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Buch-Tipp
Friedländer beschreiben Spiele ihrer Kindheit

Spielender Zeitzeuge: Wolfgang Wesser hat sich für das Buch „Kreiseln, Hopsen, Butter stampfen“ zu Spielen seiner Jugend von Schülern befragen lassen.
Spielender Zeitzeuge: Wolfgang Wesser hat sich für das Buch „Kreiseln, Hopsen, Butter stampfen“ zu Spielen seiner Jugend von Schülern befragen lassen. © Foto: Jörg Kühl
Jörg Kühl / 09.12.2018, 21:50 Uhr
Friedland (MOZ) Wolfgang Wesser wohnte als Kind in der Friedländer Poststraße, die später in Karl-Marx-Straße umbenannt wurde. Mit seinen drei Geschwistern musste er viel zu Hause helfen, zum Beispiel ausmisten oder Gänse hüten.

So blieb nicht viel Zeit zum Spielen. Wenn doch mal dafür eine günstige Gelegenheit war, dann zog es den Jungen in das Scheunenviertel. Dort trafen sich spontan immer mehrere Kinder zum Treiberball. Das ist ein Mannschaftsspiel, das ein wenig wie Volleyball funktioniert, nur ohne Netz: Man donnert den Ball auf das Feld der gegnerischen Mannschaft. Geht der Ball nach der ersten Ballannahme über den gegnerischen Spielfeldrand, hat der Gegenüber den Spielzug verloren. „

Meistens spielte das Oberviertel gegen das Unterviertel“, erinnert sich der 75-Jährige. Seine Erinnerungen an die Spiele der Kindheit und Jugend sind in dem Büchlein „Kreiseln, Hopsen, Butter Stampfen“ neben einem Dutzend weiterer biografisch aufgearbeiteter Geschichten enthalten. Entstanden ist das Buch schon vor acht Jahren, schnell war die erste Auflage, immerhin 200 Stück, vergriffen. Wolfgang Wessers Interviewpartner war damals der Schüler Sören Hallasch. Beim Texten half ihm sein Mitschüler Felix Stoll.

Nun hat Prof. Dr. Katharina Meng, die das Buchprojekt 2010 mit Schülern der Grundschule Friedland durchgeführt hatte, eine Neuauflage organisiert. Die in Friedland lebende Sprachwissenschaftlerin stellt das Büchlein auf der Burgweihnacht in Friedland (16. Dezember von 11 bis 18 Uhr) persönlich vor.

Inzwischen sind viele der interviewten Friedländer Senioren gestorben oder leben nicht mehr in Friedland. So ist das Buch auch ein schönes Andenken an Friedländer Originale. Es ist letztlich auch ein Stück „Oral History“, also aus mündlicher Erinnerung aufgeschriebene Stadtgeschichte. Besonders reizvoll ist die Mischung von Interviews und erzählter Familiengeschichte. In einem Anhang sind die Spielregeln historischer Spiele zusammengefasst und so für die Zukunft festgehalten.

Wolfgang Wesser ist in der glücklichen Situation, die Spielkultur seiner Jugend an seine Enkelkinder weitergeben zu können. Eric (14), Nils (7) und Baby Frieda leben mit ihren Eltern auf der selben Hofstelle. Treiberball gehört wohl eher selten dazu. Dafür liebt die Familie das gemeinsame Kartenspiel: Maumau, Rommé, Skat. „Wenn wir draußen sind, spielen wir auch Wikinger-Schach.“

„Kreiseln, Hopsen, Butter stampfen – Kindheitsspiele der Senioren, erfragt und aufgeschrieben von Schülern“, gegen eine Spende von acht Euro in den Tourist-Infos Friedland (in der Burg) und Beeskow (im Rathaus) erhältlich. 60 Seiten, reich bebildert

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