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Kugelbomben
Zoll entdeckt immer häufiger Großfeuerwerk

Das zweiteilige Bild zeigt Daniel Schlinker, Sprengmeister, mit einem Karton voller Pyrotechnik aus dem Ausland (l) und die kontrollierte Sprengung dieser Kiste.
Das zweiteilige Bild zeigt Daniel Schlinker, Sprengmeister, mit einem Karton voller Pyrotechnik aus dem Ausland (l) und die kontrollierte Sprengung dieser Kiste. © Foto: dpa/Patrick Pleul
dpa / 10.12.2018, 17:00 Uhr - Aktualisiert 10.12.2018, 17:55
Frankfurt (Oder) (dpa) Davor ist nicht einmal ein Waffenschrank sicher: Großfeuerwerk. Der Zoll demonstriert es am Montag auf einem Bundeswehrgelände in der Lausitz. Als die Pyrotechnik per Fernschaltung gezündet wird, geht der Schrank mitten auf einem Feld in die Luft. Eine Tür fliegt meterweit und es knallt heftig. Rauchschwaden steigen auf, überall liegen Splitter.

Was die Zollbeamten bei ihrem Experiment im Schrank deponiert hatten, finden sie immer häufiger im Kofferraum von Privatautos im Grenzgebiet: Feuerwerk, das eigentlich nur ausgebildete Pyrotechnikern zünden dürfen.

Für das Hauptzollamt Frankfurt (Oder), das für die brandenburgische Grenze zu Polen zuständig ist, ist es an sich nichts Neues, dass sie vor allem vor Silvester Feuerwerkskörper bei Kontrollen entdecken. Kein anderes Zollamt findet im Jahr mehr Pyrotechnik als die Beamten im hiesigen Grenzgebiet, wie es vom Hauptzollamt heißt. Auf dem Feld des Bundeswehrgeländes werden an diesem Tag zur Demonstration noch mehr Gegenstände und sogar Schweinepfoten gesprengt. Ebenso ein Trockner, eine Stahltonne und ein Holzschrank - die Sprengeffekte sind enorm.

Häufig ging es in der Vergangenheit darum, dass das in Polen gekaufte Feuerwerk hierzulande illegal ist - also keine zertifizierte Kennzeichnung hat und damit von offiziellen Stellen nicht geprüft wurde. Nun beobachtet der Zoll eine neues Phänomen: Vermehrt handelt es sich bei Kontrollfunden um Kugelbomben oder Riesenböller mit enormer Sprengkraft - Großfeuerwerk.

Zwar sind die Sprengkörper nach Zollangaben tatsächlich geprüft und tragen entsprechende Siegel. Das Problem: Feuerwerk der Kategorie 4 darf aber nur mit einem Transportschein eingeführt und nur von Fachleuten gezündet werden.

Die Realität sieht nach Zollangaben indes oft ganz anders aus. Im Kofferraum eines Privatautos liegt dann der Karton mit kiloweise Kugelbomben vom polnischen Markt oder Fachgeschäft neben Benzinkanistern, die an der polnischen Tankstelle noch befüllt wurden, wie der Sachgebietsleiter Kontrollen beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder), Siegmund Poloczek, erzählt. Eine gefährliche Fracht. „Und auf dem Rücksitz sitzt noch das Kind.“

Der Zoll vermutet, dass Großfeuerwerk nicht nur zu Silvester gezündet, sondern auch gekauft wird, um Sachschäden zu verursachen - beispielsweise für die Sprengung von Automaten.

In den vergangenen Jahren stieg die Menge der beschlagnahmten Pyrotechnik im Grenzgebiet, wie die Zollbeamten berichten. Für dieses Jahr rechnen sie mit bis zu zehn Tonnen, das wäre ein ähnlicher Wert wie 2016 (9,8 Tonnen). 2017 war die Zahl mit 18,8 Tonnen noch höher. Damals wurde mehrmals in Lastwagen mehr als eine Tonne Feuerwerk gefunden. Poloczek geht von einer Dunkelziffer aus, die weit über dem liegt, was die Beamten bei den Kontrollen ausfindig machen.

Zollbeamte stoßen nicht nur in Privatautos auf das Feuerwerk, sondern auch in Reisebussen und sogar in Rucksäcken von Bahnreisenden im Regionalexpress, wie es vom Zoll weiter heißt. Die Fahrer oder Reisenden kommen nicht nur aus der Hauptstadtregion, sondern auch von weiter her wie zum Beispiel aus Hessen oder Nordrhein-Westfalen.

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