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Autor Kenneth Anders begeistert von der Inszenierung

Erstaufführung
Theaterstück offenbart Widersprüche

Theaterstück zur Landwirtschaft: Jens-Uwe Bogadtke als Bauer Stoppelfeld.
Theaterstück zur Landwirtschaft: Jens-Uwe Bogadtke als Bauer Stoppelfeld. © Foto: Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 26.11.2018, 06:00 Uhr
Altranft (MOZ) „Für mich war das wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“, sagte Kenneth Anders vom Oderbruch-Museum Altranft nach der Premiere des Theaterstücks „Die kluge Bauerntochter wird noch gebraucht“ im Schloss Altranft. Er ist  der Autor der Geschichte, die zum Jahresthema „Landwirtschaft“ entstand. Als Einführung hatten die Museumsmitarbeiter 30 Landwirte interviewt. Die Ergebnisse flossen in die Geschichte ein, die Kenneth Anders erstmals jetzt gesehen hat.

Jens-Uwe Bogadtke und Kathleen Glaube ist es gelungen, das Stück mit minimalem Einsatz von Requisiten witzig und eindrucksvoll in Szene zu setzen.

Bogadtke spielt Bauer Stoppelfeld, der konventionell wirtschaftet und sich plötzlich im Dorf an den Pranger gestellt sieht, weil er Glyphosat einsetzt. Über Nacht haben die Dorfbewohner Schilder aufgestellt, auf denen „Vorsicht! Gift“, „toxisch“ oder „Glyphosat“ zu lesen ist. Stoppelfeld kann dies nicht verstehen und lässt seinem Ärger über „Zugezogene aus Berlin“ freien Lauf, die sich gegen Massentierhaltung, Düngung und Einsatz großer Maschinen wehren und sich alles so wünschen, wie es früher war. So könne er wirtschaftlich nicht existieren, betont er.

Seine „kluge Bauerntochter“, die er um Hilfe bittet, hat in der Stadt Karriere gemacht. Sie schickt ihm eine Imageberaterin. Frau Blank will ihm ein „ökologisches Portfolio“ verschaffen. Es soll seine Arbeitskleidung gegen grüne Latzhose, orangefarbenes Hemd, gelbe Gummistiefel und Strohhut tauschen. Auf einer Pressekonferenz soll er seiner Bewirtschaftung abschwören und erklären, dass er draußen Schweine hält. Vom Schlachten dürfe er dagegen nichts berichten – getötete Tiere stören das Bild. Dass Stoppelfeld keine Tiere hält und nur Felder  bearbeitet, interessiert die Imageberaterin nicht. Irgendwann spielt er nicht mehr mit.

Das Theaterstück offenbart die Widersprüche, in der sich die moderne Landwirtschaft befindet. Sie fühlt sich angegriffen wegen des Einsatzes von Glyphosat. Deutsche Landwirte, die 1,5 Liter Glyphosat pro Hektar spritzen, müssten auf dem Weltmarkt mit US-Farmern konkurrieren, die zwölf Liter pro Hektar spritzen.

„Ein gutes Stück, das zum Nachdenken anregt“, sagte Bärbel Nolting aus Neulewin. Das Stück müsse mehr in die Öffentlichkeit, forderte Sylvia Schley aus Eberswalde. „Ich kann verstehen, dass die Situation für die Landwirtschaft nicht einfach ist“, sagte Hannelore Kretke aus Bad Freienwalde, die Pflanzenbau gelernt hat. Sie habe jedoch Probleme damit, wenn statt einer Fruchtfolge Mais auf Mais gepflanzt und dann Glyphosat gespritzt werde.

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