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Folgen der Trockenheit bedrohen Existenz uckermärkischer Betriebe / Agarunternehmen schockiert über Bürokratie bei Anträgen

Landwirtschaft
Bauern wettern über Dürrehilfe

Wüste oder Acker: Eine dichte Staubwolke zieht ein Traktor bei Feldarbeiten hinter sich her. Die Dürre hat in der Landwirtschaft gewaltige Schäden in Brandenburg verursacht. Doch Finanzhilfen sind kompliziert.
Wüste oder Acker: Eine dichte Staubwolke zieht ein Traktor bei Feldarbeiten hinter sich her. Die Dürre hat in der Landwirtschaft gewaltige Schäden in Brandenburg verursacht. Doch Finanzhilfen sind kompliziert. © Foto: Ralf Hirschberger
Oliver Schwers / 22.11.2018, 06:30 Uhr
Grünow (MOZ) Bis heute kämpfen Bauern der Uckermark mit den verheerenden Folgen der diesjährigen Trockenheit. Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Dürrehilfe sei viel zu kompliziert, so die Meinung des Bauernverbands. Etliche Betriebe seien in ihrer Existenz gefährdet.

Die Antragstellung für die Dürrehilfe sein ein Konjunkturprogramm für Berater, nicht aber hilfreich für Bauern. So wettert Manfred Mesecke, Vorsitzender des Bauernverbands Uckermark. Auf dem Bauerntag in Grünow entlädt sich der gesammelte Frust der Agrarunternehmen. Die Folgen mehrerer aufeinanderfolgender Jahre mit Nässe, Frühjahrsfrost und anschließender Extremtrockenheit sitzen den Landwirten bis heute in den Knochen. Von einer existenzbedrohenden Situation für etliche Firmen spricht Mesecke. Zwei schlechte Ernten, viel zu wenig Futter und niedrige Preise haben die Bilanz der Betriebe in den Keller sinken lassen. Einige Bauern reduzieren ihre ohnehin dürftigen Tierbestände. Andere borgen sich Geld. Investitionen rücken in den Hintergrund. Der Verband hat eine Futterbörse eingerichtet, um sich gegenseitig zu helfen.

Doch zum Jahresende stehen große Zahlungen und Verpflichtungen bevor. Und den Unternehmern ist bei den Anträgen zur Dürrehilfe der Appetit vergangen. Aus Ärger über das komplizierte bundesdeutsche Antragsverfahren sollen gar juristische Schritte eingeleitet werden. Vom ursprünglichen positiven Ansatz sei man weit entfernt, so Manfred Mesecke. Er bezeichnet das Programm als handwerklich schlecht gemacht. Es würde eine Ungleichbehandlung nach sich ziehen. Polen dagegen habe ganz anders reagiert. Dort seien Gutachter unterwegs, die den tatsächlichen Schaden beziffern und ausgleichen. Es kann also auch einfacher gehen, so Mesecke.

Die Bauern der Uckermark sind sich einig: Sie wollen keine Bittsteller sein. „Wir brauchen mehr politischen Rückhalt“, verlangt der Chef des uckermärkischen Bauernverbands. Bei einem Agrarunternehmen handele es sich eben nicht um einen Produktionsbetrieb, der in einer Halle wirtschafte. Unterstützung bekommen die Landwirte von Henrik Wendorf, Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg. „Aus der Dürre-­hilfe ist nur eine Existenzsicherungshilfe geworden.“ Dabei müsse gerade jetzt die Liquidität der Unternehmen im Auge behalten werden.

Die Landesregierung weist die Schuld von sich und schiebt sie auf Bundesregelungen. Man habe sich beugen müssen, um die Bundesmittel zu bekommen, berichtet Carolin Schilde, Staatssekretärin im brandenburgischen Ministerium für ländliche Entwicklung. Auch sie spricht von bürokratischem Aufwand und einer Bittstellerrolle der Bauern. Das Land setze sich angesichts der schwierigen Situation für Hilfe zur Selbsthilfe ein. Schilde spricht von steuerbegünstigten Versicherungslösungen in solchen Extremfällen, von einer Risiko-Rücklage oder höheren Fördersätzen.

Auch sie spart nicht mit Kritik an der Bundesregelung. Die von der Landesregierung bewilligten Gelder für den Futtermittelzukauf würden von den Betrieben weitaus besser angenommen. Zurzeit liegen in ihrem Ministerium 373 Anträge vor, von denen bereits 155 bewilligt seien.

In all dem Dilemma müssen sich Bauern aber noch mit ganz anderen Problem herumplagen. Die gesamte Agrarproduktion sei von ideologischen Auseinandersetzungen geprägt, schimpft Manfred Mesecke. Außerdem wüten die Wildschweine. Durch Straßen und Siedlungen verlieren Landwirte immer mehr Boden. Der Tier- und Naturschutz übertreffen sich mit neuen Forderungen. Der Nachwuchs von Jungbauern fehlt und in den Schulbüchern erfahre man nichts mehr über moderne Landwirtschaft. Und dann kommt noch der Wolf dazu, über den sich Deutschland streitet.

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