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Heimatgeschichte
Erinnerung an eine grausame Geschichte

Janet Neiser / 08.12.2018, 10:00 Uhr
Neuhardenberg Reporter der Lokalredaktionen Eisenhüttenstadt, Frankfurt, Seelow und Bad Freienwalde sind in der Adventszeit markanten Gebäuden und Ansichten auf der Spur. Wir veröffentlichen jeden Tag ein Bilder-Rätsel und verlosen einen Preis. Heute die Auflösung unseres Rätsels in der Freitagsausgabe – die Schiefe Kapelle.

Wer in Neuzelle die historische Klosteranlage besuchen möchte, der kommt zwangsläufig nahezu immer an der Kapelle zur heiligen Dreifaltigkeit vorbei, die im Volksmund „Schiefe Kapelle“ heißt. Warum? Weil die Mauern dieses Bauwerks nicht ganz rechtwinklig zueinander stehen. Die Kapelle am Eingang der Allee zum Klosterportal wurde 1740 unter Abt Martinus Graff (1678–1741) zur Erinnerung an die von den Hussiten ermordeten Neuzeller Mönche erbaut.

Im Jahr 1429 drangen die Hussiten in die Niederlausitz ein, eroberten unter anderem die Stadt Guben und überfielen schließlich auch das Kloster Neuzelle. Brutal und blutdürstig verstümmelten und ermordeten sie am 10. September etliche Geistliche. Abt Petrus war eines ihrer Opfer. Er stand dem Kloster seit 1408 vor und sollte es von seinen Schulden befreien. Nach Angaben von Historikern soll Petrus 1415 Teilnehmer des Konstanzer Konzils gewesen sein, das die Verbrennung des Reformators Jan Hus beschlossen hatte.

Aber auch fast alle Mönche wurden von den Hussiten ermordet, nachdem man ihnen die Hände und Füße abgehackt hatte. Eine mittelalterliche Darstellung auf einem etwa acht mal elf Zentimeter großen Pergament-Bogen zeugt von diesem grausamen  Überfall im 15. Jahrhundert. Zu sehen sind darauf acht Mönche in ihren Gewändern. Einer von ihnen trägt eine Mitra, eine kirchliche Kopfbedeckung, wie sie unter anderem Äbten zusteht. Die Mönche haben keine Hände und Füße. Rote Striche stellen spritzendes Blut dar. Das Bild der Märtyrer von Neuzelle ist im Besitz vom Bistum Görlitz.

Nachdem die Hussiten die Abtei samt der Kirche ausgeplündert und verwüstet hatten, steckten sie auch die Klostergebäude und die Kirche in Brand. Das Feuer knisterte bereits und drohte sich auszuweiten. Doch einer Überlieferung nach soll es einem Laienbruder namens Koch, der sich auf dem Kirchboden versteckt hielt, gelungen sein, das Feuer zu löschen und so das Gotteshaus vor der kompletten Verwüstung zu retten. Es heißt, dass zum dankbaren Andenken an Bruder Koch das Gut seiner Verwandten in dem benachbarten Dorf Schlaben, aus welchem er stammte, von allen dem Kloster zu leistenden Diensten auf ewige Zeit befreit wurde.

Die Zerstörungen im Kloster Neuzelle wurden unter Abt Nikolaus von Bohmsdorf (1431-1469) behoben. Teile des Kreuzgangs mussten vollends erneuert werden. Lediglich der Ostflügel soll weitestgehend unversehrt geblieben sein.

Die Schiefe Kapelle mit einem geschnitzten Altar ist noch heute eine Station bei Prozessionen. Ab 1873 schmückte zunächst der sogenannte Steinsdorfer Flügelaltar das Bauwerk. Doch in den 1970ern sollte das historische Kunstwerk restauriert werden. Jahrelang lag es im Depot der Denkmalpflege. Erst 2018 ist es zurückkehrt und nun im Kreuzgang des Klosters zu bewundern.

Von den Lesern, die am Freitag am Telefon richtig getippt haben, haben je ein Buch „Einst & Jetzt – Neuzelle“ gewonnen: Dietmar Schwiek, Isabell Augusta und Waltraud Finck. Von den E-Mail-Schreibern heißt Jolanda Pfeiffer  die Gewinnerin. Die Preise können ab Montag in der  Lokalredaktion Eisenhüttenstadt abgeholt werden. Ihren Tipp, welches Gebäude wir diesmal suchen, geben Sie am Montag, 11 bis 11.30 Uhr, unter Tel. 03364 403850 o. per E-Mail unter eisenhuettenstadt-red@moz.deab.

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