schon bei der Flatterulme, die sich als Misch- und Begleitbaumart gut für den Waldumbau eignet. Er will zu einem etwa 140 Jahren alten Stieleichenwald, der schon im Blickfeld ist. „Er ist typisch für die Auwälder und grundwasserbeeinflussten Wälder im Oderbruch.“ Wegen der Feuchtigkeit falle dort die Buche aus, die hier aber noch am Feldrand steht. Eichen, Eschen und Ulmen seien, so der Revierförster, die charakteristischen Baumarten der seltener überfluteten Hartholzauen. „Bei uns sind es mehr Ulmen als Eschen“, sagt er und meint damit die Flatterulme, die Baum des Jahres 2019 ist.

Neben der Flatterulme, so erläutert der 40-Jährige, gibt es noch die Berg- und Feldulme. Die Bergulme sei vor allem als Park- und Alleebaum geeignet. Unterscheiden könne man die drei Arten an den Blüten und Blättern. Im Laub auf dem Boden kommt ihm als Erstes aber ein Ahornblatt in die Finger. „Der Ahorn kommt mit grundwasserbeeinflussten Standorten ebenfalls gut zurecht“, sagt Kunze und hält nach einer bestimmten Flatterulme Ausschau – groß und kräftig und noch etwas belaubt. „Bei ihr sieht man die Brettwurzeln am besten.“ Die Flatterulme sei die einzige heimische Baumart, die solche Wurzeln ausbildet.

Aufgrund des feuchten Standorts hätten die Flatterulmen in seinem Revier den heißen Sommer und die lange Trockenphase in diesem Jahr gut überstanden. Auch gegen den Kleinen und Großen Ulmensplintkäfer seien sie offenbar besser gewappnet als ihre nächsten Verwandten, insbesondere der Bergulme. „Der Käfer ist der Überträger eines Schlauchpilzes“, erläutert Philipp Kunze und fügt hinzu: „Die Bäume reagieren darauf, in dem sie ihre Leitungsbahnen schließen. Das erkennt man dann an vertrockneten Ästen, erst an kleineren, später aber auch größeren.“ In dem Zusammenhang spreche man auch vom holländischen Ulmensterben.

Das an sich feste und zähe Holz der Flatterulme sei für den Möbelbau geeignet. Diese Verwendung spiele, so Kunze, angesichts der nicht allzu großen Bestände jedoch eher eine untergeordnete Rolle. „Früher waren vor allem Berg- und Feldulme aufgrund ihres dunkleren Holzes stärker gefragt“, weiß er. Und ergänzt, dass sich die Ulme auch für das sogenannte Schneiteln eignet. Damit sei das Schneiden frischer und langer Triebe als Tierfutter gemeint.

Die Flatterulme habe beim Waldumbau einen hohen ökologischen Wert. „Aber ehe es so weit ist, müssen wir 100.Jahre warten. Jedenfalls denken wir so als Förster, wenn wir anfangen, einen stabilen, gemischten Wald zu bauen.“ Problem auch bei der Naturverjüngung sei der Wildverbiss. Deshalb müssten junge Bäume zum Beispiel durch Zäune geschützt werden. Die Jäger würden hier ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten.

Der Lietzener Stieleichenwald mit seinen Flatterulmen erfülle natürlich auch die Erholungsfunktion. Etwas Besonderes sei dort ebenfalls das stehende Totholz.

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